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Charles Leclerc hat das Formel-1-Rennen in Silverstone gewonnen: Der Ferrari-Pilot profitierte vom Pech von Kimi Antonelli - Kurioses Ende nach Verstappen-Abflug

Silverstone: Drama um Antonelli beschert Leclerc den ersten Saisonsieg

Charles Leclerc siegt in Silverstone, Hamilton muss sich hingegen ärgern

Foto: LAT Images

Riesenpech für Kimi Antonelli! Auf dem Weg zum möglichen Sieg beim Formel-1-Rennen in Silverstone (live im Ticker verfolgen) ereilte den WM-Spitzenreiter der nächste Defekt, der seine Hoffnungen zunichtemachte.

Dadurch feierte Ferrari einen überraschenden Sieg mit Charles Leclerc, der die Führung bereits am Start übernommen hatte und von Antonelli in der Schlussphase auf frischen Reifen gejagt wurde, bis der Italiener Probleme mit dem Auto bekam.

Ferrari darf sich aber auch ärgern, denn die Scuderia warf einen möglichen Doppelsieg weg: Hamilton lag auf Rang zwei, als das Safety-Car wegen eines Abflugs von Max Verstappen (Red Bull) auf die Strecke geschickt wurde. Ferrari holte den Briten an die Box, Mercedes ließ seinerseits George Russell draußen, der Rang zwei übernahm.

Weil das Rennen nicht noch einmal freigegeben wurde, fuhr Russell vor Hamilton über den Zielstrich. Vierter wurde Lando Norris (McLaren) vor Isack Hadjar (Red Bull) und den beiden Racing Bulls von Liam Lawson und Arvid Lindblad.

Audi darf sich über vier Punkte von Gabriel Bortoleto freuen, die letzten Punkte gingen an die Alpines von Pierre Gasly und Franco Colapinto, weil Antonelli aufgrund einer Tracklimit-Strafe Rang neun noch verlor.

Nico Hülkenberg (Audi) schied mit einem Defekt vorzeitig aus.

Das Wichtigste in aller Kürze:

F1-Show: Livestream auf YouTube und Twitch (22 Uhr)

Was passierte am Start?

Ferrari erlebte das Best-Case-Szenario: Beide roten Renner kamen vor der ersten Kurve an Polesetter Antonelli vorbei und übernahmen die Führung, mit Leclerc vor Hamilton. Dahinter sortierten sich die beiden Mercedes ein und dahinter die beiden Red Bulls, die diesmal keinen schlechten Start erwischten.

Aber: Hamilton hatte sich beim Start zu früh bewegt und erhielt dafür eine Fünf-Sekunden-Strafe. Schlecht lief es auch bei Oscar Piastri, der sich nach zwei Runden mit einen Wechsel des Frontflügels an die Box schleppen musste. Und auch bei Nico Hülkenberg war der Auftakt wieder nichts: Er fiel auf Rang 20 zurück, weil er sich in Runde zwei ausgangs von Kurve 7 gedreht hatte.

Im Hinterfeld gab es in Kurve 6 eine Kollision zwischen Alexander Albon (Williams) und Oliver Bearman (Haas). Albon hatte sich dabei verbremst und war in den Haas seines Landsmanns gerutscht, der sich daraufhin drehte. Für die Aktion bekam Albon eine Zeitstrafe von zehn Sekunden aufgebrummt.

Wie lief der Kampf um den Sieg?

Nach dem gewonnen Start führte Ferrari das Rennen zunächst einige Zeit an, während sich Antonelli dahinter etwas von Russell lösen konnte. Hamilton verlor nach ein paar Runden ebenfalls etwas an Boden auf Leclerc und musste sich mit Antonelli auseinandersetzen.

In Runde 11 folgte der erste echte Angriff des Mercedes-Piloten, der sich vor der schnellen Copse mutig durchsetzen konnte und fortan auf dem zweiten Platz lag. An Leclerc kam er in den folgenden Runden aber nicht heran: Nach 21 Runden hatte er immer noch 3,5 Sekunden Rückstand auf den Ferrari.

Nach 23 Runden kam Hamilton als erster der Top 3 zum Reifenwechsel, obwohl er funkte, dass seine Reifen noch gut seien. Durch seine Fünf-Sekunden-Strafe kam er jedoch hinter Verstappen und Russell wieder auf die Strecke, die sich bereits zuvor harte Reifen abgeholt hatten.

Zwei Runden später holte Ferrari auch den führenden Leclerc zum Reifenwechsel, was Antonelli zunächst zum neuen Spitzenreiter machte, während der Monegasse auf Rang zwei wieder auf die Straße kam.

Dass er noch draußen war, bereitete Antonelli ein wenig Sorge. Er funkte an sein Team: "Lasst nicht zu, dass andere Leute einen Undercut gegen mich machen!"

