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Reaktion

"Skalpell statt Baseballschläger": Wolff warnt vor überstürzten Änderungen

Mercedes-Teamchef Toto Wolff spricht über Änderungen am Formel-1-Reglement und erklärt, warum man erst einmal nur kleinere Anpassungen vornehmen sollte

"Skalpell statt Baseballschläger": Wolff warnt vor überstürzten Änderungen

Mercedes-Teamchef Toto Wolff warnt vor Schnellschüssen

Foto: Getty Getty

Am heutigen Montag sollen kleinere Änderungen am Formel-1-Reglement beschlossen werden. Nach den ersten drei Rennen der neuen Ära haben FIA, Formel 1 und Co. Bilanz gezogen und in den vergangenen Wochen darüber beraten, welche Anpassungen an den komplett neuen Regeln noch nötig sind.

"Ich muss wirklich sagen, dass die Gespräche zwischen den Fahrern, der FIA, der Formel 1 und den Teams konstruktiv verlaufen sind", verrät Mercedes-Teamchef Toto Wolff in diesem Zusammenhang und stellt klar: "Wir verfolgen alle dieselben Ziele."

Man wolle "das Produkt verbessern" und gleichzeitig schauen, "was wir in puncto Sicherheit optimieren können", so der Österreicher, der betont: "Dabei sollten wir jedoch mit dem Skalpell vorgehen und nicht mit dem Baseballschläger."

Heißt: Tiefgreifende Änderungen am Reglement sollte niemand erwarten. "Ich glaube, wir finden gute Lösungen, die wir hoffentlich noch heute verabschieden werden, um uns weiterzuentwickeln", so Wolff, der daran erinnert, dass "erst drei Rennen" unter dem neuen Reglement absolviert wurden.

"In gewisser Weise müssen wir aus der Vergangenheit lernen, wo Entscheidungen manchmal unüberlegt getroffen wurden, wir dann zu weit gegangen sind und erkannt haben, dass das nicht gut war", erklärt der Mercedes-Teamchef.

Wolff: Sollten unseren Sport nicht schlechtmachen

Unter anderem haben mehrere Fahrer zu Saisonbeginn 2026 bemängelt, dass man im Qualifying nicht mehr Vollgas geben und permanent auf die Batterie achten müsse. Zudem kam nach dem Unfall von Oliver Bearman in Suzuka die Frage auf, ob die neuen Regeln zu gefährlichen Situationen führen.

Ein weiterer Kritikpunkt waren in den ersten Rennen die Überholmanöver, die einigen Beobachtern zu künstlich sind. Auch Max Verstappen erklärte, dass das für ihn kein echtes Racing sei. "Wir alle haben unsere Meinungen, und das ist völlig legitim", stellt Wolff in diesem Zusammenhang klar.

"Aber diese Meinungen und Diskussionen sollten eher unter den Beteiligten stattfinden als in der Öffentlichkeit, denn der Sport ist in einer hervorragenden Verfassung. Wir haben viele Hunderttausende Fans, die diesen Sport lieben", betont der Österreicher.

"Es gibt andere, denen bestimmte Aspekte des Sports nicht gefallen. Aber um all die enormen Chancen zu bewahren, die uns dieser Sport bietet, sollten wir unseren eigenen Sport nicht öffentlich schlechtmachen", fordert Wolff.

"Wir alle - die Fahrer, die FIA, die Formel 1 und die Teams - müssen uns unserer Verantwortung als Hüter dieses Sports bewusst sein. Und wir müssen wertschätzen, was dieser Sport für uns getan hat, und konstruktiv zusammenarbeiten, um dort Verbesserungen vorzunehmen, wo es nötig ist, und ihn zu schützen, wenn es erforderlich ist", so Wolff.

Wolff: Ein langweiliges Produkt bringt auch nichts

"Wir orientieren uns an Daten", betont er und erklärt, die entscheidende Frage sei letztendlich: "Was lieben die Fans und was nicht? Und wir respektieren auch die Hardcore-Motorsportfans, denen das, was wir zuvor hatten, gefallen hat."

"Aber es gibt auch eine gewisse Nostalgie, die die Vergangenheit viel besser erscheinen lässt als die Gegenwart. Die Leute schwärmen von den 2000er-Jahren und vergessen dabei vielleicht, dass es Jahre gab, in denen es in einem Rennen kein einziges Überholmanöver gab", erklärt Wolff.

"Für die Fahrer war das vielleicht toll, weil sie in den Kurven Vollgas geben konnten. Aber wenn dieses Produkt für die Zuschauer langweilig ist, dann haben wir nichts gewonnen. Und wir hatten viele Jahre, in denen das Produkt kritisiert wurde und wir bei den Änderungen unüberlegt gehandelt haben - und die waren auch nicht besser."

Zudem hätten die Teams früher häufig aus Eigeninteresse und "aus taktischen Gründen" gewisse Regeländerungen gefordert oder blockiert. Das soll laut Wolff in Zukunft nicht mehr der Fall sein. "Wir tragen Verantwortung für den Sport", betont er noch einmal.

Deshalb müsse der Sport auch im Vordergrund stehen und nicht die Frage, "ob bestimmte Regeländerungen für uns persönlich von Vorteil oder Nachteil sind".

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