Piastri-Sieg gestohlen durch Safety-Car? Das sagen die Daten!
Oscar Piastri auf Siegkurs, doch das Safety-Car in Japan verändert alles: Die Daten zeigen, warum Antonelli wohl auch ohne Rennunterbrechung gewonnen hätte
Oscar Piastris Siegchance in Japan wurde durch das Safety-Car massiv beeinträchtigt
Foto: Getty Getty
Hat das Safety-Car infolge des heftigen Unfalls von Haas-Pilot Oliver Bearman in Runde 22 Oscar Piastri den Sieg in Japan gekostet? Zu diesem Zeitpunkt lag der McLaren-Pilot in der hochgerechneten Rennführung und hatte seinen Pflichtboxenstopp bereits absolviert.
Mercedes-Pilot Andrea Kimi Antonelli profitierte jedoch vom Timing des Safety-Cars und konnte einen vergleichsweise günstigen Reifenwechsel durchführen, wodurch er Piastri durch den Stopp überholen konnte. Doch wie hätte sich das Rennen ohne Unfall und ohne Safety-Car entwickelt?
Hätte McLaren den Sieg einfahren können? War Mercedes schlicht zu schnell? Und falls ja: Hätte dennoch Kimi Antonelli gewonnen oder sein Teamkollege George Russell, der vor dem Safety-Car auf der Strecke vor Antonelli lag und somit der führende Mercedes-Fahrer war?
Daten: Russells Pace zu schlecht für den Sieg
Die Frage nach George Russell lässt sich anhand der Daten vergleichsweise eindeutig beantworten. Der Brite hatte mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Chance auf den Sieg - unabhängig davon, ob ein Safety-Car zum Einsatz gekommen wäre oder nicht. Der Grund: fehlende Pace.
Nach einem schwachen Start, der ihn auf Rang vier zurückwarf, konnte sich Russell zwar zügig wieder auf Position zwei nach vorne arbeiten, doch an Oscar Piastri fand er keinen Weg vorbei. Dieser kam schließlich in Runde 18 an die Box, um einem möglichen Undercut Russells zuvorzukommen.
In der Folge hatte Russell freie Fahrt und steigerte sein Tempo um rund 0,25 Sekunden pro Runde im Vergleich zu seiner Zeit im Verkehr hinter dem McLaren. Dennoch war diese Pace nicht ausreichend, denn sein Teamkollege Antonelli setzte - ebenfalls mit freier Fahrt nach Überholmanövern gegen Charles Leclerc und Lando Norris - deutlich stärkere Akzente.
Falsches Set-up bremst Russell aus
Ein Vergleich der Rundenzeiten kurz vor Russells Boxenstopp, als beide Mercedes-Piloten freie Fahrt hatten, zeigt deutlich: Antonelli war in dieser Phase im Schnitt 0,61 Sekunden pro Runde schneller als sein Teamkollege (1:34,156 gegenüber 1:34,766).
Mercedes holte Russell schließlich in Runde 21 an die Box, um sich gegen einen drohenden Undercut von Leclerc zu verteidigen, der zu diesem Zeitpunkt etwa eine halbe Sekunde pro Runde schneller unterwegs war (1:34,275).
Auch im zweiten Stint gelang es Russell nicht, entscheidend aufzuholen. Der Grund lag laut Teamchef Toto Wolff in einem suboptimalen Set-up, das ihn bereits im Qualifying beeinträchtigt hatte: "Das hat George heute definitiv Performance gekostet."
Damit ist klar: Russell fehlte die notwendige Geschwindigkeit, um das Rennen zu gewinnen - sowohl im ersten als auch im zweiten Stint. Ohne Safety-Car hätte er Piastri ebenfalls nicht überholen können. Nur ein früheres Safety-Car eine Runde früher oder ein Boxenstopp eine Runde später hätten ihm eine Siegchance eröffnet.
Antonelli: Sieg auch mit der Overcut-Strategie?
Andrea Kimi Antonelli präsentierte sich in Japan als der schnellere Mercedes-Fahrer, was zunächst durch seinen schwachen Start und die Duelle mit Norris und Leclerc verdeckt wurde. Spätestens in freier Fahrt vor seinem Boxenstopp wurde jedoch deutlich, welches Potenzial in seinem Tempo lag.
Ohne Safety-Car hätte Mercedes mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Overcut-Strategie gesetzt, um zusätzlichen strategischen Druck auf Piastri auszuüben. Ein Blick auf Piastris Rundenzeiten nach seinem Stopp zeigt: Mit frischen Reifen kam er im Schnitt auf 1:34,392 - und war damit über zwei Zehntel langsamer als Antonelli auf alten Reifen.
Vor dem Safety-Car betrug Antonellis Vorsprung auf Piastri etwa 18 Sekunden, während ein Boxenstopp in Suzuka rund 21,5 Sekunden kostet. Es ist schwer exakt vorherzusagen, wie sich die Zeiten entwickelt hätten, doch ein aggressiver Overcut - möglicherweise sogar mit einem Wechsel auf Soft-Reifen für die Schlussphase - erscheint sehr wahrscheinlich.
Zweiter Stint zeigt: Mercedes klar überlegen
Im zweiten Stint wurde die Überlegenheit von Mercedes besonders deutlich. In freier Fahrt war Antonelli im Schnitt rund eine halbe Sekunde pro Runde schneller als die Konkurrenz bei vergleichbarem Reifenalter.
Berücksichtigt man zusätzlich das mögliche Reifendelta durch eine Overcut-Strategie, hätte sich theoretisch ein Gesamtvorteil von über neun Zehnteln pro Runde ergeben können. Der Reifenverschleiß auf den harten Reifen lag bei 0,037 Sekunden pro Runde, was bei einem angenommenen Overcut von zehn Runden einem theoretischen Reifendelta etwa 0,37 Sekunden pro Runde entspricht.
Da Antonelli bereits mit älteren Reifen schneller war als Piastri mit frischen, hätte er nach einem späten Stopp wohl direkt hinter dem McLaren wieder auf die Strecke zurückgefunden. Ein Sieg Antonellis erscheint somit auch ohne Safety-Car äußerst wahrscheinlich.
Konkurrenz näher dran, aber Mercedes bleibt Maßstab
Die Daten zeigen erneut: Der Kampf um den Sieg wirkte enger, als er tatsächlich war. Mercedes machte das Rennen vor allem durch schwache Starts spannend. Gelingt es künftig, die erste Startreihe auch nach Runde eins zu behaupten, dürften die Kräfteverhältnisse schnell klar sein.
Dennoch lässt sich festhalten, dass sowohl McLaren als auch Ferrari in Japan näher an Mercedes herangerückt sind als in Australien und China. Über das gesamte Rennen hinweg betrug der Rückstand im Schnitt 0,29 Sekunden pro Runde für McLaren und 0,38 Sekunden für Ferrari.
Betrachtet man ausschließlich den repräsentativeren zweiten Stint in freier Fahrt, lagen McLaren (+0,53) und Ferrari (+0,55) dennoch so nah wie bislang noch nicht an Mercedes. Zuvor betrug Ferraris Rückstand rund sechs Zehntel pro Runde (Australien: +0,64; China: +0,58), während McLaren in Australien sogar 1,34 Sekunden pro Runde fehlten.
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