Formel-1-Technik mit Giorgio Piola

Formel-1-Technik: Mit diesen Neuerungen greift Ferrari Mercedes an

Technik-Analyse Melbourne 2018: Ferrari setzt im WM-Kampf auf längeren Radstand, innovative Rückspiegel und einen neuen Frontflügel

Ferrari mag zwar den Grand Prix von Australien gewonnen haben, doch das schnellste Auto in Melbourne, da sind sich die Experten einig, war der Mercedes. Sebastian Vettels Sieg stellt freilich eine hervorragende Basis für die Formel-1-Saison 2018 dar, auch in puncto Weiterentwicklung des SF71H, der sich stark vom Vorgängermodell SF70H unterscheidet.

Einer der gravierendsten Unterschiede ist der Radstand. Ferrari entschied sich beim SF71H für einen ähnlichen Weg wie Mercedes und streckte den Radstand um etwa 10 Zentimeter.

Das gibt den Ingenieuren mehr Freiheiten beim Verteilen der mechanischen Komponenten im Chassis und wirkt sich positiv auf die Gewichtsverteilung aus. Gleichzeitig ermöglicht es dem Team, die erfolgreiche Arbeit des Jahres 2017 im mittleren Bereich des Chassis fortzusetzen.

 

 

 

Das unkonventionelle Seitenkasten-Design war ein einzigartiges Merkmal des SF70H, mit den tief eingeschnittenen und stark nach hinten gezogenen Lufteinlässen.

 

Diese waren und sind stark unterschnitten, weil die Crashstruktur im oberen Bereich der Seitenkästen aus Regelgründen nicht einfach eliminiert werden kann (obwohl das für die Aerodynamik noch besser wäre).

Dieses Konzept ermöglicht es Ferrari, die Kühler nach hinten zu ziehen, das Innenleben zu optimieren und die Oberflächen der Seitenkästen aerodynamisch ideal zu gestalten.

Grundsätzlich handelt es sich dabei um einen ganzheitlichen Ansatz, den Bereich rund um die Seitenkästen zu verbessern. Getrieben werden diese Bemühungen aber von einem primären Faktor: die Seitenkästen von den Verwirbelungen, die durch die Vorderräder verursacht werden, weg zu bekommen.

 

Ferrari SF71H side pods, Australian GP
Ferrari SF71H side pods, Australian GP

Foto Giorgio Piola

 

Ein innovatives Design-Merkmal des SF71H sind die Rückspiegel, die von Ferrari als kleine Flügelprofile genutzt werden. Das Team hat dazu zwei Ebenen geschaffen, die den Luftstrom rund um die Rückspiegel verbessern sollen.

An der Vorderseite der Außenhaut befindet sich ein Loch, durch das man eine Innenhaut erkennen kann. Diese wiederum ist sorgfältig geformt, um den Luftstrom rund um den Spiegel zu optimieren und die Turbulenzen, die sonst in diesem Bereich entstehen, zu minimieren.

Das Design trägt nicht nur dazu bei, dass die Aero-Performance der Rückspiegel isoliert betrachtet besser wird, sondern es hilft auch bei der Steuerung der Luftströme nach hinten, wo diese dann auf weitere Aero-Teile treffen. Etwa die Oberkante der Seitenkästen.

 

Ferrari SF71H and SF70H front wing comparison
Ferrari SF71H and SF70H front wing comparison

Foto Giorgio Piola

 

Auch nach zwei Testwochen in Barcelona konnte Ferrari nicht alle Fragezeichen hinsichtlich des 2018er-Frontflügels eliminieren. Das musste also im Training in Melbourne geschehen. Dementsprechend wurden Vergleichstests zwischen dem neuen und einem alten Frontflügel-Modell aus der Saison 2017 gefahren.

Genauer gesagt handelte es sich dabei um jenes Flügelkonzept, das beim US-Grand-Prix Ende der vergangenen Saison eingeführt wurde. Aber letztendlich hatte Ferrari genug Vertrauen in das neue Design, es auch im Rennen im Albert Park einzusetzen.

 
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Tags ferrari, giorgio piola, sf71h, technik
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