Red Bull: Verstappen verspielt Platz zwei, Strategie als Trumpf?

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Red Bull: Verstappen verspielt Platz zwei, Strategie als Trumpf?
Autor: Sven Haidinger
Co-Autor: Edd Straw
24.03.2018, 10:39

Qualifying-Enttäuschung für Red Bull: Wie Max Verstappen die erste Startreihe verspielte, wie zermürbt Ricciardo ist und wie die Strategie zum Trumpf werden soll

Keine Chance für Red Bull im Melbourne-Qualifying: Max Verstappen startet hinter Lewis Hamilton und dem Ferrari-Duo auf Platz vier (+0,715), weil er im letzten Sektor im Vergleich zur ersten Runde 0,104 Sekunden liegen ließ. "Ich habe in Kurve 13 einen Fehler gemacht, habe den Scheitelpunkt verpasst und bin von der Linie abgekommen. Da die Hinterräder dann auf dem Kunstrasen gerutscht sind, haben die Reifen überhitzt", nimmt er den Fehler auf seine Kappe. "Das hat mich zwei Zehntel gekostet. Sonst wären wir heute Zweiter gewesen." Daran besteht kein Zweifel, denn selbst der zweitplatzierte Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen liegt nur 0,051 Sekunden vor dem Red-Bull-Piloten.

Daniel Ricciardo fuhr die fünftschnellste Zeit (+0,988) , muss aber durch seine Strafe am Freitag um drei Ränge auf Startplatz acht zurück. Eine schwierige Ausgangssituation vor dem Heimrennen, das er noch nie gewonnen hat. Vor allem die Tatsache, dass Mercedes in Q3 auch dieses Jahr über den Motorenmodus kurzfristig mehr Leistung abrufen kann, sorgt bei Red Bull für eine Schockstarre.

Video: Samstags-Highlights aus Melbourne

"Das kotzt mich an", schimpft Ricciardo. "Das war für alle ein Schlag in die Magengrube. Ich wusste, dass sie noch Rerserven haben, aber dass sie zwischen Q2 und Q3 so zulegen können, hätte ich nicht gedacht. Klar ist Lewis gut, aber mit diesem Paket hätte er auch mit 90 Prozent heute die Pole geholt. Der Abstand ist etwas entmutigend, aber wir müssen irgendwie dahinterkommen."

Supersoft beim Start: So funktioniert die Red-Bull-Strategie

Verstappens Enttäuschung hält sich im Vergleich zum Teamkollegen in Grenzen: "Mercedes war wie erwartet weit vor uns, aber ohne meinen Fehler wäre ich nur rund eine halbe Sekunde hinter Lewis gelandet. Und der Power-Modus bringt ihnen drei, vier Zehntel. Der Abstand ist also geringer als in der Vergangenheit. Außerdem ist das nicht unsere stärkste Strecke."

Außerdem hat das österreichische Truppe mit Sitz in Milton Keynes für das Rennen einen Joker in der Hinterhand: Da Verstappen und Ricciardo ihre schnellsten Q2-Zeiten auf der Supersoft-Mischung gefahren sind, startet man mit diesem Reifen auch ins Rennen, während die anderen direkten Konkurrenten mit den weicheren Ultrasoft-Reifen losfahren werden. Daher wird man später stoppen und könnte Tempo machen, während die Gegner durch einen frühen Stopp im Verkehr stecken. "Es ist ein bisschen ein Poker", gibt Verstappen zu. "Hoffentlich können wir etwas länger fahren und halten uns beim Start aus allen Problemen heraus. Dann ist ein starkes Rennen möglich."

Doch das ist nicht alles. "Wir haben das Gefühl, dass es mit einem Stopp eng werden könnte, wenn man mit dem Ultrasoft-Reifen startet", erklärt Ricciardo die Idee hinter dem Schachzug. "Wir wollen sicherstellen, dass wir nur einmal stoppen müssen, denn selbst mit dem schnelleren Reifen verliert man im Verkehr viel Zeit. Und das Überholen ist hier sehr schwierig. Hoffentlich bekommen die anderen Probleme und müssen zwei Mal stopp - und dann feiern wird."

