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Sebastian Vettel: Formel 1 jetzt schon kein Technik-Vorreiter mehr

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Sebastian Vettel: Formel 1 jetzt schon kein Technik-Vorreiter mehr
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Sebastian Vettel fordert die Formel-1-Chefs auf, sich klar zu positionieren und über eine Rückbesinnung auf die Wurzeln des Grand-Prix-Sports nachzudenken

Die Diskussionen um die Gestaltung der Zukunft der Formel 1 sind in den vergangenen Jahren zu einem ähnlichen Glaubenskrieg geworden wie die ewige Diskussion Verbrenner gegen Elektromotor im Automobilbereich. Sebastian Vettel bezieht diesbezüglich als einer der wenigen Fahrer klar Position und bekennt sich dazu, dass die Formel 1 nicht jedem Technik-Trend hinterhereifern, sondern lieber authentischer Motorsport, mit Fahrern aus Fleisch und Blut im Mittelpunkt, bleiben sollte.

Das Technische Reglement für die Formel 1 2020 umfasst aktuell 110 Seiten. Dazu kommen weitere 71 Seiten Sportliches Reglement und das dicke Internationale Sportgesetzbuch der FIA mit seinen diversen Anhängen. Nicht zu vergessen die verschiedenen Richtlinien, die laufend vom FIA-Rennleiter an die Teams übermittelt werden, aber nicht auf der FIA-Website abrufbar sind.

Wäre es da nicht im Sinne des Sports, wieder zu einem einfachen Reglement mit zwei A4-Seiten zurückzukehren, will 'ServusTV' in einem Interview von Vettel wissen. Der antwortet: "Ja und nein. Natürlich sind heute die Möglichkeiten so groß ... Wenn es auf zwei A4-Seiten wäre, gäbe es viel mehr Spielraum. Da werden dann auch gewisse Dinge ausgelebt, die am Ziel vorbeischießen."

Nichtsdestotrotz plädiert er für eine Vereinfachung des Sports: "Irgendwo muss sich die Formel 1 vielleicht Gedanken machen und sich einordnen. Was will man erreichen? Will man Komplexität? Will man die Technologie weiterhin auf einem Standard führen, der so weit weg ist, so nicht greifbar in gewisser Weise, so weit fortgeschritten?"

Vettel findet: Formel 1 sollte Sport und Unterhaltung sein

"Oder bekennt man sich zur Unterhaltung, zum Sport, zum Wesentlichen und reduziert sich darauf?", hinterfragt der viermalige Weltmeister. "Ich glaube, das sind zwei Dinge, die, aufgrund des Wissens, das überall vorhanden ist und stetig wächst, immer mehr auseinanderdriften."

Besonders die 2014 eingeführten Hybridmotoren, die technologische Meisterwerke mit einem sagenhaften Effizienzgrad von rund 50 Prozent sind, gelten als teuer - und sind bei vielen Traditionalisten relativ unbeliebt, weil sie nicht den gleichen kreischenden Sound von sich geben wie die alten V8-, V10- oder V12-Sauger.

Aber für große Automobilhersteller wie Honda, Mercedes oder Renault ist wichtig, dass die Formel 1 auf fortschrittliche Technologien setzt. Erstens, um den Wissenstransfer aus dem Motorsport in die Serie als Verkaufsargument anführen zu können, und zweitens, weil die Motorsportprogramme oft aus den Forschungs- und Entwicklungsbudgets der Konzerne finanziert werden.

Vettel ist das egal. Er findet: "Die Formel 1 ist in vielerlei Hinsicht schon kein Vorreiter mehr. Wir haben kein ABS, wir haben keine Traktionskontrolle, keine Stabilitätskontrolle. All diese Sachen haben wir nicht an Bord, weil der Fahrer im Vordergrund stehen soll. Jedes moderne - nein, jedes normale - Auto hat heutzutage diese Sachen alle an Bord."

Formel 1 ohne Fahrer: Eine Horrorvorstellung

Ergo: "Man ist da schon auseinandergegangen und kein Vorreiter mehr", sagt er. "Ich glaube, wenn man die Mobilität an sich anschaut und wo sie hinläuft, wird der Fahrer in den nächsten Jahrzehnten irgendwann ersetzt. Also müsste die Vorreiterversion der Formel 1 ja praktisch keine Fahrer mehr haben. Aber ich glaube nicht, dass das einen großen Unterhaltungswert hat."

Eine Rennserie ohne Fahrer gibt es schon: Im Rahmen der Formel E wird das sogenannte Roborace entwickelt. Das kann laut Vettel keine Zukunftsvision für die Formel 1 sein, und "daher denke ich, dass irgendwann ein Punkt erreicht werden muss, wo man sagt, okay, man bekennt sich jetzt zum Sport und vielleicht nicht mehr dazu, dass die Formel 1 überall technischer Vorreiter ist".

Der 31-Jährige hat den Formel-1-Verantwortlichen schon vor Jahren klar gesagt, dass eine Batterie seiner Meinung nach nicht wesentlicher Bestandteil eines Grand-Prix-Antriebs sein sollte, sondern höchstens in eine Fernbedienung gehört. Aber die technische Ausrichtung der Formel 1 ist bei weitem nicht das einzige Thema, das ihn stört.

Spätestens seit er nach dem aberkannten Sieg in Kanada leidenschaftlich dagegen gewettert hat, dass die Formel-1-Verantwortlichen inzwischen wie Rechtsanwälte klingen, wenn sie über ihren Sport sprechen, gilt Vettel auch als Gegner des Strafenkatalogs, wie er derzeit gehandhabt wird: Strafpunkte & Co., das sei "ein Kindergarten", schüttelt er den Kopf.

"Das ist eben das, was so schwer ist: Dinge auf Papier festzuhalten und genau zu beschreiben, die doch so unterschiedlich sein können. Jeder Fall ist unterschiedlich", plädiert er dafür, das Credo "Let them race!" wieder mehr zu verinnerlichen. Mittlerweile habe die Formel 1 aber "so einen Batzen" Regeln, dass die FIA-Kommissare Strafen aussprechen müssen. Und das sei nicht gut.

Mit Bildmaterial von LAT.

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