Teamchef Seidl: McLaren-Updates bringen "guten Zugewinn"

Wie McLaren-Teamchef Andreas Seidl die jüngsten Neuteile am MCL36 einschätzt und wo sein Team in der restlichen Formel-1-Saison 2022 noch aufholen muss

Teamchef Seidl: McLaren-Updates bringen "guten Zugewinn"
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Wieder einmal hat McLaren mit Lando Norris das realistische Maximum erreicht. Beim Ungarn-Grand-Prix auf dem Hungaroring bei Budapest belegte der Brite im McLaren MCL36 im Rennen den siebten Platz als bester Verfolger von Ferrari, Mercedes und Red Bull, hatte im Qualifying sogar P4 herausgefahren. Diese Leistung und die jüngsten Updates am Auto sind für Teamchef Andreas Seidl ausdrücklich "ermutigend".

Denn McLaren hat schwierige Wochen hinter sich: Zuletzt hat das Traditionsteam in Monaco besser gepunktet als Alpine, das dann fünf Rennen in Folge mehr Zählbares geholt hat und in der Konstrukteurswertung vorbeigezogen ist. Der Grand Prix in Ungarn wiederum endete im "Gleichstand" mit jeweils sechs Punkten.

Seidl macht das auch an den Updates fest, die McLaren seit Le Castellet am MCL36 einsetzt. "Die haben sofort angeschlagen", sagt der Teamchef nicht ohne Stolz. "Das hat uns einen guten Leistungszugewinn beschwert. Und das ist der Schlüssel für weitere Fortschritte."

McLaren-Fortschritt seit Le Castellet ist real

Eben solche seien McLaren nach Le Castellet auch in Budapest gelungen. "Das hat uns geholfen, dort konkurrenzfähig zu sein", meint Seidl. Er gibt sich aber keinen Illusionen hin, sondern nimmt eine betont "realistische Perspektive" ein. "Das bedeutet: Es gibt noch immer eine große Lücke zu den Teams vor uns. Das ist uns klar."

Allerdings sei der geringe Rückstand von Norris im Qualifying mit 0,392 Sekunden auf die Bestzeit ausdrücklich positiv zu werten. "So muss es weitergehen", sagt Seidl. "Zumal ich davon überzeugt bin, dass noch mehr Potenzial im Auto steckt. Wir haben also alles, was wir brauchen, um weiter im Kampf um Platz vier mit dem sehr starken Alpine-Team zu bestehen."

Kann McLaren dieses Jahr noch überraschen?

Aber geht vielleicht noch mehr? Mercedes zum Beispiel hat in Ungarn eine Überraschungspole erzielt. Ob auch McLaren bis zum Saisonende eine solche Überraschung landen könnte?

"Schwierig zu sagen", meint Teamchef Seidl. "Andererseits ist dieses Auto noch immer sehr jung. Deshalb glaube ich: Es ist immer noch möglich, größere Schritte zu machen. Wir haben es gesehen: In Barcelona und Le Castellet haben wir mit unseren Upgrades jedes Mal einen ordentlichen Schritt nach vorne gemacht. Da würde ich jetzt gar nichts ausschließen."

¿pbfsfs_6251|Fotostrecke: Formel-1-Technik: Detailfotos beim Ungarn-Grand-Prix 2022|http://www.motorsport-total.com/bilder/strecken/2022f1technikungarn/1659122778_mst.jpgpb¿Man müsse aber auch den Realitäten ins Auge schauen: Unter der Budgetobergrenze, mit begrenzt Zeit im Windkanal und bei Ressourcen-Aufteilung auf das aktuelle und das nächstjährige Projekt bleibe nicht viel Spielraum. Zumal "irgendwann" die volle Konzentration auf das 2023er-Fahrzeug erfolgen müsse. "Wann, das entscheiden wir nach der Sommerpause", sagt Seidl.

"Bis dahin ist mir wichtig, dass wir weiter vorankommen. Nur so kommen wir näher ran, in diesem Jahr und 2023."

Die Hauptbaustelle bei McLaren in diesem Jahr

Und das heißt konkret, den Rückstand auf die Topteams weiter zu verkürzen. Laut Seidl sei das Abtriebsniveau des MCL36 hier die Hauptbaustelle. "Mit dem Grip, den die Reifen über eine schnelle Runde entwickeln, kannst du ziemlich viel kaschieren, aber über die Renndistanz frisst der fehlende Abtrieb die Reifen auf. So kommen die großen Abstände zusammen", erklärt er.

"Im Vergleich zu Alpine aber waren wir in Ungarn gut aufgestellt, besser als in [Le Castellet]. Es ist uns nämlich gelungen, unser Paket weiter zu optimieren. Und so muss es weitergehen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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