Punkte weg: So begründet die FIA die Strafe gegen Kimi Räikkönen

Kimi Räikkönen wurde in Imola Opfer eines Regelchaos und verlor zwei wichtige Punkte - Deutliche Kritik der Rennkommissare am Reglement

Punkte weg: So begründet die FIA die Strafe gegen Kimi Räikkönen

Das Rennen war bereits mehrere Stunden um, als die Freude bei Alfa Romeo und Kimi Räikkönen über die ersten Punkte der laufenden Formel-1-Saison Ernüchterung wich. Denn statt des neunten Platzes, den der Finne in Imola scheinbar ins Ziel brachte, stand er nach einer späten 30-Sekunden-Strafe plötzlich mit leeren Händen da.

Der Vorfall, der zur Sanktionierung Räikkönens führte, dürfte in dieser Kombination bislang einmalig in der Formel 1 sein und

könnte eine Regeländerung nach sich ziehen. Was genau war eigentlich passiert?

Alles begann mit dem schweren Unfall zwischen Mercedes-Pilot Valtteri Bottas und Williams-Fahrer George Russell. Die Rennleitung unterbrach das Rennen mit der Roten Flagge, um die Aufräumarbeiten durchführen zu können. So weit, so normal.

Räikkönens Dreher setzte Chaos in Gang

Nach Beseitigung der Wracks und Trümmer entschied sich die Rennleitung für einen rollenden Start hinter dem Safety-Car. Bernd Mayländer führte die Fahrer auf die Strecke, auch das verlief zunächst noch ohne besondere Vorkommnisse.

Das Unheil für Räikkönen begann in Kurve drei nach dem Verlassen der Boxengasse. Der Finne verlor auf der in Teilen immer noch feuchten Strecke die Kontrolle über sein Auto und rutschte von der Strecke, das Feld fuhr an ihm vorbei. Jetzt wird es interessant und kompliziert zugleich.

Denn wenngleich diese Runde hinter dem Safety-Car zu den normalen Rennrunden zählt, wird das Geschehen dahinter wie auf einer Formationsrunde bewertet. Ein Fahrer darf seine Position nach einem Ausrutscher gemäß Artikel 42.6 des Sportlichen Reglements zurückholen, wenn er dies bis zur ersten Safety-Car-Linie schafft. Diese befindet sich in Imola direkt an der Abzweigung der Boxengasseneinfahrt.

Unterschied Formationsrunde vs. Renngeschehen

Dies war übrigens auch der Unterschied zur Situation mit Sergio Perez. Dieser rutschte während der ersten Safety-Car-Phase nach dem Unfall von Williams-Pilot Nicholas Latifi von der Strecke. Da es sich dabei aber um ein normales Renngeschehen handelte und nicht um eine Formationsrunde vor einem (Re-)Start, waren seine Überholmanöver regelwidrig, weshalb er eine Zehn-Sekunden-Strafe bekam.

Jetzt allerdings kommt ein Regelwiderspruch zum Tragen, den auch die Stewards in ihrer Urteilsbegründung kritisieren. Denn in Artikel 42.12 heißt es, dass Überholmanöver hinter dem Safety-Car bei einem rollenden Start nicht mehr erlaubt sind, sobald es die Lichter ausschaltet. Ab diesem Punkt, so ist es der Normalfall, gibt der Führende die Geschwindigkeit vor.

In besagter Situation hatte Räikkönen nach seinem Dreher erst in der Variante Alta, also in den Kurven 13 und 14, den Anschluss an das Feld wiederhergestellt. Die Lichter am Safety-Car wurden jedoch bereits in Kurve zehn ausgeschaltet. Was also jetzt? Durfte oder musste sich Räikkönen sogar seine Position zurückholen oder nicht? Die bittere Erkenntnis: dieser Fall ist im Reglement so nicht existent.

Unklarheiten auch beim Team

Auch das Team wusste offenbar nicht, wie es mit der Situation umzugehen hatte. Sein Renningenieur gab Räikkönen die Anweisung, seine Position nicht zurückzuholen. Das Team wollte sich zwar noch bei Renndirektor Michael Masi rückversichern, für eine Antwort blieb aber keine Zeit mehr. Räikkönen blieb auf seiner hinteren Position.

Nun kam allerdings Artikel 42.6 zum Tragen. In diesem heißt es zwar, wie bereits erklärt, dass ein Fahrer die Position bis zur ersten Safety-Car-Linie zurückholen darf. Schafft er dies jedoch nicht - oder verzichtet wie in Räikkönens Fall darauf - so muss der Fahrer am Ende der Runde in die Boxengasse einbiegen und darf diese erst verlassen, wenn das Feld vorbeigezogen ist.

Diese verpflichtende Abbiegung in die Boxengasse nahm Räikkönen allerdings nicht vor. Daraufhin belegten die Rennkommissare den Finnen nach dem Rennen mit einer zehnsekündigen Stop-and-Go-Strafe, die in eine 30-sekündige Zeitstrafe umgewandelt wurde. Damit rutschte Räikkönen von Platz neun auf Rang 13 ab.

Stewards kritisieren widersprüchliche Regeln

In ihrer Urteilsbegründung prangern die Kommissare den Regelwiderspruch deutlich an, "wenn sich die Autos während einer Safety-Car-Phase hinter dem Safety-Car befinden, ist das Überholen verboten, aber wenn sie für einen Re-Start hinter dem Safety-Car sind, ist es erlaubt".

Antonio Giovinazzi, Kimi Räikkönen

Kimi Räikkönen und Teamkollege Antonio Giovinazzi

Foto: Motorsport Images

Gleichzeitig jedoch sei die Regel, dass ein Fahrer in die Boxengasse kommen muss, wenn er seine Position nicht rechtzeitig zurückbekommt, "seit mehreren Jahren Bestandteil der Formel-1-Regeln und wurde auch konsequent angewandt", heißt es in der Begründung weiter.

Kurz gesagt: die Situation war für Räikkönen frühzeitig nicht mehr ohne Strafe zu korrigieren. Denn hätte er seine Position zurückgeholt, obwohl die Safety-Car-Lichter bereits ausgeschaltet waren, hätte dies ebenfalls eine Sanktion nach sich gezogen. Bis auf den Finnen selbst, dem solch ein Fahrfehler nicht passieren darf, ist also keinem Beteiligten ein Vorwurf zu machen.

"Nach Startplatz 16 noch Punkte zu holen, wäre eine tolle Geschichte gewesen", sagt Räikkönen. Nach der Roten Flagge habe er zwar ein paar Probleme gehabt, "aber wir konnten das Streckenlayout für unseren Vorteil nutzen", erklärt der 41-Jährige: "Leider haben wir die Strafe bekommen und haben nichts zum Vorzeigen. Aber immerhin können wir positiv auf unsere Performance blicken."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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