Spazierfahrt in Suzuka? Wer Mercedes am Sonntag noch stoppen könnte
Mercedes scheint den Sieg in Suzuka rein statistisch schon in der Tasche zu haben, doch droht von hinten eventuell doch noch eine Gefahr für die Silberpfeile?
Ist Mercedes am Sonntag überhaupt zu besiegen?
Foto: LAT Images
Hat Mercedes das Formel-1-Rennen in Japan (live im Ticker verfolgen) praktisch schon gewonnen? Die Statistik spricht eigentlich eine klare Sprache: Die Silberpfeile besetzen wieder einmal die erste Startreihe, wie sie es bereits in Australien und China gemacht haben - damals folgte jeweils ein souveräner Sieg.
Hinzu kommt: Valtteri Bottas war 2019 der letzte Fahrer, der in Suzuka nicht von der Poleposition aus gewann - und der einzige Fahrer seit 2006 (!), der bei seinem Sieg nicht in der ersten Startreihe stand. Das letzte Mal davor war Fernando Alonso - aber auch nur, weil damals der Motor von Michael Schumachers Ferrari abgeraucht war.
Überholen und vor allem Folgen war bislang in Suzuka kaum möglich, dazu hatte Mercedes die mit Abstand besten Longruns, das Rennen ist traditionell ein Einstopper, und auch das Wetter verspricht keine Kapriolen. Spricht also überhaupt etwas gegen einen Mercedes-Sieg?
Legt Ferrari wieder einen Turbostart hin?
Bislang hieß Mercedes' Unwägbarkeit Ferrari: Die Scuderia machte den Silberpfeilen das Leben in der Anfangsphase der Rennen bislang recht schwer. Und wieder einmal lauert Charles Leclerc in Reihe zwei, der mit Ferraris Turbostart wieder die Spitze übernehmen möchte.
"Mit einem guten Start können wir sie vielleicht unter Druck setzen", sagt Leclerc, "aber ich schätze, dass sie uns irgendwann einfach wegfahren werden, so wie in den letzten beiden Rennen. Sie haben einfach einen zu großen Pace-Vorteil."
Allerdings ist der Monegasse auch der Meinung, dass Ferraris Vorteil am Start immer geringer wird, je weiter die Saison voranschreitet. "Aber ich hoffe, wir können ihn so lange wie möglich halten."
Gerade auf einer Strecke wie Suzuka wäre es für ihn wichtig, Positionen gutzumachen, "und wenn wir zwei oder drei gewinnen können - umso besser. Das würde ich sofort nehmen, und dann können wir hoffentlich die Mercedes hinter uns halten. Aber ich bezweifle, dass das möglich sein wird."
Er glaubt: "Sobald sie erst mal eine Runde freie Fahrt haben, wird es für uns unmöglich sein, da wieder ranzukommen."
Hamilton skeptisch: Motor und Chassis von Mercedes stärker
Teamchef Frederic Vasseur baut darauf, dass Ferrari im Rennen bislang immer besser war als im Qualifying. "Der Freitag lief auch ziemlich gut, was bedeutet, dass wir zuversichtlich sein können", meint der Franzose bei Sky. "Wir warten ab, wie die Bedingungen sein werden, und dann sehen wir, was wir erreichen können."
Lewis Hamilton ist jedoch skeptischer und richtet den Blick eher nach hinten zu McLaren - wobei das aus seiner Startposition auch eher ein Blick nach vorne ist. "Sie haben eindeutig ein gutes Auto, und sobald sie anfangen, mehr Leistung aus diesem Mercedes-Motor rauszuholen, werden wir zurückfallen", glaubt der Brite, der am Sonntag von Rang sechs starten wird.
Er sieht schon "echt ein hartes Stück Arbeit vor uns", um die Lücke zu Mercedes irgendwie zu schließen. Denn die haben laut ihm nicht nur beim Motor Vorteile: "Ich denke, das Chassis ist - zumindest an diesem Wochenende - nicht auf Augenhöhe mit Mercedes. Sie sind auch in den Kurven schneller."
Auch bei McLaren richtet man den Blick eher auf Ferrari als auf Mercedes: "Ich denke, Ferrari hat gezeigt, dass sie im Rennen an relativer Pace gewonnen haben. Ich wäre also positiv überrascht, wenn wir in der Lage wären, mit Ferrari um Podestplätze zu konkurrieren", sagt Teamchef Andrea Stella.
"Es ist aber Rennsport, da kann alles passieren. Wir werden natürlich versuchen, das Podium anzugreifen. Aber wir wissen, dass wir das Auto verbessern müssen und vor allem Upgrades bringen müssen. Das ist der Plan für das nächste Rennen. Und dann können wir beständiger um das Podium kämpfen und hoffentlich später in der Saison um den Sieg."
Welche Stolpersteine Mercedes hat
Der Kampf scheint also eher zwischen Ferrari und McLaren zu liegen als zwischen Mercedes und irgendeinem anderen Konkurrenten. Zwar warnt Russell, dass die Konkurrenz vor allem im Qualifying näher gerückt ist, trotzdem liegt der Ball eindeutig bei den Silberpfeilen - und vor allem bei Antonelli.
Denn während Teamkollege Russell durch einen Set-up-Patzer seines Teams im Rennen gehandicapt sein wird, kann der Italiener nach seinem ersten Sieg in China befreit auffahren. Sein größter Fokus dürfte auf dem Start liegen, den er bereits mehrfach in dieser Saison nicht optimal getroffen hat - und wenn er zurückliegt, dann könnte es schwierig werden, glaubt er.
Denn auch wenn Überholen durch das neue Reglement einfacher scheint - so einfach wie in Australien und China wird es laut ihm nicht. "Weil die Strecke erstens ein ganzes Stück enger ist und man nicht so viele Geraden hat, auf denen man überholen kann - oder Geraden mit harten Bremszonen, wo man ein Manöver setzen kann."
"Man hat viele schnelle Kurveneinfahrten, es wird also nicht einfach. Deshalb ist ein guter Start entscheidend, und dann schauen wir mal, wie die Pace sein wird."
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