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Technischer Selbstschutz: So verhindern Teams Spionage im Fahrerlager

Tarndesigns haben in der Formel 1 Tradition - und erfüllen bis heute einen konkreten Zweck: Nicht auf einen Blick alle Geheimnisse zu verraten

Tarndesigns in der Formel 1: Mehr als nur ein optischer Gag

Daniel Ricciardo im Red Bull RB11 der Saison 2015 mit Tarndesign

Foto: Getty Images

Vor Saisonbeginn verwenden Formel-1-Teams spezielle Testlackierungen oder Tarndesigns. Diese auffälligen Designs verfolgen einen klaren Zweck: Sie schützen technische Details und verbergen neue Konzepte vor neugierigen Blicken. Das Eigeninteresse der Teams steht hierbei im Vordergrund.

2026 ist das etwas anders: Berichten zufolge schreibt es die Formel 1 den Teams vor, die erste Testwoche im Januar mit einem einfarbigen Design oder mit einem Tarndesign zu bestreiten - sofern vorab nicht bereits eine offizielle Designpräsentation erfolgt ist. (Hier die Präsentationstermine aller Teams einsehen!)

Das würde bedeuten: Mehrere Teams wären beim Auftakt der Wintertests 2026 in Barcelona dazu gezwungen, eine spezielle Interimsfolierung zu verwenden - denn Aston Martin, Cadillac und Williams stellen ihre neuen Farben erst nach der ersten Testwoche vor.

Zu sehen ist von den besonderen Tarndesigns zunächst aber nichts: Die erste Testwoche findet unter Ausschluss von Öffentlichkeit und Medien statt. Die Formel 1 testet die neuen Autos also hinter verschlossenen Türen. Erst ab der zweiten Testwoche im Februar sind Zuschauer und Medienvertreter zugelassen.

Testdesigns gibt es in der Formel 1 schon lange

Testlackierungen haben eine lange Geschichte in der Formel 1: Bereits in den 1960er-Jahren kamen spezielle Designs zum Einsatz, etwa als McLarens ikonisches Papaya-Farbschema zunächst ausschließlich bei Testfahrten verwendet wurde.

Red Bull war später das erste Team, das bei Testfahrten eine echte Tarnlackierung einsetzte. Der Rennstall aus Milton Keynes präsentierte 2015 ein auffälliges Design, um aerodynamische Updates zu verschleiern. Die schwarz-weiße, kantige Optik - nach damaligen Angaben vom Helmdesign Sebastian Vettels inspiriert - orientierte sich an der sogenannten "Dazzle"-Tarnung von Kriegsschiffen im Ersten Weltkrieg.

Bei der "Dazzle"-Tarnung geht es nicht darum, ein Fahrzeug vollständig in seiner Umgebung verschwinden zu lassen, wie bei klassischer militärischer Tarnung. Stattdessen soll das kantige Muster verwirren und es - laut einem Blogeintrag von McLaren - "schwieriger machen, Autos auszuspionieren".

Die geometrischen Muster solcher Lackierungen brechen die glatten Linien und Formen aerodynamischer Flächen auf. Diese Technik wurde im Ersten Weltkrieg vom britischen Marinekünstler Norman Wilkinson entwickelt, um Größe, Geschwindigkeit und Fahrtrichtung von Kriegsschiffen zu verschleiern.

Warum Tarndesigns weiter in Mode sind

In der Formel 1 sorgten diese Muster für Gesprächsstoff im Fahrerlager, als Red Bull seinen RB11 präsentierte. Gleichzeitig halfen sie dem Team, aerodynamische Geheimnisse zu bewahren, da die scharfen Kontraste Details der Karosserie für Beobachter schwerer erkennbar machten. Auch 2018 und 2019 setzte Red Bull auf ähnliche Tarnmuster.

Diese ursprünglich militärische Technik wird ebenfalls von Autoherstellern genutzt, wenn neue Serienmodelle auf öffentlichen Straßen getestet werden. Sie erlaubt es Herstellern und Formel-1-Teams gleichermaßen, Fahrzeuge zu erproben, ohne zentrale Designelemente preiszugeben.

Nicht nur McLaren und Red Bull haben auf diese Methode zurückgegriffen. Auch Alfa Romeo - das künftig als Audi-Werksteam antritt - sowie Williams setzten in den vergangenen Jahren bei Testfahrten auf getarnte Fahrzeuge. Andere Teams hingegen entwarfen Sonderdesigns nur für die Probefahrten, um dann zu den Rennen in den "echten" Farben anzutreten.

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