Sebastian Vettel in Kanada: Motor-Update ein Vorteil für Ferrari?

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Sebastian Vettel in Kanada: Motor-Update ein Vorteil für Ferrari?
Autor: Maria Reyer
Co-Autor: Glenn Freeman
07.06.2018, 20:49

Sebastian Vettel wird in Kanada in den Genuss eines Motor-Updates kommen - Wie schätzt er die Mercedes-Situation ein? - Kanada "immer ein spannender Grand Prix"

Nicht nur Renault und Honda werden am Kanada-Wochenende ein Motor-Update bringen, auch Ferrari hat einen neuen Antrieb für Sebastian Vettel im Gepäck. Der Deutsche ist dennoch vorsichtig mit seinen Prognosen, obwohl Mercedes das Silberpfeil-Update kurzerhand verschieben musste. Lewis Hamilton sieht darin einen Nachteil, der Deutsche hingegen nicht unbedingt. Was der Ferrari-Pilot und WM-Zweite von Kanada erwartet, hat er am Donnerstag verraten.

Das Motor-Update sei "von vornherein der Plan" bei Ferrari gewesen. Nach sechs Rennen wird Ferrari also die erste Ausbaustufe zünden. Nachdem insgesamt drei Antriebseinheiten straffrei verwendet werden dürfen, liegt die Scuderia damit gut im Plan. "Es ist schwierig, Vorhersagen zu treffen. Es hängt auch davon ab, was die anderen machen, welche Updates sie bringen. Auf dieser Strecke ist der Motor wichtiger, er kann eine größere Rolle spielen", weiß der Heppenheimer.

Nur die silberne Konkurrenz musste das Update, das eigentlich auch für Montreal geplant war, kurzfristig wieder absagen und verschieben. "Ich weiß nicht, was ihr Update gewesen wäre, ich weiß also nicht, ob es sie hart trifft oder nicht", kommentiert Vettel knapp. Lewis Hamilton äußerte sich am Donnerstag in Monteal besorgt. "Leistungsmäßig werden wir wohl keine Wunder vollbringen", meinte der Brite. Vettel beurteilt das fehlende Update weniger scharf: "Ich denke nicht, dass das bei dieser Generation von Antriebseinheiten ein großes Problem sein sollte." Ob der Motor nun sechs oder sieben Rennen halten muss, sei weniger entscheidend.

Reifen werden "ein Schlüsselfaktor" sein

"Entscheidend ist, ob man mehr bringt als die anderen, das wird uns einen Vorteil verschaffen", glaubt der viermalige Weltmeister. Er kann auch keinen großen Unterschied im Fahrverhalten zwischen einem gebrauchten Motor oder einem neuen erkennen. "Ich kenne den genauen Kilometerstand des Motors nicht, den wir bislang verwendet haben. Wir haben aber einen ziemlich guten Job gemacht. Man merkt die Laufleistung nicht so sehr. Es ist nicht gerade so, dass wir nach 2.500 Kilometer viel Power verlieren würden. Das ist kein großes Problem für uns", erklärt der Deutsche.

Bislang ist Vettel jedenfalls zufrieden mit dem V6-Hybrid aus dem Werk in Maranello. Der SF71-H sei "ein gutes Auto auf den Geraden", was in Montreal von Vorteil sein dürfte. "Es ist sehr effizient dieses Jahr. Das sollte uns auf Strecken wie dieser hier also helfen, allerdings werden die Reifen ein Schlüsselfaktor sein. Wir müssen sicherstellen, dass wir sie ins Arbeitsfenster bringen und dass sie halten." An diesem Rennwochenende stehen den Teams der Supersoft, der Ultrasoft und der Hypersoft von Pirelli zur Verfügung.

Während Mercedes sehr zurückhaltend beim Hypersoft zugreift und nur jeweils fünf Sätze bestellt hat, geht Ferrari mit jeweils acht Sätzen deutlich riskanter ans Werk. Vettel und Räikkönen haben dementsprechend weniger Ultrasofts (drei Sätze) und Supersofts (zwei Sätze) im Gepäck. "Das sind einige Schlüsselelemente, aber ich mag die Strecke und ich bin gerne hier."

Langweiliges Rennen nur bei Ferrari-Doppelsieg wünschenswert

Wohl auch, weil Vettel in den vergangenen Jahren sehr anspruchsvolle Rennen auf der Ile de Notre Dame absolvieren musste. 2016 lieferte er sich ein hartes Duell mit Lewis Hamilton, das schließlich auch durch zwei Seemöwen entschieden wurde. 2017 warf ihn ein Manöver von Max Verstappen in Kurve 1 weit zurück, dadurch musste er eine beherzte Aufholjagd starten. "Aus irgendeinem Grund scheinen meine Rennen hier immer sehr spannend zu sein. Das ist ein cooler Ort hier, es gibt einen großen Hype um das Rennen hier, die Leute sind sehr aufgeregt, daher können wir hoffentlich ein gutes Rennen bieten."

Langweilig darf es nur bei einem Ferrari-Doppelsieg werden, scherzt der Deutsche: "Natürlich gibt es manchmal auch langweilige Rennen, in Monaco ist das Überholen nicht gerade einfach, aber hier sollte es anders werden. Sollte es am Sonntag ein langweiliges Rennen geben und wir auf den Plätzen eins und zwei liegen, wären wir damit trotzdem glücklich. Aber das ist noch ein langer Weg dorthin."

Und nicht nur auf Mercedes - das Team gewann mit Lewis Hamilton in den vergangenen drei Jahren - wird Vettel achten müssen, Red Bull kommt mit viel Selbstbewusstsein nach dem Monaco-Triumph nach Montreal. "Natürlich können sie hier stark sein. Sie hatten ein besseres Reifenmanagement als die meisten anderen in Monaco, das könnte ihnen auch hier helfen", glaubt Vettel. "Aber die Strecke ist anders, das Layout auch. Ich weiß nicht, welche Updates sie mitgebracht haben. Ich erwarte aber, dass es eng wird, wie auch in den anderen Rennen und hoffentlich ist Ferrari an der Spitze." Zuletzt gewann Ferrari übrigens 2004 mit Michael Schumacher.

Mit zusätzlichen Informationen von Roberto Chinchero

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