Helmut Marko: Das Polster von zwölf Punkten beruhigt

Red Bull freut sich über die starke Verbesserung und sieht Le Castellet als gutes Zeichen für die Zukunft - Helmut Marko mit Vorsprung zufrieden, aber vorsichtig

Helmut Marko: Das Polster von zwölf Punkten beruhigt

"Ich hoffe, Christian hat Recht", sagt Max Verstappen nach seinem Sieg beim Großen Preis von Frankreich. Denn Red-Bull-Teamchef Christian Horner hatte nach dem Erfolg in Le Castellet verlauten lassen: Wenn Red Bull selbst in Frankreich gewinnt, dann kann man überall gewinnen. Denn vor 2021 galt der Kurs als absolute Mercedes-Strecke.

Die Silberpfeile hatten in den beiden bisherigen Auflagen jede einzelne Session auf dem Circuit Paul Ricard gewonnen und mit Lewis Hamilton auch jede einzelne Rennrunde - bis auf eine - angeführt. "Daher ist es fantastisch, dass wir an dem Wochenende so stark gepunktet haben", sagt Horner. "Es ist der Sieg, den Max zwei Wochen früher hätte haben sollen."

Für ihn ist es auch ein deutliches Anzeichen, wie stark sich Red Bull innerhalb von zwei Jahren verbessert hat. Denn das Rennen von 2019 war für Horner das wohl "langweiligste Rennen der vergangenen fünf Jahre". 2021 hingegen war es eines der spannendsten mit der Aufholjagd von Verstappen.

"Das ist einfach ein Zeugnis, wie hart das Team in den vergangenen zwölf Monaten und vor allem während der Pandemie gearbeitet hat", so Horner. Denn man dürfe nicht vergessen, dass ein Großteil des Autos von 2020 mit in die neue Saison genommen wurde. Und Mercedes besaß im Vorjahr ein recht dominantes Auto.

"Es ist das gleiche Chassis, mit dem sie all diese Rennen gewonnen haben", sagt Horner. "Wir haben als Team einfach phänomenale Arbeit geleistet. Aber wir müssen so weitermachen, denn Mercedes ist ein starkes Team. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie zurückschlagen werden."

Plötzlich auf den Geraden schnell

Überraschend war in Frankreich vor allem, dass Red Bull auf den Geraden deutlich schneller war als Mercedes. Normalerweise gilt der Mercedes-Antrieb als stärkster im Feld, doch in Frankreich hat Red Bull seine Zeit vor allem auf den Geraden gewonnen. "Der Honda-Motor muss mittlerweile auch richtig gut sein", meint Nico Rosberg bei 'Sky'. "Man munkelt auch, dass er absolut auf Augenhöhe ist."

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hatte von einem "großen Sprung" gesprochen, der Honda trotz eingefrorener Entwicklung gelungen sei. Doch Horner winkt ab: "Wir dürfen keine Fortschritte machen. Ich weiß nicht, worauf er sich da bezieht. Es ist die gleiche Spezifikation wie die erste Einheit."

Bei Red Bull beruft man sich auf einen anderen aerodynamischen Ansatz. Der Heckflügel war in Frankreich auf etwas mehr Topspeed eingestellt - auch ein Schlüssel für den Sieg am Sonntag. Die verlorene Zeit konnte Mercedes in den Kurven allerdings nicht aufholen.

Motorsportkonsulent Helmut Marko meint, dass Red Bull diese Konfiguration in der ersten Phase des Rennens sogar geschadet habe - wegen des starken Windes. "Wir haben nicht das Tempo gehen können, das wir dachten", sagt der Österreicher bei 'Servus TV'. "Aber mit weniger Gewicht dann und den harten Reifen war der Speed wieder da."

Findet Mercedes vor Spielberg den Schlüssel?

Am Ende reichte es knapp für den Sieg, weil Verstappen WM-Rivale Lewis Hamilton in der vorletzten Rennrunde noch überholen konnte. "Wir haben den besten Job gemacht, den wir tun konnten", sagt Hamilton. "Sie waren das ganze Wochenende über schneller als wir, von daher spiegelt das ihre Pace schon gut wider."

Mit dem Red-Bull-Ring steht an den kommenden beiden Wochenenden nun ein Rennen an, das Mercedes im Vorjahr zwar zweimal gewinnen konnte, bei dem aber die Bullen durchaus wieder als Favorit gelten. Denn 2018 und 2019 gewann jeweils Max Verstappen den Grand Prix, und das Team hat gezeigt, dass man auch auf einer Mercedes-Strecke wie Le Castellet gewinnen kann.

"Ja, wir hatten hier gute Ergebnisse, aber das ist keine Garantie", betont Verstappen, der wieder einen engen Kampf erwartet. Hamilton hingegen fürchtet vor allem die langen Geraden und eine Fortsetzung der Frankreich-Verhältnisse.

"Aber wir haben drei Tage, um zu schauen, ob wir irgendwelche Anpassungen und Verbesserungen vornehmen können", blickt er auf die Zeit zwischen den beiden Rennen. "Wenn wir alles absolut maximieren, dann könnten wir ihnen vielleicht das Leben schwer machen."

WM-Kampf: Zwölf Punkte Polster

Natürlich geht es aber nicht nur um Spielberg, sondern um die WM. Zwölf Punkte Vorsprung hat Verstappen dort auf Hamilton, 37 sind es bereits bei den Konstrukteuren. "Es ist gut, dass wir ein Polster haben, das beruhigt", sagt Marko. "Aber wir wissen, Mercedes ist ein absolut starkes Team. Hamilton gibt nie auf und am Ende ist er da, wenn es darauf ankommt."

Bei Mercedes hält man Red Bull für die Favoriten im weiteren Jahresverlauf. "Sie haben eindeutig ein sehr gutes Paket", sagt der Leitende Renningenieur Andrew Shovlin. Aufgeben kommt für die Silberpfeile aber nicht in Frage, auch wenn man weiß, dass es schwierig wird: "Wenn wir unsere beste Leistung zeigen, können wir sie schlagen und die Meisterschaft gewinnen."

Damit das nicht passiert, hofft Marko, dass Red Bull das Polster bis zum Rennen in Silverstone bestmöglich ausbauen kann. Denn dort sieht er Mercedes wieder im Vorteil. "Zwölf Punkte sind angenehm, aber nicht ausreichend", betont er.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

geteilte inhalte
kommentare
Lehren aus Frankreich: Was Mercedes für Spielberg optimistisch stimmt

Vorheriger Artikel

Lehren aus Frankreich: Was Mercedes für Spielberg optimistisch stimmt

Nächster Artikel

Nico Rosberg: "Beste Chancen", dass Bottas auch 2022 Mercedes fährt

Nico Rosberg: "Beste Chancen", dass Bottas auch 2022 Mercedes fährt
Kommentare laden