"Schlupfloch": Sebastian Vettel kritisiert virtuelles Safety-Car

Sebastian Vettel glaubt, dass sich die Fahrer während des VSC einen unfairen Vorteil verschaffen können - Rennleiter Charlie Whiting kann die Kritik nicht nachvollziehen

Sebastian Vettel ist offenbar kein Freund des virtuellen Safety-Cars (VSC). Der Ferrari-Pilot ist der Meinung, im aktuellen System eine Schwachstelle ausgemacht zu haben. Er erklärt: "Die FIA verwendet ein System, das uns eine Delta-Zeit vorgibt. Jeder muss ungefähr 40 Prozent langsamer fahren. Aber ich glaube, dass alle wissen, dass es eine Möglichkeit gibt, unter dem VSC schneller zu sein."

Während einer virtuellen Safety-Car-Phase wird das Rennen quasi "eingefroren", die Abstände zwischen den Fahrern bleiben identisch. Die Piloten dürfen die von Vettel angesprochene Delta-Zeit nicht überschreiten. Wo also soll die Schwachstelle liegen? "Indem man Meter spart", erklärt Vettel und ergänzt: "Das zwingt uns dazu, lächerliche Linien auf der Strecke zu fahren. Jeder macht das, es ist also kein Geheimnis."

Der Deutsche fordert daher für die Zukunft "ein System, das dieses Schlupfloch nicht hat." Die aktuelle Software sei "schlecht" und erlaube es den Fahrern, "zusätzliche Performance" zu finden. Schaut man sich die Onboard-Aufnahmen der Piloten während der VSC-Phase am vergangenen Wochenende in Barcelona an, fällt tatsächlich eine teilweise ziemlich ungewöhnliche Linienwahl auf.

Whiting sieht kein Problem

So bremsen die Fahrer einige Kurven beispielsweise nicht mehr von ganz außen an. Damit befinden sie sich nicht mehr auf der Ideallinie, sparen aber natürlich - wie von Vettel erklärt - einige Meter. Doch bringt das den Piloten wirklich einen Vorteil? "Ich weiß von keinem Problem. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wovon er spricht", wundert sich Rennleiter Charlie Whiting, als er auf die Vettel-Kritik angesprochen wird.

Er verrät, dass in der Elektronik der Autos eine VSC-Karte einprogrammiert ist. Diese sei "30 Prozent langsamer als eine schnelle Runde." Whiting erklärt: "Dieser Runde müssen die Piloten folgen. Auf der Strecke wird alle 50 Meter nachgemessen." Alle 50 Meter erhalten die Fahrer daraufhin eine Mitteilung, ob sie zu schnell (minus) oder sogar langsamer (plus) als die Delta-Zeit sind.

"Sie dürfen ins Negative kommen, solange sie bei jedem Marshal-Sektor und bei der ersten Safety-Car-Linie wieder im positiven Bereich sind", so Whiting. Zur Erklärung: Gemeint sind hier nicht die drei "großen" Sektoren eines Kurses, sondern deutlich kleinere Bereiche. So verfügt jede Formel-1-Strecke über ungefähr 20 kleine Sektoren, die zum Beispiel bei der Überwachung der Einhaltung von Gelben Flaggen - oder eben dem VSC - eine Rolle spielen.

FIA verspricht Überprüfung der Vorwürfe

Die genaue Anzahl dieser Sektoren variiert dabei je noch Länge der Strecke. In der Regel umfassen diese Sektoren maximal zwei Kurven. Viel Spielraum haben die Piloten also nicht - was ja auch Sinn der Sache ist. "Ich bin mir nicht ganz sicher, worauf sich Seb bezieht", kann sich Whiting daher keinen Reim auf die Kritik des Deutschen machen. Er denke nicht, dass das aktuelle VSC-System manipulierbar sei.

"Wenn alle 50 Meter nachgemessen wird, dann ist jeglicher Vorteil, den man auf der Strecke durch eine andere Linienwahl erzielen kann, absolut minimal", stellt Whiting klar. Gleichzeitig zeigt er sich aber auch offen für Verbesserungsvorschläge und versichert: "Wenn sie Beweise haben, dann werden wir uns die natürlich anschauen und nachprüfen, ob man es manipulieren kann."

Er selbst könne sich aber nicht vorstellen, dass man sich auf der Strecke während des VSC "irgendeinen Vorteil" verschaffen kann. "Man kann beim Rein- und Rausfahren aus der Box einen Vorteil gewinnen. Das ist aber nicht neu", räumt er lediglich ein und erklärt in diesem Zusammenhang: "Wir prüfen jetzt, die erste und zweite Safety-Car-Linie und die Ziellinie als Minisektoren heranzuziehen." So wolle man die Möglichkeit, sich dort eine Vorteil zu verschaffen, "minimieren".

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Fahrer Sebastian Vettel
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