Doch diesbezüglich bestand keine Gefahr: Verstappen auf Rang drei lag bereits deutlich außerhalb des Fensters, und dahinter bekämpften sich Russell und Hamilton gegenseitig, wobei Hamilton gleich mehrfach starke Manöver (in Copse oder Brooklands) zeigte, nur um auf der Geraden wieder den Kürzeren zu ziehen.

Nach 35 Runden kam dann schließlich auch Antonelli zu seinem einzigen Boxenstopp, um sich harte Reifen abzuholen. Bei noch 17 zu fahrenden Runden musste der Italiener 7,5 Sekunden auf Leclerc aufholen, um das Rennen noch zu gewinnen. "Du hast zehn Runden frischere Reifen. Das schaut gut aus", sagte ihm sein Ingenieur.

Und tatsächlich sah es gut aus: Nach drei Runden hatte er den Rückstand schon auf 4,5 Sekunden reduziert. Aber das Schicksal schlug zu, denn kurz darauf wurde der Italiener plötzlich langsam. "Etwas ist im Auto kaputt", funkte er und fuhr an die Box. Auf Rang fünf hinter Russell kam er wieder auf die Strecke.

Der Kampf um den Sieg war damit zugunsten von Leclerc entschieden, der 20 Sekunden Vorsprung auf Hamilton hatte. Auch ein spätes Safety-Car änderte nichts mehr am Ergebnis ganz vorne, da das Rennen nicht noch einmal freigegeben wurde.

Was war das Problem von Antonelli?

Eigentlich schien Antonelli in Richtung Sieg zu fahren. Mit großen Schritten holte er auf Leclerc auf, als er plötzlich funkte, dass er ein Problem mit dem Auto habe. Nach einem Nasenwechsel an der Box kam er auf Rang fünf wieder auf die Strecke, klagte aber immer noch über Untersteuern und geriet mehrfach neben die Strecke.

Das Problem wurde dann aber ersichtlich: Beim Überfahren der Randsteine hatte sich die Bremsbelüftung am linken Vorderrad gelöst und verklemmt. "Wir glauben, es war ein Curbstrike in Kurve 9, wo der Curb so hoch ist", sagt Motorsportchef Toto Wolff bei Sky. "Aber es ist trotzdem keine Entschuldigung, weil das Ding darf nicht brechen - vor allem in der Kurve nicht."

Antonelli kam noch einmal zum Reparaturstopp an die Box und auf Rang zehn wieder auf die Strecke. Den letzten Punkt wollte er unbedingt verteidigen, obwohl er eine Fünf-Sekunden-Strafe wegen der Tracklimit-Vergehen hatte, als er mit kaputtem Auto mehrfach neben die Strecke gefahren war.

"Ich wollte ihn schon lange reinholen, wegen Sicherheitsgründen", sagt Wolff. "Aber dann am Ende hat man sich entschieden, draußen zu bleiben." Denn: "Man musste es auch zu Ende fahren, um die Strafe nicht ins nächste Rennen mitzunehmen."

Auf Franco Colapinto hinter ihm machte Antonelli auch genügend Boden gut, bis das Safety-Car ausgerufen wurde. Da das Rennen nicht wieder freigegeben wurde, verlor er durch das zusammengeschobene Feld viele Positionen, sodass er außerhalb der Punkte gewertet wurde.

Warum flog Max Verstappen ab?

Das Rennen von Max Verstappen endete fünf Runden vor dem Schluss im Kiesbett der Stowe-Kurve. Der Niederländer hatte am Ende der Hangar-Straight die Kontrolle über seinen Red Bull verloren und hatte sich in den Kies gedreht - ähnlich wie im Qualifying von Spielberg am vergangenen Wochenende.

Und wie in Österreich soll es sich auch diesmal um ein Problem mit dem Red Bull gehandelt haben: "Ein anderer Defekt, aber das gleiche Ergebnis", erklärt er. "Beim Einlenken in die Kurve klappt der Heckflügel nicht richtig zurück. Und dadurch verlierst du extrem viel Anpressdruck. Du drehst dich dann einfach von der Strecke."

Verstappen verlor damit einen möglichen Podestplatz und war sichtbar angefressen: "An dem Punkt ist es super gefährlich, weil du dich wirklich verletzen kannst - und das jetzt schon zweimal", schimpft er. "Ich hatte in Österreich Glück, ich hatte hier Glück, aber genau deshalb hat man es irgendwann einfach absolut satt."

Warum kam das Safety-Car am Ende nicht rein?

