Red-Bull-Form: Sieg in Spielberg nur ein Glücksgriff?

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Red-Bull-Form: Sieg in Spielberg nur ein Glücksgriff?
Autor: Norman Fischer
Co-Autor: Ben Anderson
02.07.2018, 13:11

Red Bull konnte den Sieg in Spielberg etwas überraschend holen, bedenkt man die Form am Freitag: Doch was hält die Zukunft für die Bullen noch bereit?

Race winner Max Verstappen, Red Bull Racing on the podium
Max Verstappen, Red Bull Racing RB14, Kimi Raikkonen, Ferrari SF71H
Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1 W09, Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W09, Max Verstappen, Red Bull Racing RB14, Kimi Raikkonen, Ferrari SF71H, Romain Grosjean, Haas F1 Team VF-18, Sebastian Vettel, Ferrari SF71H
Race winner Max Verstappen, Red Bull Racing on the podium
Dutch Max Verstappen, Red Bull Racing, fans display a flag
A large Dutch fan contingent present to support Max Verstappen, Red Bull Racing
Max Verstappen, Red Bull Racing and Sebastian Vettel, Ferrari celebrate on the podium with the champagne
Max Verstappen, Red Bull Racing RB14
Race winner Max Verstappen, Red Bull Racing celebrates in parc ferme
Max Verstappen, Red Bull Racing RB14
Daniel Ricciardo, Red Bull Racing RB14 with smoking engine
Daniel Ricciardo, Red Bull Racing
Christian Horner, Red Bull Racing Team Principal

So etwas scheiden sich die Geister: War Red Bull in Spielberg nun gut oder nicht? Immerhin hat Max Verstappen am Sonntag sein erstes Saisonrennen gewonnen und seinem Rennstall den dritten Saisonsieg beschert. Doch das andere Gesicht gab es am Samstag: Da fehlten dem Niederländer auf dem eigentlich kurzen Kurs bereits mehr als sieben Zehntelsekunden, Teamkollege Daniel Ricciardo musste sich gar einem Haas geschlagen geben.

"Wir waren nicht wirklich schnell", rätselte der Australier nach dem verkorksten Qualifying. Eine Antwort wusste er darauf aber auch nicht. Doch der RB14 kam in Spielberg nicht zurecht. Man verlor auf den Geraden mehr als gedacht und konnte die Zeit in den Kurven nicht so wie gewohnt wieder gutmachen. "Wir sind zu langsam auf den Geraden - und das ist auf dieser Strecke tödlich", meint Verstappen.

Der "Party-Modus" von Renault - in Anlehnung an Hamiltons Mercedes-Anspielung - war eher ein laues Lüftchen. Zwar wollten die Piloten eine kleine Verbesserung spüren, doch viel war laut Verstappen nicht da: "Ob es bereits vollkommen optimiert ist, bin ich mir nicht sicher", sagt er. "Es hat sich etwas verbessert, aber es war schwierig zu fühlen."

Um der Langsamkeit auf der Geraden entgegenzuwirken, war man sogar mit weniger Abtrieb unterwegs, was jedoch den Kurven nicht zuträglich war. Ricciardo fühlte sich in den schnellen Kurven sogar so, als würde er einfach nur mit allen vier Reifen rutschen. "Es war weder Untersteuern noch Übersteuern. Ich fühle einfach, dass wir am Limit des Grips sind", hatte er am Samstag gemeint. "Wenn man dann nicht die ideale Balance hat, kommt der Rückstand ziemlich schnell zustande", ergänzt Verstappen.

Am Sonntag klappt's plötzlich

Doch es kam der Sonntag und mit ihm die große Veränderung. Plötzlich war Red Bull wieder bei der Musik. Red Bull hatte sein Set-up vom Freitag, wo man ebenfalls zurücklag deutlich angepasst und auf die wärmeren Temperaturen reagiert und konnte die Konkurrenz in Schach halten. "Mercedes hatte heute nicht mehr Pace als wir, und auch die Ferraris hatten wir im Griff", lobt Teamchef Christian Horner nach dem etwas überraschenden Sieg.

