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Russell gegen Antonelli: Was die F1-Regeln wirklich sagen

War Kimi Antonelli von George Russell von der Strecke gedrängt worden? - Die geltenden F1-Richtlinien erklären die Sicht der Stewards

Russell gegen Antonelli: Was die F1-Regeln wirklich sagen

Kimi Antonelli und George Russell im harten Zweikampf

Foto: Getty Getty

Obwohl Kimi Antonelli der Ansicht war, dass ihn George Russell im Kampf um die Führung des Sprint-Rennens beim Großen Preis von Kanada in Kurve Eins von der Strecke gedrängt habe, sahen die Formel-1-Stewards keinen Anlass für ein Eingreifen.

Russell verteidigte seine Position auf der Innenseite von Kurve Eins, während Antonelli außen anzugreifen versuchte. Die Lücke wurde jedoch immer kleiner, sodass der Italiener auf das Gras ausweichen musste, um eine Kollision zu vermeiden.

Über Funk machte Antonelli anschließend deutlich, dass er sich im Recht sah. Seiner Ansicht nach war er ausreichend neben Russell positioniert, um gemäß den Fahrstandards der Formel 1 Anspruch auf Platz in Richtung Kurve Zwei zu haben.

Welche Richtlinien gelten für Überholmanöver?

Doch war seine Kritik berechtigt? Die Antwort liegt in den unterschiedlichen Vorgaben für Überholmanöver auf der Innen- und Außenseite einer Kurve.

Für einen Angriff auf der Innenseite genügt es grundsätzlich, mit der Vorderachse mindestens auf Höhe des gegnerischen Spiegels zu sein. Das Manöver muss zudem kontrolliert ausgeführt werden und innerhalb der Streckenbegrenzungen bleiben. Antonelli stützte seine Argumentation auf genau diesen Punkt. Für die Bewertung der Szene in Kurve Eins sind jedoch zunächst die Regeln für Überholmanöver auf der Außenseite entscheidend.

Dort liegt die Hürde höher: Ein Fahrer hat nur dann Anspruch auf ausreichend Platz, wenn seine Vorderachse am Scheitelpunkt vor jener des Konkurrenten liegt. Auch dabei muss das Manöver kontrolliert und innerhalb der Streckenbegrenzungen durchführbar sein.

Warum die Stewards wohl keinen Regelverstoß sahen

Antonelli befand sich auf der Anfahrt zu Kurve Eins neben Russell, am Scheitelpunkt wirkten beide Fahrzeuge nahezu gleichauf. Die Stewards dürften jedoch zu dem Schluss gekommen sein, dass Antonellis Vorderachse nicht eindeutig vor jener von Russell lag. GPS-Daten sollen zudem zeigen, dass Russell leicht vom Gas ging, um seine Position am Kurveneingang zu behaupten.

Da die Kurven Eins und Zwei in Montreal unmittelbar aufeinander folgen, könnte Antonelli argumentieren, dass sein Angriff bereits auf die Innenseite von Kurve 2 abzielte. Dort hätte er die Voraussetzungen der entsprechenden Richtlinie womöglich erfüllt. Allerdings befand er sich zu diesem Zeitpunkt bereits neben der Strecke.

Kurvenkombinationen werden gesondert bewertet

Genau für solche Fälle enthalten die Richtlinien eine zusätzliche Klarstellung:

"Die oben genannten Richtlinien für die Innen- und Außenseite können auf jedes Element einer Kurvenkombination angewendet werden. Grundsätzlich wird jedoch dem ersten Kurvenelement Priorität eingeräumt."

Damit rückt die Positionierung in Kurve Eins in den Mittelpunkt der Bewertung. Da Antonelli dort die strengeren Voraussetzungen für ein Überholmanöver auf der Außenseite offenbar nicht erfüllte, erscheint die Entscheidung der Stewards, nicht einzugreifen, im Einklang mit den geltenden Vorgaben.

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