Horner fürchtet: Gehaltskürzung oder Entlassung als einzige Möglichkeit

Christian Horner findet, dass die Mitarbeiter nicht den Preis für die Budgetgrenze zahlen sollten - Gibt es zusätzliches Geld von Liberty Media aus eigenem Topf?

Horner fürchtet: Gehaltskürzung oder Entlassung als einzige Möglichkeit
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Die Budgetgrenze bleibt weiter ein Streitthema in der Formel 1. Die Topteams sind bei den kalkulierten Kosten für die restliche Saison schon jetzt über dem erlaubten Maximum und werden diese Grenze daher sehr wahrscheinlich sprengen. Sie hoffen auf Zugeständnisse, die aber vor allem die kleineren Teams natürlich nicht geben wollen.

"Ich glaube, die ersten vier Teams sind alle bereits über dem Cost-Cap", hatte Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko in Kanada bei 'Sky' gesagt. Das liege vor allem an der hohen Inflationsrate und den steigenden Transportkosten, die durch den Ukraine-Krieg noch einmal weitergetrieben worden sind und für die Teams nicht einzukalkulieren waren.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner fürchtet, dass es am Ende wieder die kleinen Mitarbeiter in den Teams treffen könnte. Sie zu entlassen oder ihr Gehalt zu senken, könnte für die Teams die einzige Möglichkeit sein, Kosten einzusparen, was Horner aber als katastrophal bezeichnet.

"Ich finde, es wäre eine Katastrophe für die Formel 1, wenn die Menschen einen Schlag für etwas einstecken müssten, das außerhalb ihrer Kontrolle liegt", sagt er. "Ich denke, dass es hier auch eine moralische Frage gibt, mit der man sich auseinandersetzen muss."

Horner: Nicht nur ein Thema für Red Bull

Horner betont, dass das nicht alleine ein Red-Bull-Thema sei, sondern auch die anderen Topteams und selbst Rennställe im Mittelfeld betrifft: "Wir haben nicht die größten Probleme", sagt er. "Ich glaube, Mercedes hat noch mehr Angestellte mit höheren Gehältern als wir. Und auch Ferrari ist ein weiteres großes Team mit hohen Kosten."

"Aber wenn man dann hört, dass auch das Mittelfeld über die Grenze kommen könnte, obwohl sie die Grenze eigentlich noch niedriger haben wollten, dann zeigt das schon etwas", so der Brite.

Aussagen, die Teams können ja einfach mit ihrer Entwicklung aufhören, um Kosten zu sparen, hält er für fehl am Platz: "Die Entwicklung ist nicht der größte Kostentreiber. Darum geht es nicht", betont er. "Es sind einfach die Fixkosten für den Rennsport mit Fracht, Energie, Versorgungsunternehmen und der Lieferung von Komponenten. Sie sind einfach steil angestiegen."

Bei Red Bull geht man davon aus, dass es noch eine Erhöhung der Budgetgrenze geben wird, die in diesem Jahr bei 140 Millionen US-Dollar festgesetzt ist. "Wir alle hoffen, dass wir mit dieser Erhöhung wieder im Grünen Bereich sein werden", sagt Marko.

Kompromiss aus Liberty-Geldtopf?

Und tatsächlich scheint sich ein Kompromiss anzubahnen: Wie 'auto motor und sport' berichtet, soll Rechteinhaber Liberty Media allen Teams zusätzliches Geld zum Ausgeben geben, das nicht zur Budgetgrenze zählt. Die genaue Summe ist noch nicht bekannt, soll sich aber im Bereich von drei bis vier Millionen Dollar bewegen.

Diesen Betrag würde Liberty Media aber aus dem Gesamttopf herausnehmen, was die Spitzenteams härter als die kleineren Teams trifft, da die Teams einen größeren Anteil davon bekommen, je erfolgreicher sie sind. Damit könnten wohl auch die kleinen Teams leben, die nicht an die Budgetgrenze herankommen.

Noch ist der Plan der FIA aber nicht bei Formel-1-Boss Stefano Domenicali auf dem Tisch, und noch ist auch nicht geklärt, wie sehr das den großen Teams bei der Einhaltung der Budgetgrenze hilft, und was passiert, wenn die Teams die Grenze doch durchbrechen.

"Brauchen klare Richtlinien!"

Zwar gibt es im Finanziellen Reglement einige mögliche Sanktionen, die sind aber recht schwammig formuliert: "Das Problem ist, dass das Strafsystem für die ersten fünf Prozent Überziehung vom Klaps auf die Hand bis zur Disqualifikation geht", sagt Horner. "Du weißt einfach nicht, wo du stehst." Auch Marko hofft: "Wir brauchen jetzt erst einmal klare Richtlinien!"

Teamchef Horner hofft derweil, dass die Regelhüter in Sachen Budgetgrenze "gesunden Menschenverstand" walten lassen. "Die Situation könnte noch schlimmer werden", sagt er und hält die festgelegte Budgetgrenze nicht gerade für sinnvoll.

"Wir sehen, dass die Einnahmen durch die Verträge, die die Formel 1 abschließt, deutlich steigen", sagt er. "Selbst das letzte Team in der Meisterschaft deckt mehr als 50 Prozent seiner Kosten durch Einnahmen aus dem Sport. Also ist es kein Geldproblem. Es ist ein reines Problem der Budgetgrenzen-Regel."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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