Gil de Ferran: McLaren-Berater überraschend verstorben
Gil de Ferran ist tot: Die nordamerikanische Motorsport-Legende, zuletzt Berater des McLaren-Teams in der Formel 1, starb am Freitag an der Rennstrecke
Das McLaren-Team trägt zum Ende des Jahres 2023 Trauerflor: Gil de Ferran, von Juli 2018 bis 2021 Sportdirektor und zuletzt seit Mai 2023 erneut Berater des britischen Rennstalls in der Formel 1, ist überraschend verstorben.
De Ferran nahm am Freitag am einem privaten Fahrevent auf einer Rennstrecke namens The Concours Club in Opa-locka, Florida, teil, gemeinsam mit seinem Sohn Luke. Der Brasilianer fühlte sich dann plötzlich nicht mehr wohl, stellte sein Auto ab und erlitt, so berichtet das unter anderem die Nachrichtenagentur Associated Press, einen Herzinfarkt. Die Wiederbelebungserfolge blieben erfolglos.
McLaren-CEO Zak Brown postet auf X (ehemals Twitter), er sei "schockiert und am Boden zerstört", vom Verlust des 56-Jährigen zu erfahren: "Ich bin mit Gil überall auf der Welt Rennen gefahren und habe ihn einige der größten Rennen gewinnen sehen. Er war über 20 Jahre lang ein großartiger Freund und wird sehr vermisst und nie vergessen werden."
Laut McLaren-Kondolenz war de Ferran "ein wichtiger und integraler Bestandteil unseres Rennteams. Er war auf und abseits der Rennstrecke eine beeindruckende Kraft und hinterließ einen bleibenden Eindruck bei allen, die mit ihm Rennen fuhren und zusammenarbeiteten. Er wird von allen bei McLaren Racing vermisst werden."
De Ferran träumte als Jugendlicher davon, eines Tages wie Emerson Fittipaldi Profirennfahrer und Formel-1-Weltmeister zu werden. 1991 wurde er Dritter in der Britischen Formel-3-Meisterschaft, geschlagen nur von seinem Landsmann Rubens Barrichello und David Coulthard, die später beide erfolgreiche Formel-1-Karrieren hinlegen sollten.
1992 wurde de Ferran selbst Champion, für das Team von Jackie Stewarts Sohn Paul, und belegte 1993 und 1994 die Plätze 4 und 3 in der damaligen Formel-3000-Meisterschaft, einem Vorläufer der heutigen Formel 2. Doch aus Tests unter anderem bei Williams und Arrows ergab sich kein Vertrag, sodass er Ende 1994 nach Nordamerika wechselte.
Dort stieg de Ferran zu den Stars der US-Motorsportszene auf, krönte sich 2000 und 2001 zum CART-Champion und feierte im letzten Jahr seiner aktiven Karriere in der Topliga, 2003, den wahrscheinlich größten Erfolg, als er im vierten Anlauf die 500 Meilen von Indianapolis gewinnen konnte. Danach fuhr er noch Langstreckenrennen.
2005 tauchte er dann doch wieder in Europa auf, zunächst als Sportdirektor des damaligen BAR-Teams. Nicht zuletzt aufgrund seiner engen Verbindungen zu Honda, BARs damaligem Partner, für den de Ferran die Übernahme jenes Rennstalls einleitete, der in Brackley beheimatet ist und heute als Mercedes-Werksteam an den Start geht.
Bei McLaren konzentrierte sich de Ferran nicht ausschließlich auf die Formel 1, sondern er stand dem Unternehmen zuletzt als Berater für alle Motorsportengagements zur Verfügung. Dass er dabei gerade im IndyCar-Bereich seine Expertise besitzt, liegt auf der Hand. 2019, als Fernando Alonso erfolglos versuchte, sich für das Indy 500 zu qualifizieren, war de Ferran McLarens Sportdirektor.
De Ferran wurde 56 Jahre alt. Er hinterlässt seine Ehefrau Angela, eine Tochter (Anna) und einen Sohn (Luke). Tochter Anna hat eine Karriere als DJ gestartet und war zuletzt ebenfalls im Umfeld der Formel 1 tätig. Beim Saisonfinale der Formel 1 2023 in Abu Dhabi legte sie im Rahmen der Pre-Race-Show auf.Mit Bildmaterial von Motorsport Images.
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