Ross Brawn: Die Formel 1 braucht keine künstliche Spielerei

Laut dem neuen Formel-1-Sportchef Ross Brawn wird es unter seiner Regie keine Kurzschlussreaktionen geben, um die Formel 1 zu verbessern.

Der Brite meint vielmehr: Es braucht eine klare Vision und einen 5-Jahres-Plan, um die Rennserie zurück auf Kurs zu bugsieren und zukunftsfähig zu machen. Es gehe ihm nicht darum, kurzfristig einzugreifen.

"Änderungen wird es aber unweigerlich geben", sagt Brawn gegenüber der Gazzetta dello Sport. "Die Entscheidungen werden künftig in größerem Zusammenhang getroffen."

Erst werde sich die neue Formel-1-Führungsriege intern abstimmen, anschließend den Automobil-Weltverband (FIA), die Teams und die Verantwortlichen in ihre Planungen mit einbeziehen.

"In den vergangenen Jahren hat die Formel 1 nicht gut reagiert. Kontinuität ist natürlich sehr wichtig für alle Beteiligten, aber wir müssen schon aufpassen, dass die DNS der Grands Prix auch gewahrt wird", meint Brawn.

"Ich habe mir die Situation genau angesehen. Wir müssen uns einen 5-Jahres-Plan überlegen, im Rahmen dessen wir nach und nach Innovationen einführen. Schnell zu handeln könnte kontraproduktiv sein."

Den Fans eine Stimme geben

Wichtig sei in jedem Fall, den Formel-1-Fans eine Stimme zu geben, wie sich die Rennserie entwickeln soll. Außerdem sollten künftige Regeländerungen gut durchdacht sein, erklärt Brawn weiter.

2015 hatten sich die Fans bei der von der Fahrergewerkschaft (GPDA) und Motorsport.com durchgeführten Umfrage dafür ausgesprochen, Änderungen an der Formel 1 vorzunehmen – aber nicht durch technische Spielereien.

Von den über 215.000 Umfrageteilnehmern wünschten sich zwar 89 Prozent eine engere Formel 1, doch Ideen wie umgekehrte Startaufstellungen (18 Prozent), Erfolgsballast (26 Prozent) oder Kundenautos (44 Prozent) fanden keine Mehrheit.

Vielmehr sprachen sich 74 Prozent für weniger strenge Regeln und im Umkehrschluss für mehr Vielfalt beim Autodesign und der verwendeten Technologie aus. 80 Prozent erhoffen sich sogar wieder einen Reifenkrieg zwischen mehreren Herstellern, 60 Prozent wollen das Nachtanken erneut einführen.

Auch Brawn zweifelt an der Sinnhaftigkeit von künstlichen Maßnahmen wie dem verstellbaren Heckflügel (DRS), doppelten Punkten oder dem Ausscheidungsfahren im Qualifying. All dies wurde eingeführt, um künstlich mehr Spannung zu erzeugen.

"Dieser Versuchung müssen wir widerstehen, wenngleich es in den vergangenen Jahren gleich mehrfach passiert ist", sagt Brawn.

"In jedem Fall aber sollten wir den Wettbewerb fördern. Doch dafür braucht es Geduld. Wir können nicht von heute auf morgen alles umkrempeln. Von Schwarz auf Weiß zu wechseln, wäre ein Fehler. Denn die Formel 1 ist ein komplexer Sport."

Erste Ansätze für 2018

Im Gespräch mit der BBC deutet Brawn an, es könnten bereits 2018 erste Maßnahmen ergriffen werden.

"Wir müssen nur sicherstellen, dass es keine künstlichen Lösungen sind", meint Brawn. "Jeder weiß, wie künstlich DRS ist. Wir brauchen einfach natürliche Ansätze."

"Diese Ansätze müssen wir genau durchdenken. Ich habe da auch ein paar Ideen. Die kann ich jetzt nicht diskutieren, weil ich sie zuerst mit den Teams besprechen will. Aber ich habe Ideen, die wir uns anschauen sollten. Und vielleicht führen wir sie 2018 oder 2019 ein."

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Tags design, drs, f1, formel 1, innovation, ross brawn, réglement, wettbewerb