Privates Interview mit Valtteri Bottas: "Als Kind war ich dick"

Der Mercedes-Pilot privat: Welches Auto sich seine Ehefrau unter den Nagel riss und warum er sich von seinem ersten Formel-1-Gehalt ein Haus am See baute

Topfit und hager, mit kaum Körperfett am Leib und als den Schirmherrn seines eigenen Duathlon-Wettbewerbs in Finnland: So kennen die Formel-1-Fans Mercedes-Pilot Valtteri Bottas. Ein Profisportler, der sich beim Lauftraining oder beim Bahnen ziehen mit Ehefrau Emilia – einst Olympiaschwimmerin – quält. Doch als Kind hatte der kleine Valtteri ordentlich Speck auf den Hüften, wie er im Interview über private Themen verrät. Ob es daran gelegen hat, dass er sogar mit seinen schärfsten Konkurrenten aus dem Kartsport jeden Abend begeistert gegrillt hat?

Frage: "Valtteri, erzählen Sie etwas über den Begriff Sisu. Geht es um Süßigkeiten, den Fahrstil, oder um etwas ganz anderes?"
Bottas: "Natürlich geht es um Süßigkeiten (lacht; Anm. d. Red.). Tatsächlich gibt es da ein Sprichwort, das besagt, dass Finnen im Vergleich zu den restlichen Europäern anders wären. Wir unterscheiden uns in Kleinigkeiten, durch unser Verhalten oder im Umgang mit gewissen Situationen. Man sagt uns einen starken Willen nach. Wahrscheinlich wegen den harten Zeiten, die unser Land hinter sich hat. Vielleicht sind wir dadurch auch ein wenig mehr auf uns bedacht und geben nicht so schnell auf. Daher kommt meiner Meinung nach die Bezeichnung Sisu."

 

 

Frage: "Also ist an dem Sprichwort 'If you want to win, hire a Finn' etwas dran ..."
Bottas: … Anscheinend ist da etwas dran. Mit gerade 5,5 Millionen Einwohnern ist unser Land verhältnismäßig klein. Trotzdem gibt es seit langer Zeit immer einen finnischen Fahrer in der Formel 1. Und wir haben bereits vier Titel. Wir schneiden also nicht so schlecht ab, wenn man uns mit den Erfolgen der größeren Länder vergleicht! Unsere Mentalität scheint sich im Sport bezahlt zu machen."

Frage: "Hätten Sie eine andere Karriere im Bereich des Motorsports angestrebt, wenn Sie kein erfolgreicher Formel-1-Fahrer geworden wären?"
Bottas: "Ja, da bin ich ziemlich sicher! Ich fahre mein Leben lang Rennen und kann mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. Auch wenn es nicht Motorsport wäre, würde ich sicherlich einem anderen Sport nachgehen, weil ich Wettkämpfe mag. Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, was ich machen würde, wenn ich keinen Erfolg in der Formel 1 hätte. Ich habe keine Ahnung, was ich machen würde, darum bin ich froh über den Erfolg!"

Frage: "Gibt es eine besonders schöne Erinnerung im Bezug auf Ihren Weg zum Rennfahrer und dem Traum, Formel-1 zu fahren?"
Bottas: "Als ich noch mit meiner Familie zu den Rennen gefahren bin, waren wir mit einem Wohnwagen unterwegs. Wir sind immer über das Wochenende zu den Rennen gefahren - am Freitag sind wir los und am Sonntag wieder zurück. An den Abenden nach den Rennen haben wir mit den Familien meiner Konkurrenten an der Strecke gegrillt. Es war ganz unkompliziert, wir hatten Spaß und sind einfach gefahren. Sogar am Abend war man immer in Gesellschaft, ist mit den Mopeds herumgefahren und hat Ärger gesucht, wie Kinder es machen. Das war eine super Zeit!"

