Perez über Manöver des Rennens: "Ganze Zeit darüber nachgedacht"

Red-Bull-Pilot Sergio Perez zeigt im Grand Prix von Spanien seine Überholqualitäten: Wie es zum Move gegen Daniel Ricciardo kam - Mit P5 nicht restlos zufrieden

Perez über Manöver des Rennens: "Ganze Zeit darüber nachgedacht"

Sergio Perez sorgte im Grand Prix von Spanien für eines der schönsten Überholmanöver des Rennens - auf einer Strecke, auf der Überholen besonders schwierig ist. Der Mexikaner konnte am Ende dennoch nur den fünften Platz im Red Bull einfahren. "Natürlich ist das frustrierend", gesteht er.

Das Rennwochenende in Barcelona war für den zweiten Red-Bull-Piloten schon im Qualifying nicht nach Wunsch verlaufen. Er klagte über Schulterprobleme. Ein Nerv sei eingeklemmt gewesen, berichtete Helmut Marko vor dem Rennen im 'ORF'-Interview.

"Das war das erste Mal, dass ich das hatte, aber heute fühle ich mich wieder fit", berichtet Perez nach dem Rennen. Im Qualifying riss er dadurch aber eine Sekunde Rückstand auf Verstappen auf - nur Startplatz acht.

McLaren vs. Red Bull: Topspeed-Vorteil auf den Geraden

Von dieser Position aus trat er zur Schadensbegrenzung an und konnte gleich in der ersten Runde des Rennens zunächst Carlos Sainz (Ferrari) und außen in Kurve 4 auch Esteban Ocon (Alpine) überholen.

Auf Position sechs liegend hing Perez fortan im Heck von Daniel Ricciardo. "Das war alles, was wir heute machen konnte. Es hat ewig gedauert, bis ich an Daniel vorbeigekommen bin", bedauert er im Nachhinein. Schließlich ist Barcelona nicht dafür bekannt, viele Überholmöglichkeiten zu bieten.

Hinzukam, dass der McLaren dank des Mercedes-Motors auf den Geraden "extrem schnell" war. Ricciardo wurde im Rennen mit einem Topspeed von 337,7 km/h geblitzt, Perez hingegen nur mit 331,1 km/h.

 

Nach dem Reigen der ersten Boxenstopps - Perez holte sich in Runde 23 frische Mediums ab, Ricciardo in Runde 25 - hing der Red Bull wieder hinter dem orangen Renner.

Obwohl sich Perez immer im DRS-Fenster befand, fand er zunächst keinen Weg am Australier vorbei - bis Runde 46. "Wenn es auf der Innenseite nicht klappt, machen wir es eben auf der Außenseite, nicht wahr?", funkte er erfreut.

Denn Perez gelang ein sauberes Manöver nach Start-Ziel hinein in Kurve 1. Er zog sich in der DRS-Zone an den McLaren heran, als sich dieser für die Innenbahn entschieden hatte, scherte er nach außen aus - und ging vorbei. "Gutes Manöver", lobte sein Renningenieur prompt.

Helmut Marko urteilt: "Perez kommt langsam"

"Da muss man kurz applaudieren, weil die Reifen waren auch nicht mehr frisch", merkte 'ORF'-Experte Alexander Wurz in der Live-Übertragung des Rennens an. "Wirklich schön. Echt cool." Und auch Perez selbst weiß, dass ihm ein "guter Move" geglückt ist.

"Ich wusste, ich musste es irgendwie probieren. Daher habe ich so ziemlich das ganze Rennen darüber nachgedacht, wie ich es anstellen sollte. Am Ende hat es schließlich funktioniert", ist er stolz. Damit schnappte er sich den fünften Platz.

Nach einem zweiten Boxenstopp in Runde 57 auf einen gebrauchten Soft jagte Perez außerdem die schnellste Rennrunde, die er allerdings an Teamkollegen Verstappen abgeben musste (+1,334 Sekunden). Im Ziel lag er knapp 48 Sekunden hinter dem Niederländer.

Wie zufrieden ist die Teamführung mit dem Neuling? "Es wäre leichter gewesen, [wenn auch Perez vorne dabei gewesen wäre]. Aber: Perez kommt langsam", resümiert Red-Bull-Motorsportkonsulent Marko im 'ORF'. Der Österreicher hofft, dass sein Schützling beim fünften Rennen in Monaco in Fahrt kommt.

Nachsatz: "Wenn er da das Qualifying schafft, dann ist der Rennspeed nicht mehr so entscheidend." Ähnlich fällt das Fazit auch von Christian Horner aus. Nach einem "schlechten Tag" gestern sei Perez im Rennen von Ricciardo eingebremst worden, meint der Teamchef.

