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Sainz-Lawson-Kollision: Williams beantragt Neubewertung der Strafe

War die Strafe gegen Carlos Sainz in Zandvoort gerecht? - Während er selbst und einige Fahrer Zweifel anmelden, beharrt Liam Lawson auf der Regelanwendung

Sainz-Lawson-Kollision: Williams beantragt Neubewertung der Strafe

Carlos Sainz ist über die Strafe noch immer richtig sauer

Foto: Getty Getty

Williams macht ernst: Wie Carlos Sainz bereits in Zandvoort angekündigt hat, hat sein Team Protest gegen die Strafe für die Kollision mit Liam Lawson in der Tarzanbocht in Zandvoort eingelegt.

Am Rennergebnis ändert das nichts, weil die Zeitstrafe bereits im Rennen verbüßt wurde; es geht dem Team um Grundsatzfragen - und um die beiden Strafpunkte, die theoretisch noch gestrichen werden könnten. Ein Anhörungstermin steht noch aus.

Auslöser der Kontroverse war der Restart nach einer frühen Safety-Car-Phase. Beim Anbremsen auf Kurve 1 nutzte Sainz die Außenbahn, um Lawson zu attackieren. Wegen der Überhöhung der Kurven in Zandvoort ist es durchaus möglich, außen herum gegenzuhalten. Doch beide Fahrzeuge kamen sich dabei ins Gehege.

Die Rennleitung legte die Verantwortung bei Sainz. Da er seine Vorderachse nicht weit genug neben das Williams-Auto bringen konnte, werteten die Stewards das Manöver als unsauber und belegten ihn mit einer Zeitstrafe. Zusätzlich zu den zehn Sekunden bekam Sainz zwei Strafpunkte auf sein Malus-Konto.

Williams will den Fall nun offiziell vor die Stewards bringen und hat eine Neubewertung beantragt. Das Ziel: die Strafe gegen Sainz kippen zu lassen und damit möglicherweise eine bessere Platzierung in der Endabrechnung zurückzuerhalten.

Ein formelles Recht auf Neubewertung besteht, wenn ein "neues, relevantes Element" vorgelegt werden kann, das den Stewards beim Rennen nicht bekannt war. Ob dies gelingt, bleibt offen.

Sainz: "Schlechte Entscheidung, und das habe ich klargestellt"

Sainz schildert, er habe nach dem Rennen doch noch rund 15 Minuten mit den Stewards zusammengesessen und die Szene Frame für Frame durchgegangen: "Als alle Belege richtig auf dem Tisch lagen, wurde mir klar, dass sie wohl gemerkt haben, dass die getroffene Entscheidung nicht die beste war."

"Jetzt versuchen wir, genug Beweise vorzulegen, um das Ergebnis zu ändern. Für mich war es eine sehr schlechte Strafe und ein Fehlurteil. So etwas kann passieren, solange man die Möglichkeit hat, es zu überprüfen."

Sainz glaubt, dass die Sportkommissare an jenem Tag schlicht überfordert waren: "Es war ein sehr hektischer Sonntag mit vielen Vorfällen. Vielleicht wurde die Entscheidung deshalb zu schnell getroffen, ohne tief genug in die Analyse zu gehen. Auch jetzt, mit kühlerem Kopf, bin ich überzeugt, dass die Strafe nicht akzeptabel war."

Forderung nach festen Stewards

Der Spanier nutzt den Fall, um ein seit Jahren diskutiertes Problem erneut anzusprechen: die wechselnde Besetzung der Stewards: "Die Regeln sind extrem komplex. Es wäre sehr hilfreich, wenn wir immer dieselben Stewards hätten, die sie anwenden. Dann weißt du, woran du bist."

Für ihn war die Strafe ein Beispiel dafür, dass die Entscheidungsprozesse nicht optimal funktionieren: "Wendet man nur die Regel im Handbuch an, kann man verstehen, warum man mich bestrafen wollte. Aber sobald man die Onboard-Aufnahmen analysiert, sieht man klar, dass ich nie hätte bestraft werden dürfen."

Als Gegenbeispiel nennt er die Strafe für Lewis Hamilton, die verspätet erst in Monza wirksam wurde: "Das zeigt, wie schwierig die Abläufe sind. In meinem Fall wurde zu schnell entschieden, bei Lewis hat es zu lange gedauert. Beides ist nicht ideal. Wir müssen hier als Fahrer, FIA und GPDA gemeinsam Lösungen finden. Zandvoort hat gezeigt, dass wir noch nicht auf dem richtigen Level sind."

Lawson: "Die Regeln sind eindeutig"

Lawson sieht den Fall natürlich völlig anders. Der Neuseeländer verweist auf die klar formulierten Richtlinien, wonach der Angreifer auf der Außenseite mindestens seine Vorderachse neben das Fahrzeug auf der Innenseite bringen muss, um Anspruch auf Platz zu haben.

"Er war das Auto auf der Außenseite, und er hat seine Vorderachse nicht dahin bekommen, wo sie nach den Regeln sein muss. Deshalb war es sein Fehler. Deshalb hat er die Strafe bekommen", sagt Lawson.

Über die Aufregung von Sainz zeigte er sich verwundert: "Mich hat das erstaunt. Er war derjenige, der überholt hat, und er hat die Strafe bekommen. Für mich ist das ziemlich klar."

Albon sieht generelles Problem in Fahr-Richtlinien

Direkt hinter den beiden befand sich Alexander Albon, der die Szene aus nächster Nähe beobachten konnte. Für ihn ist die Lage weniger eindeutig - im Gegenteil.

"Für mich war Liam schuld, das war meine erste Reaktion im Auto. Später war ich überrascht, dass Carlos die Strafe bekam. Aus meiner Sicht war es höchstens ein Rennunfall, wenn nicht sogar ein klarer Fehler von Liam", schildert der Thailänder.

Albon sieht ein tieferliegendes Problem in den aktuellen Richtlinien, die seiner Meinung nach den Fahrer auf der Innenseite zu sehr bevorteilen: "Der Fahrer auf der Innenbahn hat im Moment zu viel Macht. Der außen fahrende Kollege muss sich komplett unterordnen. Das fühlt sich für uns nicht wie natürliches Racing an. Das erzeugt Strafen, die seltsam wirken."

Unterstützung erhält Sainz von Nico Hülkenberg. Der Sauber-Pilot beobachtete die Szene ebenfalls genau und zeigt sich über die Entscheidung der Rennleitung erstaunt: "Ich habe den Zwischenfall gesehen und verstehe nicht, warum Carlos da eine Strafe bekommen hat. Für mich ist das ein Restart, Rad-an-Rad, so etwas passiert im Racing. Das kann passieren."

Hülkenberg rechnet damit, dass der Vorfall in der Fahrerbesprechung beim Grand Prix von Monza ausführlich diskutiert wird: "Ich bin sicher, dass Carlos das Thema einbringen wird. Das wird eine längere Debatte geben."

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