Stefano Domenicali reagiert auf Kritik von Max Verstappen
Formel-1-Boss Stefano Domenicali verrät, dass seine Gespräche mit Max Verstappen über die neuen Regeln in der Königsklasse "sehr offen" verlaufen seien
Max Verstappen und Formel-1-Boss Stefano Domenicali
Foto: NurPhoto NurPhoto
Nach den ersten drei Rennwochenenden unter dem neuen Formel-1-Reglement bietet die April-Pause der FIA und der Formel 1 einige Wochen zur Reflexion. Am 20. April werden sich die Teamchefs treffen, um mögliche Anpassungen zu besprechen, die in technischen Diskussionen aufgeworfen wurden, einschließlich einer Expertenrunde am vergangenen Donnerstag.
Die möglichen Änderungen betreffen hauptsächlich das Energiemanagement, um die teils gefährlichen Geschwindigkeitsunterschiede zu entschärfen und das Qualifying wieder stärker zu einem echten Kräftemessen zu machen.
Abgesehen davon betont Formel-1-Boss Stefano Domenicali, dass die Kennzahlen bisher weitgehend positiv seien - einschließlich der Zuschauerzahlen vor Ort und der TV-Einschaltquoten der ersten drei Grands Prix.
Gleichzeitig haben Puristen und mehrere Formel-1-Fahrer Kritik geäußert, vor allem wegen des häufig notwendigen "Lift-and-Coast" und des "Superclipping" bei den energieärmeren Autos. Domenicali möchte dieses Feedback konstruktiv aufgreifen, ruft die Fahrer jedoch dazu auf, das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.
"Meine Gespräche mit ihnen sind definitiv sehr offen, und sie wissen, dass mir ihre Meinung wichtig ist. Ich möchte, dass sie eingebunden sind", verrät Domenicali in einem exklusiven Interview mit Autosport, einer Schwesterpublikation von Motorsport-Total.com im Motorsport Network.
"Aber natürlich gibt es manchmal eine Art Spiel zwischen den Fahrern. Wenn man mit den Fahrern an der Spitze spricht, sind sie immer sehr glücklich, weil sie gewinnen. Die anderen können frustriert sein, auch weil sie eine andere Art des Racings bevorzugen, was ich sehr respektiere", betont er.
Er stellt jedoch auch klar, dass der Respekt gegenüber dem Sport als Ganzem wichtig ist und die Fahrer nicht vergessen sollten, auf welcher Plattform sie ihre Karrieren aufbauen konnten. "Ich habe ihnen gesagt: Hört zu, Leute, vergesst nicht, dass wir heute hier sind, weil wir gemeinsam die richtigen Entscheidungen getroffen haben."
"Also zeigt Respekt für einen Sport, der uns allen unglaubliche Möglichkeiten gegeben hat: zu wachsen, viel Geld zu verdienen und eine Persönlichkeit in der Welt zu entwickeln, wie es andere Sportarten vielleicht nicht bieten können. Ich denke, das habe ich ihnen klar gemacht, und ich glaube, sie haben das anerkannt."
Warum Max Verstappens Worte "Gewicht" haben
Wenn Domenicali erwähnt, dass einige Fahrer vielleicht über Alternativen zur Königsklasse nachdenken, fällt der Blick unweigerlich auf Max Verstappen und seine zunehmenden GT3-Einsätze.
Er erklärt, dass seine jüngsten Gespräche mit Verstappen allesamt konstruktiv verlaufen seien, einschließlich einiger Vorschläge, die der Niederländer in dieser Woche eingebracht habe. Dennoch müsse der viermalige Weltmeister, wie alle Fahrer auch, verstehen, dass öffentliche Aussagen eine Wirkung haben können.
"Ich habe mit Max seit Beginn viele, viele Gespräche geführt. Ich verstehe seine Kommentare, und er versteht das große Ganze. Auch heute war er in einem Meeting sehr engagiert und hat Vorschläge gemacht. Ich möchte nicht in die Falle tappen, daraus einen Konflikt zu machen. Das ist nicht mein Stil, und das wollen wir auch nicht sehen."
"Wir machen es also gemeinsam. Er ist der beste Fahrer, ein mehrmaliger Weltmeister, und natürlich muss seine Stimme gehört werden. Aber er weiß auch, dass seine Stimme Gewicht hat. Und er muss dieses Gewicht respektieren, denn manchmal können Menschen Dinge falsch interpretieren. Das dürfen wir nicht zulassen", betont Domenicali.
Das Gras ist nicht immer grüner in anderen Rennserien
Darüber hinaus glaubt der Formel-1-Boss, dass die langfristige Perspektive anderswo nicht unbedingt besser ist - insbesondere angesichts des laufenden Dialogs mit allen Fahrern, auch mit Verstappen.
"In Italien sagt man, dass das Gras des Nachbarn grüner ist. Und manchmal, wenn man auf die andere Seite geht, merkt man: Oh mein Gott, das stimmt gar nicht. Also - Respekt für das, was wir gemeinsam erreicht haben, aber gleichzeitig Offenheit für jede Art von Feedback, das wir austauschen, ohne taktische Spielchen, denen man manchmal verfällt."
Abgesehen von den Zahlen findet Domenicali persönlich, dass die Rennen bisher sehr unterhaltsam waren, obwohl sowohl er als auch die FIA im Interesse des Sports offen für Verbesserungen des Gesamtprodukts sind, besonders an den Samstagen.
Wichtig sei dabei ein konstruktiver Ansatz, bei dem der Formel-1-Boss die Meinung der Fahrer achtet, diese aber auch das größere Ganze im Blick behalten sollen. "Ich finde, das Racing ist sehr, sehr gut. Und je mehr wir miteinander reden, desto besser ist es für den Sport", glaubt er.
"Denn die Fahrer sind - und das sage ich als jemand, der älter ist, aber nicht vergisst, was er sagt - das Juwel unseres Sports. Also müssen wir dieses Juwel schützen, genauso wie sie das gesamte Ökosystem schützen müssen, in dem sie sich bewegen", erklärt er.
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