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Stefano Domenicali: "Das Reglement muss definitiv verbessert werden!"

Die Kritik am Formel-1-Reglement ist bei Stefano Domenicali angekommen: Er ist zuversichtlich für notwendige Anpassungen, sieht aber keine großen Probleme

Stefano Domenicali betont: "Nehme die Kritik ernst", aber ...

Formel-1-Boss Stefano Domenicali sieht die Lage der Serie nicht so kritisch

Foto: Getty Getty

Formel-1-Boss Stefano Domenicali ist zuversichtlich, dass der Sport die notwendigen Anpassungen vornehmen wird, um das Reglement für 2026 zu verbessern. Er betont jedoch auch, dass die Formel 1 das richtige Fundament besitze, um die neuen Regeln zum Erfolg zu führen, und verweist auf Fan-Analysen, wonach das Interesse am Sport auf einem Allzeithoch liege.

"Ich sehe ein unglaubliches Ergebnis in Bezug auf die positiven Rückmeldungen der breiten Fangemeinde darüber, wie sich das auf das Racing auswirkt", sagt Domenicali in einem Exklusivinterview mit der globalen Sprachausgabe von Motorsport.com über das neue Reglement.

Gleichzeitig betont er aber auch, dass er sich der Schwächen der neuen Regeln bewusst sei. Vor allem das Energiemanagement, das im Qualifying dazu führt, dass Fahrer früher vom Gas gehen müssen, anstatt Vollgas zu fahren, wird von vielen kritisiert: "Definitiv nehme ich die Kritik an bestimmten Situationen ernst, die wir bewältigen müssen - vor allem bezogen auf das Qualifying", sagt er.

"Das Qualifying war schon immer der Ort, an dem ein Fahrer so hart wie möglich pushen muss, um zu sehen, wo die physischen Grenzen des Autos und des Fahrers wirklich liegen. Das ist ein Bereich, an dem wir in diesen Wochen gemeinsam mit den Fahrern und Teams unter Koordination der FIA arbeiten, um die richtige Anpassung zu finden, ohne dabei die generelle Richtung zu verlieren."

"Wir gehen das besonnen an, ohne Panik, auf einem soliden Fundament und bereit, verschiedene Optionen zu prüfen", so Domenicali.

Die Formel-1-Stakeholder - darunter die Teams, der Dachverband FIA und Vertreter der Motorenhersteller - halten derzeit eine Reihe von Sitzungen ab, um kurzfristige Regelanpassungen zu erarbeiten. Diese könnten bereits beim Großen Preis von Miami im nächsten Monat die größten Bedenken ausräumen.

"Reglement muss definitiv verbessert werden"

Der größte Reglementswechsel seit Generationen wurde durch die Notwendigkeit vorangetrieben, bestehende Hersteller zu halten und Neueinsteiger anzulocken. Unternehmen wie Audi, Ford und General Motors engagieren sich in unterschiedlichem Maße, während Honda seine ursprüngliche Entscheidung zum Ausstieg revidierte.

Da Renault sich kürzlich als Motorenhersteller zurückgezogen hat, gab es Befürchtungen, dass ohne Berücksichtigung der Branchenwünsche nur noch Ferrari und Mercedes an Bord geblieben wären.

"Ich denke, es ist sehr wichtig, sich daran zu erinnern, warum wir als Ökosystem das Reglement geändert haben", erklärt Domenicali. "Vor fünf Jahren dachten die Hersteller, dass der einzige Weg für ein Engagement im Motorsport eine 50-50-Aufteilung oder die richtige Balance zwischen Verbrennungsmotor und Elektrifizierung sei. Das war der Ausgangspunkt."

"Das Reglement muss definitiv verbessert werden, wie immer, wenn etwas völlig neu ist - zumal dieser Entwicklungsschritt noch nie so groß war. Aber das war der Grund dafür", sagt der Italiener.

