Patrick Head: Frank Williams musste erst von Damon Hill überzeugt werden

Der frühere Williams-Technikchef Patrick Head berichtet, welcher Zufall Damon Hill ins Team brachte und warum es Ende 1996 zur Trennung kam

Patrick Head: Frank Williams musste erst von Damon Hill überzeugt werden

Mitte der 1990er-Jahre war Damon Hill der große Gegenspieler von Michael Schumacher in der Formel 1. 1992 kam der Brite und Sohn des früheren Weltmeisters Graham Hill in die Königsklasse, erlebte 1994 den Tod von Ayrton Senna im eigenen Team und gewann 1996 seinen einzigen WM-Titel.

Einer, der Hill während dessen Zeit bei Williams hautnah erlebte, war der damalige Technikchef Patrick Head. Alles begann mit den gescheiterten Vertragsverhandlungen zwischen dem Team und Nigel Mansell 1992.

Eigentlich waren sich Frank Williams und Patrick Head bereits mit Mansell einig, doch der schraubte seine Gehaltsforderungen noch einmal nach oben, berichtet Head im Formel-1-Podcast 'Beyond the Grid'.

Head: Williams wollte große Namen

Die Verpflichtung von Hill glich dann einem großen Zufall, blickt Head zurück. 1992 war Hill ein ziemlich unauffälliger Brabham-Pilot, der sich für die meisten Rennen gar nicht qualifizierte. Doch Williams verpflichtete Hill für Testfahrten, die mit dem eigentlichen Rennbetrieb gar nichts zu tun hatten. Und dabei fiel er den anderen Mitgliedern im Team auf, etwa Paddy Lowe.

"Damon hat das Auto getestet, er fuhr sehr konkurrenzfähige Zeiten, war sehr diszipliniert und sehr fit. Einige Leute im Team meinten zu Frank, er solle Damon in Betracht ziehen", so Head. Doch der Teamchef war vom jungen Briten nicht überzeugt.

"Frank war immer sehr beeinflusst von großen Namen. Damon ist ein großer Name wegen seines Vaters, aber nicht wegen Damon", erklärt Head. So habe Hill nach dem Flugzeugabsturz seines Vaters 1975 und den Folgen für die Familie keine leichte Zeit gehabt.

Head: 1994 war Hills bestes Jahr

"Damon war außerhalb Londons auf einem Scooter unterwegs und hat Pizzen ausgeliefert. Er hatte einen sehr schwierigen Einstieg in Formel 1. Ich denke, es hat einige Zeit gedauert, bis Frank realisiert hat, dass Damon der Fahrer sein kann, zu dem er dann geworden ist", erklärt Head.

Gleich in seinem ersten Jahr bei Williams gewann Hill an der Seite des späteren Weltmeisters Alain Prost drei Rennen und wurde WM-Dritter. Nach Prosts Rücktritt wechselte Ayrton Senna zu Williams, doch das Schicksal schlug erbarmungslos zu. In Imola verstarb Senna, für das gesamte Team inklusive Hill war das ein Schock. Doch in den Monaten danach bewies Hill Führungsstärke.

"Damons Persönlichkeit war sehr stark, um das Team aus einer schwierigen Zeit zu führen. Es war eine sehr stressige Saison, mit dem traurigen Höhepunkt, dass Ayrton starb. Es war kein einfaches Jahr", erinnert sich Head. Doch Hill sei fantastisch gewesen. "Für mich stehen Damons Führungsstärke im Team und seine Leistungen auf der Strecke, die er 1994 gezeigt hat, über seinem WM-Titel 1996", stellt Head klar.

Damon Hill und die Vorliebe für zwielichtige Gestalten

Nach dem berüchtigten Finale 1994 in Adelaide und der deutlichen Niederlage gegen Michael Schumacher ein Jahr später schlug 1996 dann die Stunde des Briten. Doch es sollte gleichzeitig auch die letzte Saison für Hill in Diensten des Williams-Teams sein.

"Es war ein großer Fehler", blickt Head auf die Trennung zwischen Williams und Hill zurück. So sei Hill 1996 zwar so stark wie nie zuvor gewesen, "aber er hatte eine Vorliebe für ungewöhnliche Charaktere. Und einer von denen hieß Michael Breen", sagt Head, der mit nur wenig Begeisterung über Hills Protege redet.

So sei es nicht Hill selbst gewesen, der die Verhandlungen mit dem Team führen wollte, sondern eben Breen. "Er war nicht der charmanteste Charakter. Er warf seine Geldbörse auf Franks Tisch und er hat es zwar nicht gemacht, aber er war so ein Charakter, er hätte auch seine Füße auf Franks Tisch gelegt", schildert Head.

Frentzen ersetzte Hill

Es folgte eine Konversation, die Head nicht vergessen sollte. "Er war arrogant und sagte zu Frank, Damon würde nicht mehr für Williams fahren, wenn es kein Gehalt wäre, das fünfmal so hoch war wie sein 1995er-Gehalt. Ich kam etwa in diesem Moment ins Büro und es herrschte eine oder zwei Minuten Stille", schildert der 75-Jährige.

"Und dann sagte Frank: 'Michael, ich rate dir, deine Brieftasche von meinem Tisch zu nehmen. Dort ist die Tür. Bitte geh!' Michael antwortete: 'Wir haben einige Teams, die uns dieses Gehalt anbieten, aber wir würden gerne weiterhin für Williams fahren.' Aber Frank sagte: 'Nimm deine Brieftasche von meinem Tisch, dort ist die Tür und wenn du mit einem sinnvolleren Angebot zurückkehrst, dann würde ich sehr gerne wieder mit dir reden."

Doch dazu kam es nicht, wohl auch deshalb, weil Breen sehr überzeugend war. "Wir haben dann angefangen, uns über andere Fahrer Gedanken zu machen, einer davon war Heinz-Harald Frentzen. Michael Breen war so überzeugend, dass Damon das Gehalt bekommt, dass wir dachten, dass wir ohnehin nicht mithalten können. Das war Pech für ihn", blickt Head zurück.

Nach einem Jahr bei Arrows fuhr Hill noch zwei Jahre für Jordan, eher er seine Karriere Ende 1999 beendete.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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