Red Bull lobt Perez: "Gott sei Dank hatte er die Geistesgegenwart"

Das Red-Bull-Debüt von Sergio Perez: Wie er in Bahrain im wahrsten Sinne des Wortes im richtigen Moment die richtigen Knöpfe am RB16B gedrückt hat

Red Bull lobt Perez: "Gott sei Dank hatte er die Geistesgegenwart"

Für Red-Bull-Neuzugang Sergio Perez schien der Grand Prix von Bahrain schon vorbei zu sein, bevor er überhaupt angefangen hatte, als er in der Aufwärmrunde plötzlich stehenblieb und seinen RB16B zunächst nicht mehr in die Gänge bekam. Wie sich erst im Nachhinein herausstellte, war es der Mexikaner selbst mit seiner Geistesgegenwart, der das Auto wieder einschaltete.

"Mitten in der Kurve", erinnert er sich an die Schrecksekunde, "hat auf einmal alles abgeschaltet. Ich wollte schon fast aus dem Auto hüpfen." Dann aber fiel ihm wieder ein, was Teammanager Jonathan Wheatley ihm einmal gesagt hatte. "Also habe ich versucht, das Auto wieder einzuschalten, und auf einmal ging's wieder!"

Welche Knöpfe er dafür genau drücken musste, das bleibt unbeantwortet. Die Idee dazu kam ihm aber selbst, denn: "Ich konnte ja nichts hören. Auch die Ingenieure nicht." Chefingenieur Paul Monaghan bestätigt: "Der Funk war ausgefallen. Also konnten wir ihm nicht sagen, dass er die Zündung neu starten soll. Das hat er für uns gemacht."

Die Probleme hatten sich schon vor dem Rennen angekündigt. Ungefähr eine Stunde vor dem Start herrschte hektisches Treiben in der Red-Bull-Box, weil die Batterie und die Steuerelektronik gewechselt werden mussten. In den Telemetriedaten war den Honda-Ingenieuren eine "Anomalie" aufgefallen.

Perez-Antriebseinheit kann vermutlich gerettet werden

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Power-Unit hinüber ist und aus dem Kontingent fliegt. Wahrscheinlicher ist, dass sie nach einer gründlichen Untersuchung in Milton Keynes in dieser Saison weiterverwendet werden kann. Genau wie bei AlphaTauri-Pilot Pierre Gasly, bei dem im Training ebenfalls Komponenten gewechselt werden mussten.

"Vor dem Rennen", bestätigt Monaghan, "hatten wir schon einen kleinen elektrischen Defekt, um den wir uns kümmern mussten. In seiner Runde in die Startaufstellung gab es aber keinerlei Fehlermeldungen. Das Auto lief tadellos. In der Aufwärmrunde traten dann aber plötzlich Probleme auf, und als Schutzmaßnahme schaltete die Zündung einfach ab."

Perez habe "geistesgegenwärtig" reagiert, lobt Monaghan: "Ist ein bisschen so, wie wenn sich ein Laptop aufhängt. Wenn nichts mehr geht, musst du einmal aus- und wieder einschalten. Damit ging das Lenkrad an, der Motor lief rund, er fuhr weiter, kam an die Boxengasse, wartete ab, bis alle am Start standen, und fuhr von der Boxengasse los." Genau wie vom Reglement vorgesehen.

Im Rennen schaffte Perez dann nicht die gleiche Aufholjagd wie 2020, wo er zu Beginn ebenfalls Letzter war und dann sogar noch gewann. "Aber er hat die Motivation nicht verloren und sich durchs Feld gekämpft", sagt Monaghan über den letztendlich fünften Platz. "Das war ein sehr gutes Rennen mit wichtigen Punkten. Gott sei Dank hatte er in dem Moment die Geistesgegenwart."

 

Speed nicht auf Verstappen-Niveau

Fast wichtiger als die zehn Punkte waren für Perez die 56 Runden Rennerfahrung im neuen Auto und Team: "Ich bin froh, die Kilometer jetzt zu haben. Q3 zu verpassen, hat meine Fortschritte verzögert. Es ist mir nicht gelungen, das Qualifying zu maximieren. Aber im Rennen fing es zu klicken an, mit jeder Runde ein bisschen mehr. Diese Kilometer waren heute das Allerwichtigste."

Und dass sein Renntempo letztendlich zwar nicht ganz auf Verstappen-Niveau, aber doch sehr gut war, vermerkt Perez ebenfalls als "positiv". Im Finish legte er einen dritten Boxenstopp ein und überholte noch Daniel Ricciardo und Charles Leclerc. Auf Lando Norris fehlten bei der Zieldurchfahrt 5,6 Sekunden. Dessen vierter Platz wäre ohne technische Probleme das Plansoll gewesen.

Teamchef Christian Horner ist zufrieden: "Sein Rennen war sehr reif. Er hat gezeigt, wie viel Erfahrung er hat. Trotz des Problems in der Aufwärmrunde hat er kühlen Kopf bewahrt, und seine Aufholjagd danach war sehr stark. Es ist wichtig, dass er die Kilometer hat. Sein Renntempo und seine Überholmanöver haben gut ausgesehen. Das ist ermutigend."

Auch wenn Perez schon bei seinem ersten Einsatz für Red Bull bewiesen hat, dass er für Verstappen ein stärkerer Teamkollege zu sein scheint als es Pierre Gasly und Alexander Albon je waren: An den herausragenden Speed des Niederländers kam er zumindest beim Saisonauftakt nicht ganz heran.

"Ich verliere die ganze Zeit in zwei Kurven", weiß Perez. "Es war nicht leicht, das auszumerzen, weil der Wind ständig gedreht hat. Ich muss meinen Fahrstil noch ein bisschen anpassen, bis ich das Auto so fahre, wie es gefahren werden muss. Das dauert ein bisschen, weil es doch ziemlich anders ist als das, was ich gewohnt war."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Event Sachir
Subevent Nach dem Rennen
Fahrer Sergio Perez
Teams Red Bull
Urheber Christian Nimmervoll