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Sebastian Vettel: Unterstelle Ferrari keine böse Absicht

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Sebastian Vettel: Unterstelle Ferrari keine böse Absicht
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Sebastian Vettel sieht bei Ferrari keine Front gegen sich, Experten kritisieren jedoch den Umgang der Scuderia mit dem viermaligen Weltmeister

Sebastian Vettel befindet sich auf Abschiedstour bei Ferrari. 2020 wird seine letzte Saison bei der Scuderia sein, worin viele ein Problem sehen. Spätestens nach dem Interview von Sebastian Vettel am Donnerstag vor dem ersten Rennen scheint klar, dass es gewisse Risse in der Beziehung zwischen Fahrer und Team gibt. Dennoch möchte Vettel die Saison 2020 noch mit Anstand zu Ende bringen.

"All das, was ich in den letzten Jahren seitens des Teams bekommen habe, möchte ich auch zurückgeben - das ist mein Ziel für dieses Jahr", sagt der Deutsche gegenüber 'ORF'. Allerdings gibt es auch nicht wenige Stimmen, die Vettel nach dem Abschied auf dem Abstellgleis bei Ferrari sehen.

Diese Beobachtung teilt der viermalige Weltmeister jedoch nicht: "Ich muss fairerweise sagen: Nein. Ich glaube, dass seitens des Teams da keine böse Absicht herrscht. An sowas glaube ich nicht", winkt er ab.

Dennoch steckt Vettel in einer schwierigen Situation. Eigentlich war er immer davon ausgegangen, dass er weiter bei Ferrari fahren wird. Teamchef Mattia Binotto hatte ihm mehrfach gesagt, dass er die "erste Wahl" sei, auch öffentlich betonte er immer wieder, dass Vertragsgespräche nur eine Formalie seien - bis man Vettel plötzlich am Telefon das Gegenteil mitteilte.

Wurz: "Fein war's nicht!"

"Fein war's nicht", urteilt Ex-Pilot Alexander Wurz im 'ORF' und sieht Vettel dadurch in einer "ungünstigen Konstellation". Denn hätte er früher von seinem Abschied erfahren, hätte er Gespräche mit anderen Teams schon früher aufnehmen können. Zwar wird der Deutsche derzeit mit vielen Teams in Verbindung gebracht, nach außen hin haben ihm die besten Varianten jedoch abgesagt.

"Jetzt sehen wir diese Reise um Rom, das Spiel, aber es ist kein Sitz mehr da", sagt der Österreicher. "Schwierig, charakterbildend - und in gewisser Weise unfair. Andererseits: So ist das Leben in der High-Performance-Welt der Formel 1." Fair sei ein Wort, das in der Formel 1 keinen Vorrang habe.

Allerdings muss er sich über einen Umstand wundern. Angeblich soll Vettel nicht bereit gewesen sein, auf Geld zu verzichten, und aufgrund der Coronakrise hätten sich die Vorzeichen geändert, verteidigte Binotto die Entscheidung gegen Vettel.

Geldproblem war keines

Für Wurz spricht das höchstens für mangelnde Kommunikation. Er verweist auf Haas-Teamchef Günther Steiner, der Vettel auch kein Angebot machen würde, weil er kein niedriges Gehalt bieten wollen würde. Doch mit Kommunikation lasse sich das Problem lösen, sagt Wurz und verweist auf Fernando Alonso und dessen Wechsel zu Toyota in die Langstrecken-WM.

Sebastian Vettel, Mattia Binotto, Charles Leclerc

Binotto und Vettel: Hat die Kommunikation nicht gestimmt?

Foto: Motorsport Images

"Wir haben ihm gesagt: 'Das ist das Budget, das wir für die Fahrer haben. Das wurde eingeteilt, bevor du da warst. Wir können dir dieses Auto bieten, mit dem du gewinnen kannst - aber nur mit diesem Salär.' Da gab es nicht einmal eine Sekunde lang eine Diskussion. Er hat nur gesagt: 'Ich bin eh nicht wegen Geld da'", erzählt Wurz.

