Streit um Mercedes-Motor: Williams-Teamchef James Vowles bezieht Stellung
Der Mercedes-Motor reize laut Williams-Teamchef James Vowles zwar die Grenzen aus, sei aber nicht illegal - Die DNA der Formel 1 dürfe nicht in Richtung BoP kippen
Williams-Teamchef James Vowles warnt vor voreiligen Handlungen
Foto: LAT Images
Zu Beginn der Testfahrten in Bahrain (alle Informationen im Überblick) dominiert nur ein Thema: das Verdichtungsverhältnis bei Mercedes. Zwar hält der neue Antrieb bei statischen Prüfungen den Grenzwert von 16:1 ein, doch unter realen Einsatzbedingungen kann offenbar ein höheres Verhältnis erzielt werden.
Audi, Ferrari und Honda haben die FIA in einem gemeinsamen Schreiben bereits um Klarstellung gebeten. Red Bull soll eine differenziertere Haltung einnehmen, als zunächst vermutet. Nun steht der Weltverband vor einer heiklen Entscheidung: Sollen die Messmethoden angepasst werden - und falls ja, mit welchem zeitlichen Vorlauf?
Ein erster formaler Schritt wäre die notwendige Supermehrheit im Power Unit Advisory Committee, also eine Zustimmung von vier der fünf Motorenhersteller sowie FIA und Formel 1. Williams-Teamchef James Vowles macht jedoch unmissverständlich klar, dass er ein solches Eingreifen als fundamentalen Widerspruch zur DNA der Formel 1 sieht.
"Meine harte Linie dazu ist: Der Antrieb, den wir im Auto haben, entspricht vollständig den Vorschriften", betont der erfahrene Brite gegenüber einigen Medien in Bahrain, darunter auch Motorsport.com, eine Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network.
Williams-Teamchef hofft, dass die Vernunft siegt
"Es ist nicht ein Monat Arbeit, sondern mehrere Jahre, um die Einheit auf dieses Niveau zu bringen. Wir als Sport müssen darauf achten, dass dies nicht zu einer BoP-Serie wird. Hier geht es um Meritokratie: Das beste technische Ergebnis wird belohnt, nicht bestraft."
"Ich bin sicher, dass andere Teams sauer sind", meint Vowles. "Sie konnten nicht erreichen, was Mercedes geschafft hat. Aber wir müssen vorsichtig sein. Im Moment glaube ich nicht, dass jemand in der Boxengasse genau sagen kann, welcher Motor der beste ist, und wir konzentrieren uns nur auf ein Detail davon."
"Meine Hoffnung ist, dass Vernunft siegt und dass wir als Sport anerkennen, dass wir hier sind, um eine Meritokratie zu sein, in der die beste Ingenieurslösung belohnt wird. Deshalb sind wir jetzt da, wo wir sind, aber ich betone: Unser Motor entspricht vollständig allen Vorschriften."
Interpretation der Regeln macht Mercedes aus
Vowles betonte, dass er gerade deshalb - weil Mercedes die absolute Grenze ausreizt - entschlossen war, einen Mercedes-Motor in seinen Williams-Boliden zu haben. "Ich bin seit über 23 Jahren bei Mercedes, je nachdem, welches Jahr man nehmen will, aber praktisch von Beginn meiner Karriere an bin ich ein Teil davon."
"An dem Tag, als ich diesem Team beitrat, habe ich das Mercedes-Abkommen bei Williams genau aus diesem Grund erneuert - weil sie unglaublich gut darin sind, Regeländerungen zu interpretieren, die Regeln genau so zu lesen, wie sie geschrieben sind, und die Grenzen der Technik auszureizen. Genau das repräsentiert der Motor derzeit für Mercedes."
Der Williams-Teamchef fügte hinzu, dass eine Anpassung der Messmethoden leichter gesagt als getan sei. "Zunächst einmal müssen sie eine Vorschrift erarbeiten - viel Glück dabei - in der die Motoren unter den Bedingungen getestet werden, unter denen sie auf der Strecke laufen sollen."
"Wer sich mit Verdichtungsverhältnissen auskennt, selbst bei eigenen Autos, möchte das in der Regel bei Umgebungsbedingungen tun", sagt Vowles. "Ich bin sicher, sie finden eine Testmethode, aber das nächste Problem sind zwei weitere Punkte."
"Erstens: Sind wir dann noch mit zukünftigen Regeländerungen konform? Das weiß im Moment niemand genau. Zweitens: Was passiert, wenn man die Regeln effektiv ändert? Das bedeutet nun, dass, wenn wir damit nicht legal sind, acht Autos nicht am Start sind."
James Vowles lobt: FIA macht einen guten Job
"Und genau das meinte ich, als ich sagte, dass wir als Sport wirklich darüber nachdenken müssen, welche Konsequenzen diese Änderung hätte", mahnt der Brite, der zugleich einräumt, dass die FIA nie alle Teams zufriedenstellen könne und die Regulierung des Sports eine schwierige Aufgabe sei, besonders zu Beginn eines neuen Reglementzyklus.
"Um die FIA zu verteidigen: Sie hat einen harten Job. Die Teams sind voll von tausend Leuten, die überlegen, wie wir die Regeln clever interpretieren können. Um es klar zu sagen: Genau das machen die Teams, und genau das lieben wir am Sport."
Eine große Herausforderung für die FIA: "Da stehen 20 Leute gegen 10.000 auf der Strecke. Vielleicht sind es nicht ganz so viele, aber man versteht, worauf ich hinauswill", ergänzt der Williams-Teamchef. "Die FIA macht im Allgemeinen einen sehr guten Job darin, die Grenze zwischen cleverer Interpretation und Regelkonformität zu finden."
"Ich sage hier nur, dass wir darauf achten müssen, dass die Entscheidungen nicht politisch von Teams getrieben werden, die selbst keine cleveren Innovationen hatten", schließt Vowles ab. "Die Aufgabe der FIA ist es, in all dem die richtige Linie zu verfolgen."
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