"Offensichtlich hat er es dann lange nicht geschafft, auf der Strecke, auf der überholen so schwierig ist, vorbeizukommen, weil wir brauchen ihn unbedingt in dieser Lücke, damit Mercedes keine strategischen Optionen hat, die sie heute hatten."

Woran Perez derzeit am härtesten arbeitet

Aus diesem Grund wurde Perez im Winter ins Topteam geholt. Endlich sollte ein zweiter starker Fahrer, wenn nicht auf Augenhöhe mit Verstappen, dann immerhin als gute Nummer 2 die Konkurrenz von Mercedes ärgern. Diese Rolle konnten zuvor schon Pierre Gasly und Alexander Albon nicht zur Zufriedenheit der Teamführung ausfüllen.

Wie wichtig ein zweiter starker Pilot ist, beweist am Sonntag einmal mehr Valtteri Bottas bei Mercedes. Der Finne hatte zwar keine Chance im Kampf um den Sieg, er unterstützte Hamilton allerdings uneigennützig und war für Mercedes eine wichtige strategische Komponente im Duell gegen Verstappen.

Red Bull auf der anderen Seite wurde von den beiden Mercedes-Piloten strategisch "an die Wand" gedrückt (Zitat Marko). Bleibt die Frage, wie lange die Bullen-Führung geduldig bleibt mit Perez? Er selbst hat sich zum Ziel gesetzt, sich bis zum fünften Rennen eingewöhnt zu haben. Das steht in zwei Wochen in Monaco an.

Sergio Perez, Red Bull Racing

Sergio Perez, Red Bull Racing

Foto: Charles Coates / Motorsport Images

"Ich bin davon überzeugt, dass Checo immer stärker wird, je mehr Vertrauen und Zeit er im Auto hat", betont Horner. Der 31-Jährige selbst bestätigt: "Ich fühle mich immer wohler mit dem Auto. Jedes Mal wünschte ich am Ende eines Wochenendes, dass es erst beginnen würde."

Aufgrund der limitierten Testzeit im Winter und den gekürzten Trainingssessions sei es schwierig, sich in einem neuen Auto einzugewöhnen. Dabei hilft ihm Verstappen als Referenz: "Wie ich das Auto fahren muss, wie ich das Maximum herauskriege", schildert er seine Erkenntnisse aus den Daten seines Teamkollegen.

"Und wie ich meinen Fahrstil anpassen muss, daran arbeite ich derzeit am meisten", erklärt Perez. "Und jede Strecke ist anders. Wenn ich hier etwas lerne, heißt das nicht, dass es auch in Monaco funktionieren wird. Wenn wir auf einer neuen Strecke sind, dann adaptiere ich den gesamten Freitag meinen Fahrstil."

Monaco: "Wir haben eine Chance auf den Sieg"

Perez weiß, dass er noch zu viel Zeit dafür braucht. In Zukunft wünscht er sich, schneller auf Tempo zu kommen und an einem Wochenende alle Sessions zusammenzubringen. "Wenn ich es dann schaffe, alles zusammenzukriegen, dann haben wir definitiv eine sehr schnelle Pace."

In Ansätzen hat er die bereits im Qualifying in Imola gezeigt, als er die Poleposition nur knapp verpasste. In Portimao konnte er mit Rang vier außerdem sein bislang bestes Ergebnis einfahren. Was darf er sich vom kommenden Rennen in Monaco erwarten?

"Ich freue mich schon extrem auf Monaco, speziell mit diesem Auto." Denn der RB16B sollte in der Theorie in den engen Häuserschluchten des Fürstentums gut liegen. "Ich denke, wir haben eine Chance auf den Sieg. Hoffentlich können wir stark zurückschlagen."

Sein Plan: "Sehr ähnlich wie hier, ehrlich gesagt. Es dreht sich alles ums Qualifying. Das richtig hinzubekommen, wird der Schlüssel zum Erfolg werden. Daher werde ich dieses Wochenende vergessen und es in Monaco wieder versuchen. Wir werden aus den bisherigen Rennen lernen und hoffentlich stärker zurückkommen."

Weitere Co-Autoren: Jonathan Noble. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

geteilte inhalte
kommentare
Es geht nicht viel bei Sebastian Vettel: "Das ist, wo wir im Moment stehen"

Vorheriger Artikel

Es geht nicht viel bei Sebastian Vettel: "Das ist, wo wir im Moment stehen"

Nächster Artikel

Montagsabschluss: Der große F1-Livestream-Talk zum GP Spanien!

Montagsabschluss: Der große F1-Livestream-Talk zum GP Spanien!
Kommentare laden