Sebastian Vettel: Warum sein Regenbogen-Shirt zum Problem wurde

Weshalb Sebastian Vettel für das Tragen eines T-Shirts beim Formel-1-Rennen in Ungarn verwarnt wurde und was er vom Urteil der Sportkommissare hält

Sebastian Vettel: Warum sein Regenbogen-Shirt zum Problem wurde

Vor dem Ungarn-Grand-Prix auf dem Hungaroring bei Budapest trug Sebastian Vettel nicht nur das Grün von Aston Martin, sondern über seiner Rennfahrerkluft noch ein T-Shirt in Regenbogenfarben und der Aufschrift "Same Love". Das wurde zum Problemfall, denn Vettel erhielt nach dem Formel-1-Rennen eine offizielle Verwarnung durch die Sportkommissare.

Der Grund: Automobil-Weltverband (FIA) und Formel 1 räumen den Fahrern kurz vor dem Abspielen der Nationalhymne des austragenden Lands zwar den Raum ein, sich im Rahmen der #WeRaceAsOne-Kampagne zu positionieren, doch anschließend sind sämtliche T-Shirts oder sonstige Aktionskleidungsstücke abzulegen. So schreiben es die Regeln vor.

Vettel aber - und neben ihm auch Valtteri Bottas, Carlos Sainz und Lance Stroll - erfüllte diese Vorgabe in Ungarn nicht. Weil jeder der Genannten bei der Hymne nicht die reine Rennkleidung anhatte, kam es zur Meldung bei den Sportkommissaren und später zu einer Verwarnung für jeden beteiligten Fahrer.

Wie die Verwarnung begründet wird

Die Begründung: Vettel, Bottas, Sainz und Stroll haben gegen Artikel 12.2.1.i des Internationalen Sportkodex verstoßen. Darin wird das "Versäumnis" beschrieben, "den Vorgaben der relevanten Offiziellen zur sicheren und ordnungsgemäßen Durchführung der Veranstaltung Folge zu leisten".

Formel-1-Rennleiter Michael Masi erklärt dazu auf Nachfrage: "Die Nationalhymne muss respektiert werden, und dafür haben die Fahrer ihre Rennanzüge zu tragen. Es müssen also alle Shirts oder dergleichen abgelegt werden."

Die entsprechenden Vorgaben habe die Rennserie erst kürzlich noch einmal präzisiert. Nun sei es "erstmals" zu einem Verstoß gekommen, sagt Masi weiter. "Alle genannten Fahrer hatten noch ihre Shirts an, nicht nur Sebastian. Sie alle haben deshalb eine Verwarnung erhalten, weil sie die Vorgaben der Rennleitung nicht erfüllt hatten."

Welche Konsequenzen die Verwarnung haben kann

Ihm selbst sei der Regelverstoß anhand der TV-Übertragung aufgefallen, meint Masi. "Dann habe ich es den Sportkommissaren gemeldet." Und diese erkannten Vettel, Bottas, Sainz und Stroll für schuldig.

Das Strafmaß der Verwarnung sei "die schwächste Sanktion, die wir haben", sagt Masi. "Es ist eine Warnung, keine Strafe." Und er betont: Es handelt sich um eine nicht-fahrerische Verwarnung, also um eine Verwarnung, "die nichts mit dem Fahren zu tun hat".

Sebastian Vettel mit Regenbogen-Farben auf seinem Helm beim Grand Prix von Ungarn der Formel 1 2021 in Budapest

Sebastian Vettel trug die Regenbogen-Farben in Ungarn auch auf dem Helm

Foto: Motorsport Images

Theoretisch könnte eine solche nicht-fahrerische Verwarnung laut Masi aber dazu beitragen, dass ein Formel-1-Fahrer eine richtige Strafe erhält. Es brauche zum Beispiel zwei fahrerische Verwarnungen und eine nicht-fahrerische Verwarnung, um eine Rückversetzung in der Startaufstellung auszulösen, sagt Masi. "Drei nicht-fahrerische Verwarnungen aber hätten nicht diese Auswirkung."

Vettel reagiert mit Unverständnis

Vettel nimmt das irritiert zur Kenntnis. Er und seine Kollegen hatten in ihrer Anhörung angegeben, schlicht "vergessen" zu haben, das T-Shirt vor der Hymne abzulegen, "weil Regen eingesetzt habe". So ist es im FIA-Protokoll zur Sitzung bei den Sportkommissaren nachzulesen.

Darüber hinaus äußert Vettel bei 'Sky' sein Unverständnis darüber, dass ein T-Shirt überhaupt zu einem so großen Thema werden könne: "Irgendwie scheinen einige Leute damit ein Problem zu haben. Das ist natürlich schade."

Er habe damit ein "kleines Zeichen der Unterstützung" an die Menschen in Ungarn senden wollen. Für ihn sei nicht nachvollziehbar, "dass es immer noch so viele Probleme damit gibt und Leute, die sich daran aufreiben. Da ist die Diagnose, dass wir alle irgendwann den Planeten verlassen müssen, wahrscheinlich eine gute", meint Vettel.

Vettel erneuert Kritik an ungarischem Gesetz

Dass Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert und ihrer freien Entfaltung beraubt würden, sei "schade", sagt der viermalige Formel-1-Weltmeister weiter. "Ich glaube, dafür gibt es auch keine Entschuldigung." In ähnlicher Form hatte Vettel bereits vor dem Rennen Kritik an Ungarns Haltung geübt und dafür Kritik aus Politikerkreisen erfahren.

Es sei aber auch "enttäuschend" zu sehen, wie FIA und Formel 1 mit der Situation umgingen. Vettel: "Vor dem Rennen stehen wir alle auf dem Teppich und haben diese tollen Slogans. Trotzdem scheint das für manche ein Problem darzustellen. Das verstehe ich nicht."

"Traurige Welt, in mancher Hinsicht. Ich stehe aber gerne für Menschen ein, die leiden müssen in einem Land der Europäischen Union."

"Ich habe das Shirt bei der Hymne angelassen, um die Leute in Land zu unterstützen, die leiden. Manche stellen Gesetze auf, aber sie schützen damit die Kinder nicht, sondern sie bedrohen eher die Art und Weise, wie sie aufwachsen. Dafür nehme ich jede Strafe in Kauf, die sie mir geben."

Hamilton lobt Vettels Engagement

Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton findet Vettels Haltung "wundervoll" und bezeichnet es als "wichtig", wie sich sein Rennfahrer-Kollege in Ungarn für die LBGTQ+-Community eingesetzt habe.

"Ich glaube nicht, dass er in allzu große Schwierigkeiten gerät, aber wir müssen Haltung zeigen. Wir wollen Diversität und Inklusivität fördern. Dass er sich dafür einsetzt, macht mich stolz."

Spendenaktion rund um Vettels Regenbogen-Shirt

Und Vettels Regenbogen-Shirt soll nun nachträglich einem weiteren guten Zweck zugeführt werden: TV-Sender Sky will das Kleidungsstück versteigern und den Aktionserlös spenden.

"Darüber können wir reden", sagt Vettel auf die Initiative von Sky-Reporter Peter Hardenacke. "Ich denke, wir müssen das richtige Format finden, damit wir in dem Sinne möglichst viel rausholen. Und ich bin auch absolut gewillt, das gleiche nochmal draufzulegen."

Vettel betont nochmals: Die Verwarnung von Budapest kratze ihn herzlich wenig. In Richtung Sportkommissare sagt er: "Sie können mit mir machen, was sie wollen. Es ist mir egal. Ich würde es wieder tun."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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