 

Race winner Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1, celebrates with his wife Emilia
Race winner Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1, celebrates with his wife Emilia

Foto Steve Etherington / LAT Images

 

Frage: "Welche Rennserie hat Ihnen vor der Formel 1 rückblickend am besten gefallen?"
Bottas: "Ich würde sagen, das war in den ersten Jahren, als ich Kart gefahren bin. Damals war ich sechs oder sieben Jahre alt. Es war ziemlich entspannt und lustig. Der Spaß am Rennfahren kam erst, als ich in die Formel Junior eingestiegen bin. Ich wurde oft gefragt, warum ich nicht mehr Kart gefahren bin, denn im Vergleich zu anderen Fahrern war es nur eine kurze Zeit. Ich war einfach viel zu begeistert von den größeren und schnelleren Autos. Im Gegensatz zu den Fahrern, die länger Kart gefahren sind und es vermissen, bevorzuge ich die schnelleren Autos! Die Formel 1 war mein einziges Ziel. Als ich das erste Mal ein Kart gesehen habe, wollte ich Formel-1-Fahrer werden."

Frage: "Was haben Sie sich von Ihrem ersten Formel-1-Gehalt gekauft?"
Bottas: "Mein erstes richtiges Gehalt habe ich 2014 für ein Haus am See ausgegeben. Mir wurde etwas Land von meiner Heimatstadt geschenkt, da ich durch meinen Erfolg im Sport positiv auf sie aufmerksam gemacht habe. Der perfekte Platz für einen ruhigen Ort am See. Auch wenn ich es nicht wirklich selbst gebaut habe."

Frage: "Welches Auto fahren Sie im Alltag? Was hat Ihre Garage sonst zu bieten?"
Bottas: "Ich hatte in Finnland einen Mercedes GLE Coupe, irgendwie ist er nun im Besitz meiner Frau! Ich weiß auch nicht genau, wie es dazu kam. In Monaco steht mein C63S Coupe - mein Lieblingsauto. In Finnland habe ich noch einen Porsche 911 4S und Quad-Bikes. Außerdem hatte ich jahrelang ein Schneemobil. Das habe ich letztes Jahr verkauft, darum brauche ich unbedingt ein neues! Mein Jet-Ski habe ich auch verkauft. Es ist also Platz für ein Paar neue Anschaffungen!"

Frage: "Es gibt Fahrer, die in anderen Motorsport-Disziplinen unterwegs sind, um fit zu blieben. Sie auch?"
Bottas: "Ja, das mache ich auch. Es macht Spaß, alles Mögliche zu fahren. Im Winter bin ich sehr viel Crosskart gefahren. Das hat riesigen Spaß gemacht. Diesen Winter habe ich Marcus Gronholm (Ex-Rallye-Weltmeister; Anm. d. Red.) auf seiner Farm besucht und wir sind auf seiner Strecke im Schnee gefahren. Eine gute Übung, wenn es um Kontrolle geht und es macht einfach Spaß."

 

 

Frage: "Wenn Sie Ihrem jüngeren Ich einen Rat zur Erfüllung seiner Träume geben könnten, welcher wäre es?"
Bottas: "Ich würde nicht viel sagen, weil ich bisher gut vorangekommen bin. Vielleicht würde ich erwähnen, dass er das Kart fahren und alles, was mit professionellem Motorsport zu tun hat, schon früher ernst nehmen sollte. In den Saisons von 1996 bis 1999 hat es gut angefangen, aber in den darauffolgenden Jahren, zwischen 2000 und 2002, hatte ich ein paar Probleme auf finnischen Nationallevel. Ich war unter den Top 5, aber habe nicht immer gewonnen. Es hat mich genervt, auf dem fünften, vierten oder dritten Platz zu landen, also habe ich angefangen zu trainieren und bin viel Laufen gegangen. Ich war als Kind übrigens relativ dick. Ich habe an Gewicht verloren und öfter gewonnen. Daher wünschte ich, dass ich früher damit angefangen hätte! Wenn der Wettkampf ernster wird, gibt es immer jemanden, der härter an sich arbeitet. Ich musste also nachziehen."

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