Start, Strategie & Stallorder: Die drei großen S-Fragen vor Mexiko

Der Formel 1 steht ein spannendes Rennen in Mexiko bevor: Was passiert am Start und wer darf am Ende eigentlich gewinnen?

Start, Strategie & Stallorder: Die drei großen S-Fragen vor Mexiko

Es sind die drei großen S-Fragen, um die es am Sonntag beim Großen Preis von Mexiko im Kampf zwischen Mercedes und Red Bull geht: Start, Strategie und Stallorder. Alle drei werden am Sonntag über den Sieger auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez entscheiden. Den ersten Vorteil hat sich Mercedes am Samstag mit der Poleposition erkämpft, doch mehr als ein kleiner Vorteil ist es nicht.

Alle Augen dürften vor allem auf den Start gerichtet sein. Valtteri Bottas startet von der Poleposition aus. Dahinter muss Lewis Hamilton von der schmutzigen Seite aus versuchen, WM-Rivale Max Verstappen auf dem langen Weg in Kurve 1 in Schach zu halten. Red-Bull-Teamchef Christian Horner kündigt bereits an, dass Fans auf den Tribünen in Kurve 1 einen Logenplatz haben werden.

Denn Red Bull würde sich wünschen, dass Verstappen schon am Start an Mercedes vorbeikommt - danach könnte es aufgrund des guten Speeds der Silberpfeile auf den Geraden schon schwierig werden. Und: "Du musst vorsichtig sein, weil du hier nicht so lange folgen kannst, weil sonst die Temperaturen durch die Decke schießen", weiß Horner.

Wichtiger Sprint in Kurve 1

Daher ist der Start mit dem langen Weg in Kurve 1 die beste Chance. "Ja, es wird schwierig am Start werden", glaubt Valtteri Bottas. "Es ist natürlich gut, dass wir beide Autos in der ersten Startreihe haben, aber sie sind genau hinter uns", sagt er über Red Bull. "Sie haben in Kurve 1 einen großen Windschatten und wir müssen herausfinden, wie wir vorne bleiben."

Der Weg in Kurve 1 ist mit knapp 900 Metern ähnlich lang wie in Sotschi, wo die zweite Startreihe als Vorteil gilt. Allerdings ist der Windschatten-Effekt in Mexiko aufgrund der dünnen Luft nicht ganz so groß. "Aber er ist trotzdem da", warnt Hamilton und kündigt an: "Wir werden als Team zusammenarbeiten und versuchen, Platz eins und zwei als Team zu halten."

Trotzdem ist es wahrscheinlich, dass es in Kurve 1 zwischen den WM-Rivalen eng werden wird. "Wir haben 2019 gesehen, dass es dort etwas haarig werden kann", meint Horner. Eine Kollision könnte Verstappen dank seines Vorsprungs daher helfen, doch der Teamchef möchte keine Wiederholung von 2019 erleben - denn es kann schnell schiefgehen.

"Max ist damals von drei gestartet, und Lewis war in Kurve 2 sehr aggressiv - und dann hat ein Reifenschaden den Rest des Rennens ruiniert", sagt Horner. "Da musst im Ziel dabei sein, und ich denke, wir haben immer noch eine großartige Chance in diesem Rennen."

Red Bull im Renntrimm schneller?

Denn das ist der andere Faktor: Warum sollte Verstappen eine Kollision riskieren, wenn er Mercedes auch über die Distanz schlagen kann und so seinen Vorsprung ausbauen könnte? Mercedes hatte zwar im Qualifying die Oberhand, doch im Renntrimm könnte Red Bull erneut schneller sein und so noch vorbeikommen - wie in Austin.

"Wir glauben, dass wir ein schnelles Rennauto haben sollten", sagt Horner. "Ich denke, dass wir trotzdem ein gutes Rennen haben können." Denn: "Wir sahen auf dem Medium ziemlich gut aus, und den Softreifen sehen wir nicht mehr. Mit dem war Max bislang nicht zufrieden."

 

Verstappen selbst baut auch auf den Fakt, dass alle vier Spitzenautos vorne dabei sind: "Es wird also hoffentlich aufregend", meint er. "Vielleicht kann der Kommandostand auch ein entscheidender Faktor sein. Wer weiß? Das finden wir heraus."

"Es wird alles darauf ankommen, wo alle nach der ersten Runde liegen", ergänzt Horner. "Und dann wird natürlich die Strategie ins Spiel kommen."

Mercedes: Noch nicht über Rennausgang gesprochen

Und am Ende kommt eventuell noch das dritte S ins Spiel - Stallorder. Dass Sergio Perez oder Valtteri Bottas gewinnen dürfen, wenn der Teamkollege direkt hinter ihnen liegt, scheint an diesem Wochenende ausgeschlossen. Bei Bottas ist das Thema nach dem Qualifying noch einmal akuter, auch wenn Motorsportchef Toto Wolff das erst einmal beiseite wischt.

Schon Kurve 1 müssen beide Mercedes zusammenarbeiten, um Red Bull hinter sich halten zu können: "Wir werden natürlich besprechen, wie die erste Gerade ablaufen kann. Aber es kommt immer so anders, als man glaubt", sagt der Österreicher. Dass Hamilton aber schon am Start nach vorne gebracht wird per Stallorder, schließt Wolff aus.

Gesprochen habe man vor dem Qualifying ohnehin noch nicht über so ein Szenario: "Es wäre ein bisschen vermessen gewesen, schon vor dem Qualifying über den Rennsieg zu sprechen", winkt er ab. "Jetzt ist die Situation allerdings eine andere. Das werden wir allerdings am Morgen klären - wie üblich im Strategiemeeting."

Stallorder ist jedoch vor allem unter Fans kein beliebtes Thema - vor allem wenn es über das eigene Team hinausgeht. Zuletzt in der DTM hatte das Saisonfinale am Norisring für eine Kontroverse gesorgt, weil Maximilian Götz von seinen Mercedes-Kollegen zum Titel protegiert wurde - auch wenn sie in völlig anderen Teams fuhren.

Wolff deutet Stallorder an

Auch in der Formel 1 gibt es mit Aston Martin oder AlphaTauri Kundenteams, die theoretisch in gewisser Weise eingreifen könnten. Doch das hält Wolff für unwahrscheinlich: "Meiner Meinung nach ist es in der Formel 1 noch nie passiert, dass andere Teams ihre Position für einen anderen aufgeben mussten. Zumindest nicht in meiner Erinnerung", sagt er.

"Bei den Tourenwagen ist das üblich, in der DTM hat man das schon vor 30 Jahren gemacht. Aber das wird in der Formel 1 nicht passieren", betont Wolff.

 

Aber auch teamintern ist Stallorder umstritten: Schon in Russland 2018 hatte Bottas Hamilton den Sieg überlassen müssen. Das hatte damals für wenig Verständnis gesorgt, angesichts der komfortableren Ausgangslage für Hamilton seinerzeit. In Mexiko wäre eine Stallorder aber wohl logisch, angesichts der Tatsache, dass Hamilton zwölf Punkte auf Verstappen aufholen muss.

Auch Wolff kann daher nicht bestreiten, dass ein Platztausch sinnvoll wäre, sollte Bottas vor Hamilton auf Platz eins liegen. "Ich bin ein Racer und finde die Diskussionen immer enttäuschend, aber manchmal verpflichten dich die Umstände einfach dazu", meint er vielsagend.

"Aber wir werden das erst mit Valtteri und Lewis besprechen, weil sie in die Diskussion involviert sind. Und dann werden wir sehen, ob das Rennszenario uns dazu zwingen wird, diese Entscheidung zu treffen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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