Perez verärgert nach "unnötiger" Norris-Kollision: "P6 wäre möglich gewesen"

Red-Bull-Pilot Sergio Perez erlebt im Grand Prix der Niederlande eine wilde Aufholjagd vom Ende des Feldes: Bremsplatten & Kollision bremsen ihn ein

Perez verärgert nach "unnötiger" Norris-Kollision: "P6 wäre möglich gewesen"

Sergio Perez und Lando Norris sorgten gegen Rennende des Grand Prix der Niederlande für ein wenig Action. Die beiden gerieten in Runde 66 aneinander - die einzige, kleine Kollision im gesamten Rennen. Der Red-Bull-Pilot ärgert sich daraufhin über das Verhalten des Briten.

"Es ist schade, denn ich denke, am Ende war P6 heute möglich. Aber dann habe ich Lando berührt und dadurch hatte ich sehr viel Schaden auf der rechten Seite des Autos", schildert der Mexikaner nach dem Rennen. Der Zwischenfall sei "unnötig" gewesen, findet Perez.

Er lag bereits in seinem ersten Stint nach einem frühen Reifenwechsel lange Zeit hinter dem McLaren, ehe Norris in Runde 42 an die Box abbog. Perez folgte in Runde 47. Er holte in großen Schritten auf frischen weichen Reifen auf den McLaren auf - bis er schließlich in Runde 62 in dessen DRS-Fenster landete.

Norris: "Wollte ihm das Leben nicht leicht machen"

Ungeduldig versuchte es Perez in Runde 66 schließlich auf der Außenbahn in Kurve 1 vorbei, doch Norris wollte nicht nachgeben. Die beiden Fahrzeuge verkeilten sich, da sich das rechte Vorderrad des Red Bull und das linke Hinterrad des McLaren berührten.

"Ich hatte nicht genügend Platz, und da haben wir uns berührt. Ich hatte einen recht großen Schaden an der rechten Seite des Autos. Dadurch habe ich sehr viel Grip verloren", merkt der Routinier an.

Was hat Norris zu seiner Verteidigung zu sagen? "Es war einfach so, dass ich ihm das Leben nicht leicht machen wollte." Denn allein die Tatsache, dass er sich mit stumpfen Waffen gegen einen Red Bull zur Wehr setzen musste, rechtfertige nicht, dass er den Platz kampflos aufgibt, stellt er klar.

 

"Egal wer es ist, egal ob wir nun gegen Max oder Lewis oder wen auch immer auf der Strecke fahren, man muss sie alle gleich behandeln, und ich werde ihm das Leben nicht leicht machen, denn ich will diese Punkte genauso sehr wie er." Daher habe er Perez "ein bisschen" abgedrängt.

Allerdings ist dem McLaren-Piloten wichtig zu betonen: "Ich habe ihn nicht von der Strecke gedrängt oder so etwas, wir haben beide hart gegeneinander gekämpft." Perez habe in Kurve 1 hinein ein wenig zurückgezogen, Norris wiederum wollte ihm "nicht viel Platz" lassen.

Dennoch konnte Perez am Ende vorbeigehen. "Keiner von uns ist gecrasht, und ich glaube, er hat danach noch einen überholt", merkt Norris an. Tatsächlich schnappte sich der Bulle in der vorletzten Runde auf seiner Aufholjagd auch noch Esteban Ocon im Alpine - für Fernando Alonso und Carlos Sainz reichte die Zeit nicht mehr.

Bremsplatten nach Masepin-Aktion führt zu frühen Stopp

Am Ende landet Perez auf Platz acht und spricht von Schadensbegrenzung. Denn das Team wechselte nach seinem taktisch misslungenen Qualifying am Samstag (P16) den kompletten Honda-Antrieb und führte die vierte Power-Unit in seinen Pool ein, daher musste er aus der Boxengasse starten.

"Wir konnten den Schaden heute minimieren. Immerhin haben wir einen neuen Motor, die Strafe haben wir also abgesessen." Und das auf einer Strecke, von der vor dem Rennsonntag behauptet wurde, Überholmanöver seien unmöglich.

