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Perfekte Rennfahrerstatur: Warum es für Tsunoda trotzdem kein Vorteil ist

Kleiner Mann ganz groß - Yuki Tsunoda ist mit seinen 1,59 Metern eine Ausnahmeerscheinung in der Formel 1, ein Vorteil ist es aber nicht zwingend

Perfekte Rennfahrerstatur: Warum es für Tsunoda trotzdem kein Vorteil ist

Yuki Tsunoda ist in der aktuellen Formel-1-Saison in vielerlei Hinsicht besonders. Rein sportlich sorgte der 20 Jahre alte Rookie in Bahrain direkt für Aufsehen. Ein mindestens ebenso großes Thema ist allerdings die Statur des Japaners.

Tsunoda sticht unter vielen kleinen Fahrern heraus - oder eben auch nicht. Denn mit seinen gerade einmal 1,59 Meter Körpergröße und 61 Kilogramm Gewicht ist Tsunoda nicht nur leicht zu übersehen, er stellte die Designer des aktuellen AlphaTauri-Fahrzeugs auch vor eine ziemliche Denkaufgabe.

Grundsätzlich gilt in der Formel 1: Je kleiner und leichter, desto besser. Bis vor ein paar Jahren war dies sogar noch deutlicher. Denn seit 2019 gilt die Vorgabe, dass Fahrer mit voller Montur und Sitz mindestens 80 Kilogramm wiegen müssen. Diese Regeländerung kam Piloten wie Nico Hülkenberg sehr entgegen.

Denn der Emmericher, der fast schon riesige 1,84 Meter misst und dementsprechend auch mehr Gewicht auf die Waage bringt, hatte zuvor einen klaren Nachteil gegenüber kleineren Fahrern.

Gewichtsverteilung und Aerodynamik entscheidend

Noch schlimmer traf es früher Alexander Wurz, der noch einmal zwei Zentimeter größer ist als Hülkenberg. "Vom ersten Tag an im Motorsport war ich gestraft durch meine Größe und mein Gewicht", sagte er einst im Interview mit 'Motor Sport Magazine'.

Vor allem zwei Punkte sind in dieser Thematik wichtig: Gewichtsverteilung und aerodynamische Effizienz. Leichte Fahrer geben den Ingenieuren mehr Spielraum bei der Ballastverteilung. Bei einem stetig steigenden Fahrzeug-Mindestgewicht, das inzwischen bei 752 Kilogramm angekommen ist, kann das eine Menge ausmachen.

Kleine Fahrer haben zudem weniger Einfluss auf den Luftstrom. Hinzu kommt der Faktor Platz: Ein Cockpit ist nach festen Maßen gebaut, gerade Neulinge, auf deren Werte ein Auto nicht ausgelegt ist, können Probleme bekommen.

Das gilt aber nicht nur für große Fahrer, sondern auch für sehr kleine wie Tsunoda. Die Folge waren exzessive Umbaumaßnahmen für den Japaner. "Bei mir muss viel Schaumstoff in das Monocoque getan werden, damit ich höher sitze und überhaupt etwas sehe", sagt Tsunoda.

Button: "Wo sind bei Tsunoda die Pedale?"

Und weiter: "Wir haben auch einen speziellen Pedal-Aufsatz gebaut, damit ich die Pedale erreiche. Wir mussten viel Arbeit reinstecken, daher denke ich nicht, dass es ein großer Vorteil für mich ist." Der frühere Weltmeister Jenson Button scherzte bereits: "Ich würde gerne mal sehen, wo im Auto seine Pedale sind. Vermutlich da, wo früher meine Knie waren."

Einen direkten Vergleich hat Tsunoda in der Nachbargarage. Sein Teamkollege Pierre Gasly misst 1,77 Meter, der Franzose spürt aber keinen Nachteil. "Ich denke, ich kann nicht einschätzen, wie viel Energie Yuki und das Team aufwenden müssen, um eine passende Position zu finden. Das Chassis wurde für [Daniil Kwjat] und mich gebaut", erklärt er.

Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko sieht auch keinen Vorteil für Tsunoda, vor allem nicht in der aktuellen Phase. "Ein normales Auto zu adaptieren, war für AlphaTauri schon recht schwierig", sagt Marko zu 'RTL'.

Noch immer gebe es Probleme im Simulator, "weil wir dort nicht so die Möglichkeit haben. Wir haben schon einen Spezialsitz mit den Pedalen, aber es passt immer noch nicht", erklärt er.

Marko: Tsunoda hat Schmerzen im Simulator

Dies habe deutlich negative Auswirkungen auf die Rennvorbereitung. "Er kann keinen Tag durchfahren, weil er von der Sitzposition her nicht optimal unterwegs ist. Er kriegt dann Schmerzen, er kriegt Verspannungen und dergleichen", berichtet Marko.

Umso beeindruckender, wie sich Tsunoda in der Formel 1 bislang präsentiert. Auch das Team ist begeistert. "Die Lernkurve eines jungen Fahrers ist immer steil, wenn er in die Formel 1 kommt. Aber er geht es Schritt für Schritt an", erklärt AlphaTauris Technischer Direktor Jody Egginton.

Tsunoda verstehe es sehr gut, genau zu formulieren, was er will. "Er arbeitet gut mit den Ingenieuren zusammen. Und er lernt schnell", sagt Egginton: "Ich denke, er macht einen guten Job. Er ist in einer guten Position und wir alle freuen uns auf die Saison."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Fahrer Yuki Tsunoda
Teams AlphaTauri
Urheber Chris Lugert