Selbstläufer für Red Bull in Mexiko? "Es sollte ein Doppelsieg herausspringen"

Red Bull und Max Verstappen gehen als große Favoriten in das Formel-1-Wochenende in Mexiko - Helmut Marko liefert bereits eine Kostprobe des Selbstvertrauens

Selbstläufer für Red Bull in Mexiko? "Es sollte ein Doppelsieg herausspringen"

Wird die Luft für Lewis Hamilton im WM-Kampf der Formel 1 in Mexiko gleich doppelt dünn? Auf über 2.000 Metern Höhe geht es für den Briten nicht nur darum, ausreichend Sauerstoff zu finden, sondern vor allem darum, Max Verstappen nicht noch weiter enteilen zu lassen. Denn nach der im Vorfeld unerwarteten Niederlage in Austin geht Hamilton mit zwölf Punkten Rückstand ins fünftletzte Saisonrennen.

Und nun wartet auf dem Papier eine Strecke, die Red Bull wie auf den Leib geschneidert scheint. Die Höhenlage des Autodromo Hermanos Rodriguez kommt dem Team besonders entgegen. Einerseits ist das Auto historisch stets effizienter in der Aerodynamik als der Mercedes. Andererseits funktioniert die Powerunit von Honda in der Höhe ebenfalls besonders gut.

Diese Umstände gepaart mit dem Sieg in Austin verleihen Red Bull tatsächlich die vielbeschriebenen Flügel. "Der Sieg war moralisch unglaublich wichtig. Überhaupt die letzten drei Rennen. Wir haben mehr Punkte eingefahren als kalkuliert", sagt Motorsportkonsulent Helmut Marko zu 'auto motor und sport'.

Marko rechnet vor: Zwei Siege bis zum Titel

Mit Blick auf das Rennen in Mexiko fügt er mit breiter Brust und viel Selbstvertrauen an: "Es sollte eigentlich ein Doppelsieg herausspringen." Doch die Formel 1 lebt nicht (nur) von Theorien und schon gar nicht im Konjunktiv. Einzig Ergebnisse zählen. Und hier sieht Marko sein Team auf bestem Wege Richtung Titel.

"Ich habe immer gesagt, dass wir zehn Siege brauchen werden, um Weltmeister zu werden", rechnet Marko im 'ORF'. Verstappen steht derzeit bei sieben Siegen, zudem gewann Sergio Perez das Rennen in Baku. "Fehlen uns nur zwei. Wir haben befürchtet, dass wir nach Russland, der Türkei und den USA mit einem Rückstand dastehen werden. Das macht uns jetzt Mut", meint er.

Die Niederlage in Austin schmerzte Mercedes vor allem deshalb, weil ein klarer Vorsprung am Freitag nicht gehalten werden konnte. Während das Team über den Verlauf des Wochenendes stagnierte oder gar einen Schritt zurück machte, holte Red Bull sukzessive auf und zog vorbei.

Wolff sieht Mercedes-Chancen "absolut intakt"

Teamchef Toto Wolff kündigte nach dem Rennen an, innerhalb des Teams genau zu analysieren, was schiefgelaufen ist. "Viele" und "positive Diskussionen" erwartete der Österreicher.

Ans Aufgeben denkt Wolff mit Blick auf die WM noch lange nicht. "Die Chancen sind absolut intakt", stellte er bei 'Sky' klar: "Ich hätte lieber zwölf Punkte Vorsprung als zwölf Punkte hinten, aber das kann sich in einem Rennen entscheiden, wenn einer stehenbleibt. In der Konstrukteursmeisterschaft sind wir vorne und das müssen wir jetzt ausbauen."

In der WM-Wertung der Hersteller liegt Mercedes weiterhin deutlich vorne, doch auch dieser Vorsprung schmolz in Austin zusammen, von 36 auf 23 Punkte. Und das trotz der vermeintlichen Wundererfindung, die in Texas erstmals Gesprächsinhalt war. Das Absenken des Hecks auf der Geraden und das Aufstellen in den Kurven schien der Schlüssel zum überlegenen Speed in der Türkei gewesen zu sein.

Hamilton bereits mit zwei Siegen in Mexiko

In Austin kam der Vorteil des Systems nicht so stark zum Tragen, doch laut Marko ist er weiterhin da. "Der jetzige Stand ist, dass wir in der Motorleistung knapp hinter Mercedes liegen. Mit ihrem Absenken des Hecks haben sie auf langen Geraden einen Vorteil. Beim Chassis hängt es von der Tagesform ab", sagt der 78-Jährige und stellt klar: "Die Überlegenheit, die wir so ab Frankreich hatten, ist weg."

Umso wichtiger ist es für Red Bull nun, auf der Spezialstrecke in Mexiko das Maximum herauszuholen. Heißt: Verstappen siegt, Perez wird Zweiter und dahinter kommt vielleicht nicht gleich Hamilton. ANZEIGE: Die Formel 1 live im TV siehst Du in Deutschland nur auf Sky. Für Kurzentschlossene geht das sogar ganz flott und ohne Receiver im Livestream über ein Sky Ticket!

Der Weltmeister auf Verfolgungsjagd weiß um die Stärken Red Bulls sowohl in Mexiko als auch beim Rennen eine Woche später in Brasilien. "Wir müssen einfach versuchen, ihre Stärken zu minimieren und schauen, dass wir einen besseren Job machen", sagt Hamilton wenig optimistisch.

Weiterer Motorwechsel bei Hamilton?

Dabei muss der siebenmalige Champion gar nicht zu pessimistisch sein. Zweimal konnte er in Mexiko bereits gewinnen, 2016 und bei der bislang letzten Ausgabe 2019. Auch deshalb verbindet Teamchef Wolff "nur positive Erinnerungen" mit der Veranstaltung. "Wir müssen am Freitag gut starten, das Auto verstehen und entwickeln und dann werden wir in einer Position sein, in der wir um den Sieg kämpfen können", zeigt er sich zuversichtlich.

Auch sein Amtskollege auf Red-Bull-Seite, Christian Horner, sieht im Rennen von Mexiko beileibe keinen Selbstläufer für seine Truppe. "In jedem Rennen ging es um ein oder zwei Zehntel. Ich sehe keinen Grund, warum es in Mexiko anders sein sollte", sagt er.

Eine entscheidende Rolle im WM-Kampf könnte die Zuverlässigkeit einnehmen. Zwar erhielt Hamilton in der Türkei einen neuen Verbrennungsmotor, doch es gibt durchaus Vermutungen, die einen weiteren Motorwechsel beim Briten erwarten.

"Unser Informationsstand, unsere Hoffnung, ist, dass Hamilton noch einmal wechseln muss", sagt auch Marko. Bei Verstappen hingegen, der seine vierte Powerunit in Russland bekam, werde dies nicht erwartet. "Bei normalen Rennverläufen und ohne Unfälle kommen wir mit unseren Motoren durch", erklärt Marko. Doch was ist in dieser Saison schon normal?

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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