"Strafrunde" für Carlos Sainz: Das kuriose Urteil erklärt!
Carlos Sainz erhielt in Silverstone eine äußerst seltene Strafrunde: Auslöser war eine Besonderheit der Strecke - und zwei folgenschwere Fehler von Williams
Carlos Sainz im Williams FW48 in der Boxengasse in Silverstone 2026
Foto: LAT Images
Weil Williams-Fahrer Carlos Sainz beim Grand Prix von Großbritannien 2026 in Silverstone das Safety-Car überholte, verhängten die Sportkommissare des Automobil-Weltverbands (FIA) eine ungewöhnliche Strafe: eine Strafrunde.
Doch wie kam es zum Regelverstoß von Sainz und wie fällten die Sportkommissare ihr Urteil? Der Urteilsbericht gibt Aufschluss. Darin verweisen die Sportkommissare vor allem auf die "besondere Strecken- und Boxengassen-Konfiguration in Silverstone". Denn wer zum Reifenwechsel abbiegt, "spart" sich die Vale-Schikane und damit einiges an Zeit. Der überrundete Sainz befand sich dadurch unbeabsichtigt kurzfristig wieder in der Führungsrunde.
Die Sportkommissare schreiben wörtlich: "Obwohl [Sainz] beim Einfahren in die Boxengasse an der Safety-Car-Linie 1 überrundet war, hatte er sich [...] vorübergehend zurückgerundet."
Carlos Sainz: Überrundet und doch nicht überrundet
Das Sportliche Reglement der Formel 1 beschreibt in Artikel B5.13.4 c), dass nicht die Safety-Car-Linie 1 für die Ermittlung der Situation herangezogen wird, sondern die Ziellinie. Diese hatte Sainz aufgrund der speziellen Umstände in Silverstone nicht als Überrundeter, sondern in der Führungsrunde überquert.
Der Regelverstoß ereignete sich im Anschluss an den Boxenstopp: Weil Sainz per Reglement als "nicht überrundet" galt, hätte er nicht am Safety-Car vorbeifahren dürfen, als die Rennleitung die entsprechende Mitteilung ("Überrundete Fahrzeuge dürfen nun das Safety-Car überholen") herausgab. Er tat es dennoch.
Das Kuriose daran: Auf der Rennstrecke lag Sainz nach seinem Boxenstopp tatsächlich wieder eine Runde zurück. Doch das war per Artikel B5.13.4 c) nicht entscheidend für die Frage, ob Sainz das Safety-Car überholen durfte, denn maßgeblich war einzig die Situation beim Überqueren der Ziellinie.
Williams räumt zwei Fehler ein
Sainz' Williams-Team kam bei seiner Einschätzung der Situation offenbar durcheinander und hat sich laut den Sportkommissaren gleich "zwei Fehler" geleistet. Diese habe das Team bei der Anhörung eingeräumt.
Die Sportkommissare schreiben: "Erstens habe man nicht erkannt, dass [Sainz] zum maßgeblichen Zeitpunkt gemäß Artikel B5.13.4 c) kein überrundetes Fahrzeug war. Zweitens habe man übersehen, dass [Sainz] in der Mitteilung der Rennleitung, in der die zum Überholen des Safety-Cars berechtigten Fahrzeuge aufgeführt waren, nicht genannt wurde."
Williams habe erst bei der Anhörung verstanden und akzeptiert, "dass das Team versehentlich eine Runde zurückgewonnen hatte, obwohl dazu keine Berechtigung bestand". Die Sportkommissare wiederum zeigten "Verständnis, dass diese Abfolge von Ereignissen zur Verwirrung des Teams beigetragen haben könnte".
Wie die Sportkommissare das Ergebnis korrigierten
Sainz hatte also eine Runde gewonnen, die er nicht gewinnen durfte. Deshalb hielten die Sportkommissare eine Strafrunde für "die angemessenste Strafe unter den gegebenen Umständen". Dieses Vorgehen ist von Artikel 12.4.1.i im Internationalen Sportkodex der FIA gedeckt. Und das bedeutet: Sainz wurde die "gewonnene" Runde nachträglich wieder abgezogen.
Das bedeutete für Sainz am Ende den 17. Platz - hinter Cadillac-Fahrer Valtteri Bottas, der als letztes Fahrzeug in der Führungsrunde gewertet wurde.
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