So schlug sich das neue Motorenprojekt von Red Bull Ford in Australien
Red Bull fuhr mit seinem neuen Motor in Australien acht Punkte ein, musste allerdings auch einen Ausfall von Isack Hadjar hinnehmen
Für den Red-Bull-Motor war Australien durchaus ein Erfolg
Foto: Formel 1
Max Verstappen mag das neue Reglement für 2026 hassen, aber zumindest die Stimmung im Red-Bull-Lager bezüglich der eigenen Performance ist nach dem Großen Preis von Australien optimistisch. "Ich bin wirklich stolz auf das Team", sagt der viermalige Weltmeister. "Sie haben Unglaubliches geleistet, um dort zu stehen, wo wir jetzt sind - im Kampf gegen McLaren und den Mercedes-Motor."
Es ist wohl das erste Mal, dass Verstappen nach einem sechsten Platz so zufrieden wirkte. Doch man darf nicht unterschätzen, vor welch gewaltiger Herausforderung Red Bull mit dem Debüt der eigenen Power-Unit steht.
Von Anfang an hieß es aus dem Team - laut Teamchef Laurent Mekies wäre es "albern" gewesen -, eine Leistung auf dem Niveau von Mercedes oder Ferrari zu erwarten. Doch genau das ist bei den Testfahrten und beim Auftakt in Melbourne passiert und hat viele überrascht.
Die größte Überraschung war wohl Isack Hadjar, der sich bei seinem Teamdebüt trotz aller historischer Sorgen um das zweite Red-Bull-Cockpit als Dritter qualifizierte. Zwar schied er in Runde 11 aus ("Der Motor klang schrecklich"), was zeigt, dass noch nicht alles perfekt läuft, aber Verstappen betrieb Schadensbegrenzung: Nach einem Q1-Crash kämpfte er sich von Platz 20 auf Rang sechs vor und sicherte dem Team so die ersten Zähler.
Die Basis ist da
Verstappen sprach von einer "Kombination aus Dingen", die zu seinem Unfall im Qualifying geführt hatten, wollte dies aber nicht weiter ausführen. Im Rennen setzte er am Ende sogar Lando Norris im McLaren unter Druck. Es zeichnet sich ab, dass Red Bull und die Mannschaft aus Milton Keynes das Jahr in einem engen Kampf um Platz drei hinter Mercedes und Ferrari beginnen werden.
"Das vorherrschende Gefühl ist, dass wir bestätigt haben, im Kampf dabei zu sein", sagt Mekies. Er weigert sich, eine konkrete Zahl für den Rückstand auf Mercedes zu nennen, doch sein McLaren-Pendant Andrea Stella enthüllte, dass dieser zwischen 0,5 und 1,0 Sekunden liegt.
"Wir sind stolz auf jeden in Milton Keynes für die Arbeit der letzten drei Jahre. Dass wir ab dem ersten Rennen konkurrenzfähig sind, ist eine enorme Leistung. Haben wir den Ehrgeiz, besser zu werden? Ja. Aber wir haben eine Basis: P3 gestern, von P20 auf P6 heute. Wir werden in China kämpfen und dann beginnt das Entwicklungsrennen."
Ein effizientes Entwicklungsprogramm ist der Schlüssel zum Erfolg im Jahr 2026. McLaren ist dafür das beste Beispiel aus der Ground-Effect-Ära: 2022 in Bahrain noch Hinterbänkler, gewannen sie 2024 und 2025 den Titel.
Probleme beim Start
Für Red Bull ist dies also ein solides Fundament, aber es gibt viel zu tun, um die Lücke zu den Top-Teams zu schließen - vor allem beim Batteriemanagement haperte es im Albert Park. Sowohl Hadjar als auch Verstappen hatten beim Start keine elektrische Leistung. Besonders bitter war das für den Franzosen, der kurzzeitig so aussah, als könne er die Führung übernehmen, bis er merkte, dass er vom Gas gehen musste.
"Es liegt in unserer Verantwortung, solche Situationen zu vermeiden", fügt Mekies hinzu. "Wir wurden von den Einschränkungen überrascht, wie man die Batterie in der Einführungsrunde lädt und entlädt. Wenn wir die Einzigen sind, die davon erwischt wurden, haben wir keinen guten Job gemacht."
"Durch das ungewöhnliche Fahrverhalten in der Einführungsrunde - Beschleunigen, Bremsen, Beschleunigen, um Bremsen und Reifen aufzuwärmen - kamen wir an einen Punkt, an dem der Ladezustand für den Start nicht mehr ausreichte. Wir mussten das Batterielevel in der ersten Runde erst wieder aufbauen, was natürlich nicht gerade spaßig war."
Allerdings war Red Bull offenbar nicht allein: Auch beide Mercedes-Werksfahrer gaben zu, dass sie beim Start keine Batterieunterstützung hatten, was ihre schwachen Starts erklärte und Charles Leclerc im Ferrari die Führung ermöglichte.
Der Mangel an elektrischer Power verzögerte auch Verstappens Aufholjagd. Hadjar betont: "Wir müssen das besser in den Griff bekommen. In sechs Testtagen und den Trainings konnten wir das nicht simulieren. Ein Rennszenario ist einfach etwas anderes."
Doch genau das ist die Herausforderung des 2026er Reglements mit seiner starken Abhängigkeit von elektrischer Energie. Es zählt nicht, wo ein Team in Melbourne steht, sondern wo es beim Finale im Dezember in Abu Dhabi landet.
"In den Top 4 zu sein, ist der richtige Startpunkt für dieses Projekt", betont Mekies. "Aber wir haben den Anspruch, Höheres anzuvisieren. Wir müssen uns schneller entwickeln als die Konkurrenz."
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