Red-Bull-Cockpitschutz könnte schon 2017 einsatzbereit sein

Laut dem Sicherheitsdeligierten der FIA, Charlie Whiting, könnte der von Red Bull entwickelte Cockpitschutz schon in der kommenden Saison einsatzfähig sein – wenn er die anstehenden Crashtests besteht.

Der erste Test soll bereits am morgigen Freitag stattfinden und je nach Ergebnis, steht der Schutz beim nächsten Treffen der Strategiegruppe und der Formel 1 Kommission am 26. April auf der Tagesordnung.

„Ich glaube man kann sagen, dass er bei der ersten Präsentation noch in den Kinderschuhen steckte“, sagte Whiting gegenüber Motorsport.com. „Red Bull hat aber einen großartigen Job gemacht, soweit zu kommen, dass er getestet werden kann.“

„Das haben wir nicht erwartet. Da es aber so ist, müssen wir ihn ernst nehmen. Wenn er bei den Tests so gut abschneidet wie der Halo, gibt es keinen Grund, wieso wir ihn der Strategiegruppe und der Formel 1 Kommission nicht als potentielle Lösung der präsentieren sollten.“

Halo, Schutzscheibe oder Tradition? Die Formel 1 am Scheideweg

Ferrari hat den Halo bereits bei den Testfahrten in Barcelona kurz von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen testen lassen. Ähnliches plant Red Bull Racing nun für den Freitag in Sochi. Vorausgesetzt, dass der Canopy die Crashtests besteht, sollen Daniel Ricciardo und Daniil Kvyat ihn je für eine Runde auf den RB12 montiert bekommen und dann ihr Urteil abgeben.

Im Simulator haben beide Piloten schon erste Eindrücke gewonnen und den Schutz gelobt. Im Gegensatz zum Halo hat der Canopy keine Säule im Blickfeld der Piloten und die Halterungen an den Seiten sind in einer Linie mit den Rückspiegeln.

 

Whiting glaubt, dass die Fahrer den Canopy bevorzugen werden.

„Ich glaube, dass sie für alles offen sind und sich nicht auf den Halo versteift haben“, sagte Whiting. „Wir wollen einen Schutz vor dem Fahrer und wir wollen den, der ihn am besten schützt und die praktischste Lösung ist. Ich glaube, dass er genauso gute Chancen hat wie der Halo.“

Bei den Tests soll zwei durchsichtige Materialien – dieselben Polycarbonate, aus denen die Windschutzscheiben der WEC-Autos bestehen – geprüft werden. Neben dem Bestehen der Crashtests muss der Canopy dieselben Voraussetzungen erfüllen, die auch der Halo erfüllen musste.

Die Designstudie des Canopy von Red Bull

„Es wird verschiedene Unfallszenarien geben – das Bergen von verletzten Fahrern und dergleichen – die eingeschätzt werden müssen. In all diesen Fällen müssen die Pros und Cons gegeneinander abgewogen werden“, erklärte Whiting.

Außerdem stellt sich die Frage, ob oder inwieweit die Sicht durch Regen oder Öl auf der Scheibe beeinträchtigt würde. Beides wäre beim Halo kein Problem.

Sollte der Canopy den Zuschlag bekommen, wäre er vermutlich an allen Autos identisch. Die Frage, wer ihn herstellt, ein Zulieferer oder die Teams selbst, müsste noch geklärt werden.

 

„Wir haben über den Canopy noch nicht gesprochen, der Halo sollte aber ein Standardteil sein, da wir nicht wollen, dass die Leute anfangen, ihn aus Leistungsgründen zu optimieren. Wir wollen, dass alle im selben Boot sitzen.“

Bei den Fans, die die Optik des Halo wenig ansprechend fanden, dürfte der Canopy besser ankommen und auch einige Fahrer und Teams haben sich bereits für diese Lösung ausgesprochen.

„Ich würde sagen, der Canopy ist ästhetisch ansprechender, aber das ist Geschmackssache“, sagte Whiting. „Wenn beide Lösungen bei den Tests gleich abschneiden, würde es mich überraschen, wenn es eine Mehrheit für den Halo gäbe.“

Fotostrecke: Das ist der Halo

Wann die Entscheidung für die eine oder andere Lösung fällt, steht noch nicht fest. Der Stichtag 30. April, an das Reglement für 2017 stehen muss, gilt für den Cockpitschutz nicht. Aus aerodynamischen Gründen sollte man jedoch nicht allzu lange warten.

Das Gespräch führte Adam Cooper

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