"Philosophisch lehne ich das ab", aber: Mercedes gibt im Motorenstreit nach
Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff deutet an, dass er zum Wohle der Formel 1 für die vorgeschlagenen Motorenänderungen stimmen wird, auch wenn er dagegen ist
Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ist nicht einverstanden mit dem Vorgehen
Foto: LAT Images
Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff deutet an, dass sich der Hersteller dem Druck der Konkurrenz und der FIA beugen und dem E-Voting über die angedachte Änderung bei den Formel-1-Antrieben zustimmen wird. Er betont aber gleichzeitig auch, dass Mercedes dies nicht aus Überzeugung tut, sondern lediglich zum Wohl der Formel 1.
Hintergrund ist der Streit rund um das Verdichtungsverhältnis, bei dem Mercedes vorgeworfen wird, den Grenzwert von 16:1 bei laufendem Motor zu überschreiten. Die Kontrollen der FIA werden aber nur bei Umgebungstemperaturen durchgeführt, weswegen die Konkurrenten beim Verband intervenierten, da Mercedes sonst einen vermeintlich starken Vorteil haben würde.
Gestern wurde im Motorenausschuss entschieden, dass die FIA neue Messmethoden (nämlich auch unter Betriebsbedingungen) einführen wird - das allerdings erst ab August. Dieser Vorschlag wurde den Herstellern zur Abstimmung vorgelegt, die nun darüber entscheiden, bevor er beim FIA-Weltrat abgesegnet werden kann.
Im Grunde scheint es nun zwei Möglichkeiten zu geben: Entweder bleibt man beim aktuellen Reglement oder es gibt eine Änderung auf Basis des FIA-Vorschlags. "Beides ist für uns in Ordnung", betont Wolff am Donnerstag im Rahmen der Testfahrten in Bahrain und deutet an, dass sich Mercedes dem Vorschlag anschließen wird.
Denn er sagt: "Letztlich ist es den Streit nicht wert. Für uns ändert sich nichts, egal ob wir so bleiben oder zum neuen Reglement wechseln."
Wolff hadert: "Sollte es so laufen?"
Denn die häufig zitierten Zahlen von 15 bis 20 PS, die Mercedes durch sein Vorgehen als Vorteil haben soll, seien weit übertrieben. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass die ganze Sache wie ein Sturm im Wasserglas wirkt", meint der Österreicher, gibt aber auch zu: "Wenn diese Zahlen gestimmt hätten, würde ich absolut verstehen, warum jemand dagegen ankämpft."
Wolff betont aber auch, dass er mit dem generellen Vorgehen in diesem Fall nicht einverstanden ist. "Wir haben eine Komponente streng nach dem Reglement entwickelt, was uns auch bestätigt wurde - und dann verbünden sich plötzlich alle anderen und behaupten, sie sei illegal. Dass die Regelhüter so unter Druck gesetzt werden - sollte es so laufen?", fragt er und gibt selbst die Antwort.
"Philosophisch gesehen lehne ich das ab", betont er, "aber genau so ist es in der Formel 1 in den letzten 50 Jahren gelaufen. Diesmal hat es uns getroffen. Und ich schätze, beim nächsten Mal werden wir uns gegen jemand anderen zusammenschließen, weil wir finden, dass bei denen etwas nicht richtig ist."
Und auch wenn er persönlich dagegen ist, sich bei einer vermeintlich legalen Lösung so unter Druck setzen zu lassen, will sich Mercedes als "guter Bürger" verhalten, wie Wolff sagt.
Mercedes würde es auf Protest ankommen lassen
"Ich glaube, dass Regeln dazu da sind, genutzt zu werden", meint er. "Aber wenn vier andere Motorenhersteller an einem gewissen Punkt immensen Druck auf die FIA ausüben, welche Wahl haben wir dann, außer mitzuspielen? Wir wären sogar bereit gewesen, es in Melbourne auf einen Protest am Freitag ankommen zu lassen. Aber ist es das, was wir wollen?"
Somit wird es aller Voraussicht nach so kommen, dass Mercedes seinen Vorteil zu Saisonbeginn behalten kann, sich bis August aber auf die neuen Messmethoden einstellen muss. Die sind für Wolff übrigens ein guter Kompromiss, denn andere Hersteller würden sich wünschen, Tests nur unter Betriebsbedingungen durchzuführen.
"Ich denke, so wie es jetzt gemacht wird - nämlich dass es sowohl im kalten als auch im heißen Zustand regelkonform sein muss -, da hat niemand einen Vorteil", so Wolff. "Denn ich glaube, der Versuch der anderen war, dass nur noch im heißen Zustand gemessen wird; dann hätten sie es im kalten Zustand sogar außerhalb des Reglements betreiben können."
"So ist es jetzt ein faires Spiel für alle."
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