Red Bulls Topspeed-Nachteil

Warum Ricciardo glaubt, dass es reifenschonender ist, mit der härteren Mischung ins Rennen zu starten? Das liegt daran, dass der weichere Ultrasoft-Reifen unter den anfangs voll aufgetankten Boliden mehr leiden wird als der härtere Supersoft-Reifen. Und wenn man selbst auf die weichere Mischung wechselt, hat man bereits einiges an Sprit verbrannt.

Video: Die Startaufstellung für Melbourne

Außerdem glaubt man bei Red Bull, über eine alternative Strategie am meisten gegen Ferrari und Mercedes ausrichten zu können. "Wenn man sich die sechs Autos anschaut und wer bei den Geschwindigkeitsmessungen am unteren Ende liegt, dann sieht man, was wir ausgleichen wollen", erklärt Christian Horner gegenüber 'Sky Sports F1'. "Das ist nicht ungewöhnlich, wir schauen einfach auf unsere Stärken."

Auch wenn sich der Schachzug als Vorteil herausstellen sollte, gibt es bei Ricciardo zumindest einen kleinen Wermutstropfen: Der Startreifen des Red-Bull-Piloten ist nicht mehr in Optimalzustand. "Ich habe mich in Kurve 3 verbremst und mit einen Bremsplatten zugezogen", funkte Ricciardo nach seiner Q2-Runde. "Das ist wahrscheinlich nicht optimal, weil ich damit starten muss."

Hamilton fürchtet Red-Bull-Strategie

Doch was hält die Konkurrenz von der Red-Bull-Taktik? "Ich bin nicht überrascht, es ist der bessere Reifen", verweist Pole-Setter Hamilton auf den Supersoft-Reifen, mit dem Verstappen und Ricciardo starten. "Sie werden sehr stark sein. Das Schwierige ist, dass es morgen generell ein Einstopprennen sein wird. Sie müssen dann also entweder den Ultrasoft- oder den Soft-Reifen aufziehen."

Hamiltons Prognose: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie länger draußen bleiben werden - und das mit einem ordentlichen Tempo. Das ist strategisch keine schlechte Sache. Es wird also interessant." Sebastian Vettel, der direkt neben Verstappen auf Startplatz drei steht, ist hingegen skeptisch: "Wir sind der Ansicht, dass unsere Wahl im Rennen besser ist."

Verstappen rechnet am Sonntag mit einem Kampf gegen den Heppenheimer und seinen finnischen Teamkollegen. "Mercedes ist schneller im Rennen, aber wir werden schon mit Ferrari kämpfen", glaubt er trotz der guten Longruns am Freitag nicht daran, Pole-Setter Lewis Hamilton wirklich gefährlich zu werden. Der Spritverbrauch wird aller Voraussicht nach eine entscheidende Rolle spielen. In dieser Disziplin ist Mercedes klar tonangebend, aber der Renault-Motor verbraucht weniger als das Ferrari-Triebwerk.

Ricciardo nicht auf Verstappen-Niveau

Auffällig ist, dass Verstappen bislang in allen Sitzungen schneller war als Teamkollege Ricciardo. Der "Aussie" klagt vor allem über Q3. "Die ersten Teile des Qualifyings waren in Ordnung, aber am Ende haben uns ein paar Zehntelsekunden gefehlt", sagt er - und führt dies auf den ersten Sektor zurück. "Ein bisschen habe ich beim Bremsen verloren, aber eine ganze Menge auf den Geraden", beschwert er sich über die mangelnde Höchstgeschwindigkeit.

Aber auch das Set-up war nicht ideal: "Die Balance war nicht so schlecht, aber ich habe um mehr Frontflügel und daher mehr Grip an der Vorderachse gebeten, aber wir konnten nicht wirklich etwas machen. Das waren die drei, vier Zehntel, die gefehlt haben."

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