"Jedes Überholmanöver war heute sehr am Limit, es war so riskant", gibt Perez zu. Dennoch hat er die These widerlegt, er startete gleich zweimal eine sehenswerte Aufholjagd. "Ich musste sehr viel Risiko eingehen und das Hinterherfahren war so schwierig. Ich habe alles gegeben."

Das konnte man direkt in den ersten Rennrunden beobachten. Perez knöpfte sich zunächst Nicholas Latifi im Williams vor, der ebenso aus der Boxengasse starten musste, danach war Mick Schumacher an der Reihe. Als er schließlich auf dessen Teamkollegen Nikita Masepin auflief, wurde es erstmals heikel.

Perez versuchte ein Manöver in Kurve 1 hinein, doch der Haas-Rookie schlug die Tür zu. Der Red-Bull-Pilot musste stark verlangsamen und handelte sich dabei einen großen Bremsplatten vorne rechts ein. Das Rad blockierte mehrere Sekunden lang.

Da die Vibrationen zu groß wurden, holte das Team Perez bereits in Runde 8 zum unplanmäßigen Stopp an die Box. Er wechselte von Hard auf Medium. "Unser Rennen wurde durch Nikita am Anfang sehr erschwert, denn ich hatte einen Bremsplatten", gibt er zu.

Marko kritisch: "Hätte besser sein können"

Masepin habe "sehr spät" gebremst, er versuchte ihm auszuweichen, schildert Perez. Durch seinen Boxenstopp wurde er abermals zurückgeworfen. "Das Rennen begann wieder von vorne. Das hat uns wahrscheinlich [auch] P6 gekostet heute." Im Ziel fehlten 2,5 Sekunden auf Fernando Alonso.

"Aber das Positive ist, dass Max das Rennen für das Team gewonnen hat und wir unseren neuen Motor haben, sodass wir für den Rest des Jahres gut aufgestellt sind", versucht Perez optimistisch zu bleiben. Vier Punkte hat er zum Konstrukteurs-Konto von Red Bull beigetragen.

Die schnellste Rennrunde war diesmal kein Thema, erklärt er: "Nein, weil wir so nahe an den Punkten dran waren. Dadurch hätten wir heute Punkte verloren." Denn wäre er am Ende ein drittes Mal gestoppt, wäre er aus den Top 10 gefallen - und hätte den Punkt Lewis Hamilton nur entreißen, aber selbst nicht punkten können.

 

Foto: Andy Hone / Motorsport Images

"Perez ist Gott sei Dank auch in die Punkte gefahren", resümiert Helmut Marko bei 'ServusTV'. Ganz zufrieden scheint der Red-Bull-Verantwortliche allerdings nicht zu sein: "Es hätte besser sein können, ohne den Verbremser."

Teamchef Christian Horner hört sich bei 'Sky' deutlich glücklicher an: "Er ist heute ein großartiges Rennen gefahren und hatte einen riesigen Plattfuß, sodass wir ihn aus Sicherheitsgründen an die Box holen mussten. Dadurch war er in einer noch schwierigeren Position."

Die Überholmanöver und die Aufholjagd, die Perez am Sonntag gezeigt hat, seien dennoch sehr stark gewesen. "Das sind heute wirklich wichtige Punkte für uns und gut für sein Selbstvertrauen nach einem wirklich harten Samstag."

Norris auf P10: "Zufrieden mit einem Punkt"

Wie ging das Rennen für McLaren-Pilot Norris nach der Kollision zu Ende? "Es war sehr schwierig, das Auto auf der Strecke zu halten und keine großen Fehler zu machen. Es war hart, aber es hat sich ausgezahlt", freut sich der Brite über Platz zehn.

Er weiß: "So gerne ich am Ende vor dem Red Bull geblieben wäre, um gegen Alpine zu kämpfen, wir hatten einfach nicht den Vorsprung oder nicht genug Pace, um das zu schaffen. Aber ich bin mit dem einen Punkt zufrieden."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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