Verstappen konnte sich am Start auf Rang drei schieben, später vom Ausfall Valtteri Bottas' und der Strategiepanne Lewis Hamiltons profitieren und die Führung über die Linie retten. Und während die Konkurrenz starke Probleme mit den Reifen bekam - auch Ricciardo - hielt Verstappen die Reifen am Leben und kam mit einem Stopp durch. Red Bull war zuvor schon vom Formel-2-Rennen gewarnt, dass die Reifenstrategie wohl nicht eindeutig werden wird.

"Daniel hat seine Reifen im Kampf gegen Kimi härter rangenommen, und Max hat einen reifen Job gemacht, die Reifen speziell durch die Kurven 9 und 10 zu schonen. Es ging nur darum, das Rutschen und die Temperaturen unter Kontrolle zu bekommen - speziell beim linken Hinterreifen", erzählt Horner. "Daniel bekam Probleme, und als Kimi vorbei war, war klar, dass er es nicht bis zum Ende schaffen würde."

Bald mit neuer Renault-MGU-K?

Red Bull reagierte mit einem Reifenstopp, doch kurze Zeit später war sein Rennen mit einem Auspuffproblem beendet. Verstappen musste sich derweil an der Spitze den Ferraris erwehren und hatte laut Horner noch genau so viel in den Reifen übrig, dass er die Führung ins Ziel bringen konnte. "Er hat uns sogar gesagt, dass Kimi an Daniel vorbeiging, weil er es auf einem Bildschirm gesehen hat. Er hatte die volle Kontrolle", lobt Horner und spricht von einer "beeindruckenden Leistung".

Die Frage ist, was Red Bull in den kommenden Wochen erreichen kann. Motorenpartner Renault hat in Spielberg eine verbesserte MGU-K zur Verfügung gestellt, auf die Red Bull jedoch erst einmal verzichtete. Das geplante Motorenupdate ist durch und soll nach der Sommerpause durch ein weiteres ersetzt werden. "Sie geben Gas und erzielen Verbesserungen, was ermutigend ist", sagt Horner. Allerdings haben auch Mercedes und Ferrari in diesem Bereich aufgeholt.

Worauf der Teamchef nun zielt, ist eine Verbesserung am Samstag, denn man wird nicht immer so viel Glück wie gestern in Spielberg haben. "Im Rennen haben wir die Pace, wir haben eine gute Strategie, wir haben eine tolle Boxencrew - wenn wir uns am Samstag verbessern können, dann werden wir auch noch mehr an der Spitze fahren", so Horner.

In jedem dritten Rennen einen Sieg

Statistisch liegt Red Bull mit drei Siegen nun gleichauf mit Mercedes und Ferrari, doch im Team weiß man, dass man aktuell nur Außenseiter auf den WM-Titel ist. Die Konkurrenten erscheinen je nach Strecke noch überlegen zu sein. Dass man trotzdem auf drei Siege kommt, ist neben Glück und taktischen Glückstreffern (China, Österreich) auch der passenden Streckencharakteristik (Monaco) zuzuschreiben.

In Silverstone und Hockenheim gilt Red Bull daher nicht als Favorit, doch Budapest könnte wieder ein Rennen für die Bullen werden - und es würde perfekt passen: Das Team gewann die Saisonläufe drei, sechs und neun. Geht die Serie weiter, wäre in Rennen zwölf der nächste Sieg fällig. Das ist der Hungaroring. Rennen 15 wäre mit Singapur übrigens erneut eine Strecke mit Siegpotenzial, nachdem zuvor mit Belgien und Italien zwei Red-Bull-feindliche Hochgeschwindigkeitsstrecken kommen.

Doch Horner will sich nicht auf blöde Zahlenspiele und die passende Streckencharakteristik verlassen, sondern lieber auf eigene Verbesserungen - und die von Renault. "Wir haben das schon besprochen", sagt er. "Und es gäbe wohl keinen schöneren Weg für sie, die Partnerschaft zu verlassen, als mit einem Motor, der hoffentlich noch einige weitere Siege produziert. Und wer weiß was sonst noch ..."

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