Inzwischen hat die Automobilindustrie im Allgemeinen begonnen, ihre aggressive Kehrtwende hin zu Elektrofahrzeugen neu zu bewerten. Domenicali erwartet daher, dass die kommenden Diskussionen über den nächsten Regelzyklus in fünf Jahren "definitiv anders" aussehen werden. Der Durchbruch nachhaltiger Kraftstoffe könnte die Tür für eine Rückkehr zu V8-Motoren mit einer kleineren Hybridkomponente öffnen.

In der Zwischenzeit legt die Formel 1 Wert darauf, die Investitionen der aktuellen Hersteller zu respektieren, während sie gleichzeitig die DNA der Serie schützt und ein Gleichgewicht findet: Die vielfältigen Fangruppen sollen begeistert bleiben und die Fahrer müssen hinter dem Projekt stehen.

Umfragen sagen: Formel 1 ist großartig!

Während ein Teil der Fans die Regeln lautstark kritisiert - teils beeinflusst durch negatives Feedback der Fahrer -, verzeichnen die eigenen Kennzahlen der Formel 1 ein steigendes Interesse. Die ersten drei ausverkauften Rennen der Saison 2026 in Australien, China und Japan verzeichneten allesamt steigende Zuschauerzahlen vor Ort.

Zudem gibt die Formel 1 an, dass die TV-Einschaltquoten in ihren wichtigsten Märkten im Jahresvergleich um durchschnittlich 25 Prozent gestiegen sind.

"Wenn ich mir die Umfragen weltweit unter den neuen Fans der Formel 1 ansehe, ist das Ergebnis großartig. Jeder sagt: 'Was ist da los?' Viel Action - und genau das wollen die Leute sehen", sagt Domenicali.

Deshalb plädiert der Italiener für einen ruhigen, konstruktiven Dialog darüber, wie das Produkt Formel 1 verbessert werden kann. Menschen, die die Formel 1 nur um der Kritik willen kritisieren, würden seiner Meinung nach "null Wirkung" erzielen.

"Allgemein gesagt ist es toll, wenn wir über etwas diskutieren, denn das erzeugt eine konstruktive Debatte", sagte er. "Was ich nicht mag, sind Leute, die es lieben zu kritisieren. Kritisieren um des Kritisierens willen hilft niemandem und hat wirklich null Effekt."

"Ich denke, die Diskussionen, die seit vielen Monaten mit der FIA, den Teams und jetzt verstärkt mit den Fahrern laufen, gehen in die richtige Richtung. Es gibt Sitzungen in dieser und in der nächsten Woche vor Miami, um zu sehen, was zur Verbesserung oder Anpassung der Situation getan werden kann."

"Hoffentlich wird die FIA noch vor Miami darüber informieren, welche Anpassungen vorgenommen werden. Dabei geht es um zwei Aspekte: Erstens das Qualifying, um sicherzustellen, dass man so viel wie möglich mit voller Leistung oder vollem Bremseinsatz fahren kann. Und andererseits natürlich, um sicherzustellen, dass bestimmte Bedenken der Fahrer auf die richtige Weise behoben werden."

Domenicali: In den 80ern hat auch keiner gemeckert!

Domenicali betrachtet die durch die Batterie bedingte Zunahme an Überholvorgängen nicht als künstlich. Er zieht Parallelen zum extremen Rollenlassen in der Turbo-Ära der 80er-Jahre, als Fahrer darum kämpften, das Ziel zu erreichen, ohne dass ihnen der Kraftstoff ausging.

Zudem nutzte die Formel 1 bis zum letzten Jahr das DRS als Überholhilfe, das anfangs als künstlich galt, der Serie aber half, die Action zu beleben, während die Autos sonst Schwierigkeiten hatten, einander dicht zu folgen.

"Was ist künstlich? Überholen ist Überholen", betont er. "Die Leute haben ein kurzes Gedächtnis, denn in der Turbo-Ära der 80er-Jahre musste man im Rennen sparen, weil sonst der Tank zu klein war. Das gehört zum Spiel dazu. Wie ich schon sagte: Man muss alles aufnehmen, aber eine klare Richtung haben, wohin man in der Zukunft will."

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