Er ist sich sicher, dass Vettel auch für ein geringeres Gehalt innerhalb der Budgetbedingungen gefahren wäre. Das bestätigt der Deutsche: "Das war überhaupt nie ein Thema", sagt Vettel. Dass er sogar mehr Geld gefordert haben soll, bezeichnet er als "Schwachsinn".

Berger: Mich hat Entscheidung nicht gewundert

Doch das Kind ist mittlerweile in den Brunnen gefallen. Der Abschied Vettels steht mittlerweile fest und der Deutsche fährt um seine Zukunft. Das muss er jedoch in einem Auto tun, das mutmaßlich nicht mehr für Spitzenpositionen in Frage kommt.

Zudem sieht Ralf Schumacher ein weiteres Problem: "Er ist in einem Team, in dem er schon seit letztem Jahr nicht mehr die Unterstützung bekommt, die er eigentlich bräuchte und die man auch als Mensch braucht", sagt er bei 'Sky'. "Man kann nur performen, wenn man sich aufgehoben fühlt, gerade in so einem Spitzensport."

Und wenn das Auto dazu noch solche Probleme hat, wie der SF1000, dann ist die Angelegenheit für Vettel eine schwierige. Gerhard Berger sieht noch ein drittes Problem: "Sebastian hat den Höhepunkt hinter sich." Er sieht das Karriereende immer näher rücken und die Leistungen nicht mehr auf dem Stand wie zu seinen besten Zeiten.

"Wenn man dann bei Ferrari ist, und wenn Ferrari nicht konkurrenzfähig ist, dann kommen so viele politische Ströme noch dazu. Und wenn man dann auch noch einen Teamkollegen wie Leclerc hat, der sich in kürzester Zeit in die Herzen der Italiener befördert hat, dann sind das alles Umstände, die nicht ideal sind", sagt er zu 'ORF'. "Drum hat's mich nicht gewundert, dass sich Ferrari so entschieden hat und dass es keine Zukunft für Sebastian bei Ferrari gibt."

Nur zwei konnten Ferrari in den Griff bekommen

Vettel reiht sich damit in eine ganze Liste von Fahrern ein, die mit Ferrari Weltmeister werden wollten und es nicht geschafft haben: Fernando Alonso beispielsweise oder Berger selbst.

Für Berger haben es in der Geschichte auch nur zwei Fahrer geschafft, die richtige Struktur zu Ferrari zu bringen und damit die Erfolge nach Maranello zu lotsen: Niki Lauda und Michael Schumacher. "Sebastian ist das nicht gelungen, obwohl er viermaliger Weltmeister ist und einer der Besten, die ich je in diesem Sport gesehen habe", so Berger.

Das Kapitel ist in wenigen Monaten geschlossen. Die Frage ist nur, ob sich irgendwo ein neues auftut. Aston Martin und Red Bull gelten aktuell als mögliche Varianten, doch vor allem von Seiten Red Bulls hagelt es Absagen. "Das sehe ich einfach nicht", winkt auch Berger ab.

Telefonat mit Marko nach Ferrari-Aus

Sebastian Vettel bestätigt, dass Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko einer der Ersten war, die er nach seinem Aus bei Ferrari angerufen habe. "Ich hab' ihn gefragt, was er mir rät. Er ist alt genug, hat sehr viel Lebenserfahrung und kennt sich bestens aus", sagt Vettel.

"Es war jetzt nicht ein Anruf im Sinne von: 'Helmut, hast du einen Platz für mich?' Sondern um die Situation aus meiner Sicht zu schildern, was mir wichtig ist für die Zukunft, und wozu er mir rät", betont der viermalige Weltmeister.

Helmut Marko, Sebastian Vettel

Noch heute sucht Vettel den Rat bei Helmut Marko

Foto: Motorsport Images

Was Marko ihm geraten hat, ist nicht bekannt, doch Vettel betont abschließend noch einmal, dass er nicht im Streit mit Ferrari auseinandergeht: "Es gab nie irgendwelche Reibungspunkte, oder Punkte, auf die wir uns nicht einigen konnten. Sondern es war dann einfach die Entscheidung, nicht weiterzumachen."

"Die Entscheidung, auch wenn sie überraschend war, nehme ich hin und akzeptiere ich. Ich bin alt genug und kann damit leben."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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