Startkollision der beiden Kumpels: Sainz und Norris rätseln über Schuldfrage

Die beiden guten Kumpels Lando Norris und Carlos Sainz gerieten kurz nach dem Start in Brasilien aneinander, bei der Schuldfrage waren sie sich fast einig

Startkollision der beiden Kumpels: Sainz und Norris rätseln über Schuldfrage

Im Kampf um den dritten Platz in der Konstrukteurs-WM der Formel 1 dürfte das Rennen in Brasilien für eine Vorentscheidung gesorgt haben. Ferrari punktete mit Charles Leclerc und Carlos Sainz massig, McLaren hingegen kam am Ende nur zu einem Punkt durch Lando Norris, da Daniel Ricciardo in guter Position liegend aufgeben musste.

Gerade für Norris begann das Rennen direkt am Start eigentlich vielversprechend, doch schon in Kurve 1 waren alle Hoffnungen dahin. Freud und Leid liegen oft eng beieinander. Ausgerechnet eine Kollision mit Konkurrent und Kumpel Sainz brachte ihn um alle Chancen.

Was war passiert? Norris erwischte von Startplatz fünf einen tollen Start und quetschte sich außen vor der ersten Kurve an Sainz vorbei. Dabei kam es allerdings zur Berührung zwischen beiden, die in einem Plattfuß bei Norris endete.

Norris vermisste Respekt

Der 22-Jährige fiel am Tag nach seinem starken Geburtstagssprint bis ans Ende des Feldes zurück, hatte kurz darauf aber auch Glück, dass er durch die frühe Safety-Car-Phase wieder den Anschluss an das Feld schaffte. Über die Schuldfrage bei der Situation am Start waren sich Sainz und Norris nicht einig, schoben aber auch nicht dem jeweils anderen die Verantwortung zu.

"Ich weiß nicht, ob ich zu früh rübergezogen bin oder er mir zu wenig Platz gelassen hat", rätselt Norris. Allerdings habe er sich schon etwas mehr Platz gewünscht, was aber wohl auch daran lag, dass Norris freiwillig den Weg außen an der Streckenmauer entlang wählte. "Man muss sich gegenseitig respektieren, oder nicht?", sagt Norris.

Er wisse nicht, "was ich anders hätte machen können", sagt er weiter. "Es gab eine Lücke, ich hatte einen viel besseren Start und ich kann einfach nicht die ganze Zeit in meine Spiegel schauen. Ich habe auch nicht wirklich gesehen, wo ich bin. Also habe ich mich in der bestmöglichen Position platziert. Ich will keinen Unfall bauen. Ich dachte, ich habe Raum gelassen, aber offenbar war es nicht genug", schildert Norris.

Norris: Kann ihn ja nicht einfach vorbeiwinken

Er gibt zu, dass seine Linie durchaus gewagt war. "Zwei Räder waren neben der Strecke, aber ich war immer noch auf der Piste", erklärt er. Das Manöver sei auch das Resultat dessen gewesen, dass McLaren auf Ferrari aufholen musste. "Es war unsere Chance, vor den Ferraris zu landen. Sie hatten die bessere Pace am gesamten Wochenende, aber wenn ich es versuchen will, kann ich ihn ja nicht einfach vorbeiwinken", so Norris.

Auch für Sainz war der Fall alles andere als klar. "Es ist ein sehr fließender Übergang, wer in wen reinfährt. Ich weiß es nicht. Ich habe nichts bewusst gegen ihn gemacht, für mich hat es sich so angefühlt, als hätte er etwas zu früh in Kurve 1 eingelenkt und wir haben uns dann verkeilt", berichtet er.

Er ergänzt: "Es war ein Rennunfall und solche Dinge passieren. Es tut mir leid, falls ich etwas falsch gemacht habe, aber ich denke ehrlich gesagt nicht, dass ich das habe", sagt Sainz.

Mieser Start: Sainz hat keine Idee

McLaren-Teamchef Andreas Seidl pflichtet seinem ehemaligen Fahrer bei und spricht ebenfalls von einem Rennunfall. "Lando musste irgendwo hin, außen ist es sehr eng. Ich denke, ihm ist einfach der Platz ausgegangen und dann hat er unglücklicherweise den Frontflügel von Carlos getroffen", sagt Seidl.

Allerdings wäre es zu der Situation wohl gar nicht erst gekommen, wenn beim Spanier der Start nicht so schlecht gewesen wäre. Was im Sprint am Samstag auf den Softs noch optimal funktionierte, klappte im Rennen auf den Mediums kaum noch. Sainz hat keine Erklärung für den miesen Start.

"Ich war schon ziemlich verwirrt. Ich habe das Prozedere genau getroffen und habe genau dasselbe wie Samstag getan. Und ich habe genau das getan, was ich tun musste. Deshalb war ich auch schon erleichtert. Denn im Laufe des Jahres lag es meistens an mir, dass ich das Prozedere nicht erwischt habe", erklärt der 27-Jährige.

Ferrari baut Vorsprung aus

Im Rennen aber hatte er mit durchdrehenden Rädern zu kämpfen, obwohl er seiner Meinung nach alles richtig gemacht hat. Der Grip sei einfach nicht so wie erwartet gewesen, auch die Kupplung habe nicht wie erwartet gegriffen. "Ich bin aber lieber verwirrt, als dass ich es negativ sehe", sagt Sainz.

Zwar musste Sainz in Kurve 4 auch noch seinen Teamkollegen Charles Leclerc ziehen lassen, doch mit Platz sechs hinter dem Monegassen sicherte er Ferrari das Maximum an realistischen Punkten. Norris hingegen zeigte nach dem Desaster am Start angriffslustig und fuhr noch bis auf Rang zehn nach vorne. Immerhin ein Punkt, der aber wohl nicht mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein war.

"Ein Punkt ist besser als nichts, zweimal in Folge einen Punkt zählt auch. Aber wenn Ferrari so punktet wie hier, dann hilft es uns nicht weiter", gibt Norris zu. Beide Teams trennen inzwischen 31,5 Punkte.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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