Red Bull glaubt: Auch ohne "Party-Modus" schneller als Mercedes

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Red Bull glaubt: Auch ohne
Autor: Dominik Sharaf
31.03.2018, 11:37

Kann Red Bull das altbekannte Dilemma aus fehlendem Qualifying-Tempo und einem zum Überholen zu schwachen Motor überwinden? Teamchef Horner zuversichtlich

Die Red-Bull-Mannschaft ist überzeugt, dass sie beim Formel-1-Saisonauftakt in Australien unter Wert geschlagen worden wäre – und bei den anstehenden Rennen in Bahrain und China den Platzhirschen Mercedes und Ferrari mehr Konkurrenz machen könnte. "Unser Auto war richtig schnell", meint Teamchef Christian Horner, "aber unsere beiden Fahrer haben im Laufe des Rennens ständig hinter Konkurrenten gehangen." Mit einer einzigen Ausnahme, aus der Red Bull Hoffnung schöpft.

Die Rede ist von Daniel Ricciardos schnellster Rennrunde, die er kurz vor der Zieldurchfahrt drehte, als er sich im Kampf um den dritten Platz hinter Kimi Räikkönen im Ferrari hatte zurückfallen lassen müssen – ursprünglich, um das Material zu schonen. Horner betont aber, dass der Wert von 1:25.945 Minuten (0,428 Sekunden schneller als alle anderen) nicht durch die taktische Manöver zustande gekommen wäre, sondern das Potenzial des RB14 im Renntrimm widerspiegeln würde.

Was dafür spricht: Ricciardo rollte zu diesem Zeitpunkt auf einem Satz älterer Soft-Reifen, nicht auf frischen Ultrasoft. Der Teamchef weiß aber um die eingeschränkte Substanz seiner These: "Wir müssen anhand einer Runde im gesamten Rennen beurteilen, wie schnell wir gewesen sind." Dabei ist nicht gesagt, dass Sebastian Vettel und Lewis Hamilton nicht hätten zulegen können.

 

Max Verstappen, Red Bull Racing RB14 Tag Heuer
Max Verstappen, Red Bull Racing RB14 Tag Heuer

Foto Andrew Hone / LAT Images

 

Hinzu kommt das alte Red-Bull-Dilemma: Im Qualifying fehlen einige Zehntelsekunden auf Mercedes und Ferrari, im Rennen kommt man mit dem PS-Defizit des Renault-Antriebs nicht vorbei. Horner hat wenig Hoffnung auf Abhilfe: "Wir haben Kleinigkeiten in der Pipeline, aber die Frage gebührt eher Renault", sagt er und wünscht Fortschritte bei der Höchstgeschwindigkeit, die nicht auf Kosten des Abtriebs gehen. Denn Red Bull könnte auch ein Verbrauchsproblem bekommen.

Horner räumt ein, dass es nur der Safety-Car-Phase geschuldet gewesen wäre, dass Ricciardo zum Schluss Gas geben durfte. "Sonst hätten wir vom Start an in jeder Runde Sprit sparen müssen." Hieße: noch weniger Power und noch weniger Überholchancen. Das Problem an der Wurzel zu packen und beim Qualifying anzusetzen, klingt sinnvoll, ist aber ebenfalls keine Red-Bull-Baustelle.

Es geht einmal mehr um zusätzliche Leistungsfreigabe, die Mercedes seinen Piloten ermöglicht. Mit Verweis auf Hamilton in Melbourne erklärt Horner: "Lewis hat sich allen voran im Vergleich von Q2 zu Q3 gesteigert – wie im vergangenen Jahr. Sie müssen ihren Qualifying-Modus also gar nicht in der Frühphase des Qualifyings einsetzen." Vielmehr hätten die Silberpfeile erst aufgedreht, als Hamilton bei seinem letzten Versuch eine Pole-Runde brauchte: "Und das war beeindruckend."

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Party-Modus? Wir würden gerne auf Lewis' Party tanzen!", spielt Horner auf die Diskussion um den Mercedes-Boost an und glaubt nicht, dass es das betreffende Antriebsprogramm gar nicht geben würde. "Toto muss die Party abgesagt haben", scherzt er über Hamiltons Versuche, ihn zu leugnen.

Auch wenn für das Qualifying also wenig Hoffnung besteht, sieht Horner Ricciardo und Max Verstappen alsbald um Rennsiege fahren: "In Bahrain und in China kann man gut überholen", macht er seinen Piloten Mut. Der Niederländer ist überzeugt, dass Red Bull in Anbetracht des Vorsprungs der Topteams ohnehin kaum etwas zu verlieren habe: "Ich mache mir keine Sorgen", so Verstappen. "Wenn man sich ansieht, wie weit Daniel vor Fernando Alonso lag – sogar mit einer Safety-Car-Phase –, dann nicht."

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