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Timo Glock mahnt: Warum blieb dieser Formel-1-Crash in Japan unbestraft?

Ein Einschlag mit über 50 G sorgt für Diskussionen in der Formel 1 - Laut Timo Glock hat Franco Colapinto seinen Kontrahenten in eine ausweglose Lage gebracht

Timo Glock mahnt: Warum blieb dieser Formel-1-Crash in Japan unbestraft?

Franco Colapinto in Suzuka: Hätte er eine Strafe bekommen müssen?

Foto: LAT Images

Timo Glock ist sich sicher: Franco Colapinto hätte beim Formel-1-Rennen in Japan eine Strafe bekommen müssen. Oliver Bearman kam mit Überschuss auf den langsamen Argentinier zugeschossen, als dieser plötzlich etwas nach links zog und Bearman so zu einer Reaktion zwang. Im Haas kam Bearman auf die Wiese, verlor die Kontrolle und krachte in die Mauer.

"Wenn ich mir das jetzt mal genau von Bearmans Onboard ansehe, dann wäre das in meinen Augen eine Strafe für Colapinto gewesen", so Glock bei Sky. "Er kam im letzten Moment, und Bearman hatte sich bereits entschieden. Colapinto kam mit so viel Überschuss an, dass er nichts anderes machen konnte - er war der Situation ausgeliefert."

Der Grund für den Geschwindigkeitsunterschied war die leere Batterie des Alpine-Piloten vor der Kurve: "Colapinto darf in der Situation den Move nicht machen, wenn er weiß, dass ihm die Batterie ausgeht - so wie es auch George Russell gemacht hat. Er hat sich sofort rechts positioniert, wusste: Ich habe keine Chance."

"Er hat sich sofort rechts positioniert und wusste, dass er keine Chance hat, und hatte Glück im Unglück, dass Bearman am Ende doch unverletzt davonkam. Zwar hat er sich ein bisschen am Knöchel verletzt, aber der Einschlag lag, glaube ich, bei über 50 G."

Oliver Bearman

Oliver Bearman musste Franco Colapinto ausweichen

Foto: LAT Images

Glocks Analyse geht noch weiter: "Sehen wir es uns nochmal an: Colapinto geht nach rechts, Bearman nach links. In dem Moment wechselt Colapinto nach links, und Bearman hat schlicht keine Chance." Hätte die Rennleitung also eingreifen und den Argentinier bestrafen müssen? Auch dazu hat Glock eine klare Meinung.

"Es gehört zur Aufgabe der Fahrer dazu, solche Situationen zu überblicken - das ist Teil der Komplexität der neuen Formel 1", so der Formel-1-Experte. "Man muss eigentlich schon vorher wissen, was auf einen zukommt. Colapinto hätte vorher schon ahnen müssen: 'Okay, mir geht die Batterie aus, ich sehe Oliver Bearman im Rückspiegel.' Dann muss man mit einkalkulieren, dass der andere im nächsten Moment neben einem sein kann - genau wie es George Russell gemacht hat." Der Automobil-Weltverband FIA hat bereits mit einem Statement auf den Unfall reagiert.

"Russell hat sofort reagiert, wusste, dass er da sitzt und nichts tun kann, und hat die Linie nicht im falschen Moment gekreuzt", vergleicht Glock die Situationen in Suzuka. "Ja, es war eine Rechtskurve, aber Russell war ebenfalls in dieser Kurve und hatte alles im Blick. Das zeigt, wie viel Kapazität die Fahrer heutzutage noch zusätzlich fordert."

Oliver Bearman hatte beim Großen Preis von Japan einen heftigen Unfall

Oliver Bearman hatte beim Großen Preis von Japan einen heftigen Unfall

Foto: Getty Images AsiaPac

"Gleichzeitig ist es, wie schon angesprochen, ein gefährliches Thema, dieser Überschuss von 40 bis 50 Kilometern pro Stunde", so Glock weiter. "Es gehört viel dazu, das alles im Blick zu haben. Wir hören es immer wieder: Die Fahrer schauen ständig aufs Display."

"Wenn man in der falschen Sekunde aufs Display blickt und nicht einschätzen kann, was um einen herum passiert, können sehr gefährliche Momente entstehen - und die werden wir mit Sicherheit noch das eine oder andere Mal dieses Jahr erleben", ist sich Glock sicher.

Bearman zeigt sich nach dem Zwischenfall zurückhaltend, schildert bei Sky dennoch seine Wahrnehmung in der Situation: "Ich hatte einen massiven Überschuss von rund 50 Kilometern pro Stunde. Das ist Teil der neuen Regeln, und wir müssen uns daran gewöhnen. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass mir nicht genügend Platz gegeben wurde, gerade weil ich so einen großen Geschwindigkeitsüberschuss hatte."

Haas-Teamchef Ayao Komatsu beschreibt bei Sky seine Sicht auf die heikle Situation: "In Richtung von Kurve 13 hat Colapinto immer konstant etwas getan, weshalb es nicht seine Schuld ist. Wir haben da immer mehr Energie freigesetzt, auch in normalen Runden hatten wir einen Vorteil von 20 Kilometern pro Stunde."

"Das ist der Grund, warum er es versucht hat. Er hat den Boost-Knopf benutzt, was einen Überschuss von 50 Kilometern pro Stunde bedeutet", so Komatsu weiter. "Ihr habt es auf den Onboards gesehen, wie schnell er aufgeschlossen hat, und da hat er es falsch eingeschätzt."

"Das ist etwas, worüber wir bezüglich der neuen Regeln gesprochen haben", so der Japaner. "Diese Überschüsse können zum Problem werden. Das war leider solch ein Unfall. Natürlich ärgert er sich über sich selbst und sagt: 'Ich hätte das besser machen sollen, keine Entschuldigung.' Aber der Überschuss von 50 Kilometern pro Stunde ist riesig. Das ist eine Lektion."

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