Fans waren kurz verwirrt: Eigentlich wurde in der vorletzten Runde angezeigt, dass das Safety-Car wieder reinkommen würde - somit hätte es noch eine freie Rennrunde gegeben. Allerdings bog das Safety-Car nicht in die Box ab, sondern blieb auch in der letzten Runde draußen. Laut FIA soll ein Software-Problem dafür verantwortlich gewesen sein.

"Artikel B5. 13.5 des Safety-Car-Reglements besagt, dass nach dem Zurückrundungsverfahren eine Runde absolviert werden muss. Dieses Verfahren wurde von der Rennleitung befolgt. Die Nachricht 'Safety-Car in this lap' wurde aufgrund eines Softwarefehlers fälschlicherweise angezeigt", heißt es.

Da die Regeln korrekt angewendet wurden, bedeutete dies, dass Charles Leclerc den Sieg ohne einen Kampf in der letzten Runde nach Hause fuhr - obwohl er in Vorbereitung auf einen Restart noch einmal an die Box gefahren war, um frische Soft-Reifen zu holen.

George Russell, der nicht für frische Reifen an die Box gekommen war, rückte auf den zweiten Platz vor, nachdem auch Lewis Hamilton für frische Reifen gestoppt hatte.

Warum schied Nico Hülkenberg aus?

36 Runden weit kam Nico Hülkenberg, dann war das Silverstone-Rennen für ihn vorbei. Der Deutsche musste seinen Audi R26 in der Copse-Kurve am Streckenrand parken. Der Grund: ein Getriebeschaden.

"Es war ein charakterbildendes Wochenende für uns, das heute auf frustrierende Weise zu Ende ging", sagt er. "Von Anfang an lief es nicht wirklich rund - schon auf den Runden in die Startaufstellung fühlte sich etwas nicht richtig an, und auch der Start selbst war nicht dort, wo er sein müsste - das ist ganz klar ein Bereich, dem wir uns auf unserer Seite widmen müssen."

"Im Rennen musste ich früh in der verwirbelten Luft pushen und hatte einen kleinen Dreher, was das Reifenmanagement schwierig machte, und später hatten wir ein Getriebeproblem, das uns letztendlich zur Aufgabe zwang", erklärt er.

Während Hülkenberg weiter auf seinen ersten Saisonpunkt wartet, konnte zumindest Teamkollege Gabriel Bortoleto mit Rang acht die ersten Zähler seit dem Saisonauftakt in Australien mitnehmen. "Das ist ein wirklich starkes Ergebnis für ihn und für das Team, und es zeigt das Potenzial, das wir haben, wenn alles zusammenpasst", lobt Hülkenberg.

Warum muss Lewis Hamilton nach dem Rennen zu den Kommissaren?

Hamilton und ein Teamvertreter von Ferrari wurden vorgeladen, um einen potenziellen Verstoß gegen Artikel B1.8.4 des Sportlichen Reglements der Formel 1 zu erklären, der das Befolgen von einfachen und doppelten gelben Flaggen regelt. Womöglich war er beim Aus von Nico Hülkenberg zu schnell.

Der Ferrari-Pilot gab zu, dass er mit dem Verlust seines Podestplatzes rechnet: "Ich werde jetzt wahrscheinlich auch noch eine Strafe bekommen, also werde ich es wohl verlieren. Ich bin an einer gelben Flagge vorbeigefahren und habe sie nicht gesehen", sagte Hamilton gegenüber Sky.

"Erst der Frühstart und dann die gelbe Flagge. Ein Unglück kommt selten allein. Ich war gerade bei ihnen. Ich habe noch keine Antwort, aber höchstwahrscheinlich werde ich etwas bekommen. Ich kriege bestimmt eine Strafe, da bin ich mir sicher."

Aber: Die FIA sprach nur eine Verwarnung gegen den Briten aus, der seinen dritten Platz behalten darf. Hamilton hatte nach einem Zweikampf mit Max Verstappen in den Rückspiegel geschaut und dadurch nur wenig Reaktionszeit auf die Anzeige am Lenkrad-Display, lautet die Begründung.

So geht es weiter beim Grand Prix von Großbritannien 2026

Der Rennsonntag in Silverstone ist für eingefleischte Formel-1-Fans noch nicht vorbei. Denn am Sonntagabend geht es noch in eine ausführliche Nachbereitung des Grand Prix, gehostet von Kevin Scheuren, der mit Kevin Hermann über alle wichtigen Themen des Rennens spricht. Der Livestream findet um 22 Uhr auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de und auf Twitch parallel statt. Kanalmitglieder haben dabei die Möglichkeit, am Ende des Streams Fragen zu stellen und mitzudiskutieren. (Jetzt Kanalmitglied werden!)

Nach einer Woche Pause steht mit Belgien und Ungarn der letzte Doubleheader vor der Sommerpause an. (Hier den Rennkalender 2026 einsehen!)

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