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Racing Point eine legale Kopie? "Schwer zu glauben", sagt Brundle ...

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Racing Point eine legale Kopie? "Schwer zu glauben", sagt Brundle ...
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Co-Autor: Oleg Karpow

Formel-1-Experte Martin Brundle unterstellt Racing Point keinen Betrug, findet es aber richtig, dass die Medien die Legalität des RP20 zumindest hinterfragen

Formel-1-Experte Martin Brundle fällt es schwer, die Erklärung von Racing Point, man habe den 2019er-Mercedes rein auf Basis von Fotos kopiert, zu glauben. Der RP20 wird im Paddock von manchen Konkurrenzteams als "rosaroter Mercedes" bezeichnet, und Renault hat aufgrund des Verdachts eines unerlaubten Transfers von geistigem Eigentum von Mercedes zu Racing Point bereits Protest eingelegt.

Offiziell argumentiert Racing Point, man habe nichts Illegales getan, sondern nur das Kopieren fremder Ideen im erlaubten Rahmen maximal ausgereizt. Eine Erklärung, mit der sich viele technisch versierte Beobachter der Formel 1 schwertun. Und an der offenbar auch Brundle seine Zweifel hat.

Zu glauben, dass eine derart detailgetreue Kopie eines anderen Autos nur auf Basis von legal erworbenen Fotos und ohne sonstige Daten möglich ist, fällt ihm "schwer zu glauben", erklärt der ehemalige Formel-1-Fahrer, von 'motorsport.com' auf das Thema angesprochen.

"Ein Beispiel: Die Teams packen Silikon in die kleinen Schächte der Front- und Heckflügel, weil sich sonst kleine Gummipartikel von den Reifen dort verfangen und die Performance zerstören könnten. Oder wenn jemand bei einem Ausritt ein kleines Stück Unterboden beschädigt, sind gleich mal 50 Punkte Downforce weg."

Brundle: Vorstellungskraft gerät an ihre Grenzen

"Da ist gleich ein ganzes Wochenende beeinträchtigt, nur wegen so einer Kleinigkeit. Dass man andererseits ein ganzes Auto einfach nachbauen kann, das dann auch noch so funktioniert, das bringt meine Vorstellungskraft an ihre Grenzen", sagt Brundle.

Andererseits: "Sie kaufen auf ganz legale Art und Weise Motor und Getriebe ein." Daraus ergeben sich konkrete Anhaltspunkte für das Design der Hinterradaufhängung, erklärt er. "Sie kaufen alles, was sie kaufen dürfen. Dadurch erhalten sie einen Haufen Referenzpunkte am Auto", sagt Brundle. Aber: "Es stecken auch unter der Aerodynamik noch jede Menge wichtige Teile."

Wenn es stimmt, was Racing Point behauptet, dass man einfach am besten von allen kleinen Teams darin war, ein Topteam ganz legal zu kopieren, dann habe das Team um Technikchef Andrew Green einen "außergewöhnlichen Job" gemacht, applaudiert Brundle - und ergänzt im selben Atemzug: "Dass wir als Journalisten das hinterfragen, halte ich aber für richtig."

Brundle legt großen Wert auf die Feststellung, dass er Racing Point kein illegales Handeln unterstellt. Es sei zwar einerseits schwer zu glauben, dass das Auto so gut funktioniert. "Andererseits sind sie ein gutes kleines Team", unterstreicht er.

Der springende Punkt ist seiner Meinung nach: "Wenn die FIA sagt, sie haben alles geprüft, und wenn Mercedes-Benz und Racing Point sagen, dass sie dieses Auto entwickelt haben, als noch 2019er-Regeln in Kraft waren, was kann man dann dagegen tun? Abgesehen davon, die Fragen zu stellen, die ich auch stelle."

Brundle: Wer betrügt, fliegt irgendwann auf

"Wenn sie versuchen, uns in die Irre zu führen, dann werden wir das früher oder später herausfinden", ist Brundle überzeugt. "So, wie es vergangenes Jahr mit Ferrari passiert ist." Was ihn aber wundert: "Die Teams sagen immer: 'Wir müssen unser Auto verstehen, wir müssen das Set-up verstehen, das dauert.' Ist es da nicht überraschend, dass die das Set-up praktisch vom ersten Tag an auf den Punkt getroffen haben?"

¿pbtag|SGPodcastMechanikerF1Silverstone|pb¿"Wäre ich bei Racing Point Teamchef, hätte ich es - vorausgesetzt, es ist legal - genauso gemacht. Dann hätte ich einfach kopiert und würde alle Ressourcen schon in die Entwicklung des 2022er-Autos stecken. Was sollst du als Mittelfeld-Team auch sonst tun? Du hast eben nicht hunderte Ingenieure und hunderte Aerodynamiker und hunderte Millionen wie die Topteams. Wenn ein Team viermal so viel Geld ausgibt wie du selbst, kopiere es einfach!"

"Es scheint ein Plug-&-Play-Auto zu sein, nicht wahr? Zumindest war es beim Testen und bei den ersten drei Rennen so", sagt Brundle. Gleichzeitig müsse man die Performance "in Perspektive setzen" und bewerten, denn: "Wenn Lewis nicht wegen der schnellsten Runde an die Box gekommen wäre, hätte er beide Racing Points überrundet. Es ist nicht so, dass sie in seinem Getriebe stecken. In der Hinsicht ist es kein Mercedes."

Die Entscheidung über den Protest des Renault-Teams gegen die Bremsschächte am Racing Point RP20 wird übrigens nicht mehr vor Beginn des Rennwochenendes in Silverstone erwartet. Das Meeting, bei dem alle verfügbaren Informationen zum Fall den zuständigen Kommissaren vorgelegt werden soll, hat laut FIA-Auskunft am Mittwochabend bisher noch nicht stattgefunden.

Martin Brundle ist ehemaliger Formel-1-Fahrer. In 158 Grands Prix für Teams wie (unter anderem) Williams, Benetton und McLaren stand er neunmal auf dem Podium. Heute ist er TV-Experte für den britischen Pay-TV-Sender Sky. Der überträgt alle Rennen der Formel 1 2020 live und UK-exklusiv auf Sky Sports F1 und NOW TV.

Mit Bildmaterial von Motorsport Network.

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