Todt: FIA "vielleicht zu nachsichtig" mit Teams, die Offizielle kritisieren

Der scheidende FIA-Präsident Jean Todt glaubt, dass der Verband auf Kritik an seinen Entscheidungen durch Teams und Fahrer womöglich zu nachsichtig reagiert hat

Todt: FIA "vielleicht zu nachsichtig" mit Teams, die Offizielle kritisieren

Nach der Kontroverse um die Handhabung der Safety-Car-Phase beim Grand Prix von Abu Dhabi geriet die FIA zunehmend ins Kreuzfeuer und sah sich gezwungen, ihre Haltung zu den Ereignissen am vergangenen Wochenende zu verteidigen.

Zugleich kündigte der Verband an, die Ereignisse des Saisonfinales im Rahmen einer Kommission genau überprüfen zu wollen. Vor allem Mercedes war der Meinung, dass die Entscheidungen von Formel-1-Rennleiter Michael Masi nur Teil eines größeren Versagens der FIA bei der konsequenten Anwendung der Regeln waren.

Aus Sicht des scheidenden FIA-Präsidenten Jean Todt, dessen Nachfolger am Freitag gewählt wurde, ging die Kritik an mancher Stelle jedoch zu weit. In anderen Sportarten hätten die entsprechenden Teams und Fahrer mit Konsequenzen rechnen müssen.

Todt: Wer den Schiri beleidigt, wird gesperrt

"Ich habe heute in der französischen Sportzeitschrift L'Equipe über den Präsidenten des Fußballclubs Lyon gelesen, der eine der wichtigsten Mannschaften ist. Er wurde für zehn Spiele gesperrt, weil er schlecht über den Schiedsrichter gesprochen hat", zieht Todt den Vergleich. "Vielleicht waren wir zu nachsichtig."

So sagte Red Bull-Teamchef Christian Horner nach dem letzten Rennen, dass der Sport den verstorbenen Formel-1-Rennleiter Charlie Whiting vermisse, und meinte, dass sich einige Gespräche mit Masi manchmal wie "wie auf dem Basar" anfühlten.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff kritisierte: "Ich hätte mir eine konsequentere Entscheidungsfindung gewünscht, die viele der Kontroversen während des Jahres hätte vermeiden können. Aber die letzte Entscheidung hatte den größten Einfluss und aus sportlicher Sicht eine katastrophale Auswirkung, weil sie die WM entschieden hat."

Dialog ja, aber immer mit ausreichend Respekt

Todt räumt zwar ein, dass die Formel 1 schon immer so funktioniert hat, dass die Teams, die FIA und die kommerziellen Rechteinhaber Einfluss nehmen konnten, aber er ist der Meinung, dass eine Grenze gezogen werden muss, welches Verhalten akzeptabel ist.

"Ich denke, es ist wichtig, einen Dialog zwischen dem Dachverband, den Teams, den Fahrern und den kommerziellen Rechteinhabern zu führen. Aber er sollte sich nicht gegen uns richten", betont der 75-Jährige. Zwar könne er nachvollziehen, dass in der Hitze des Gefechts die Emotionen schon mal überkochen.

"Aber auf der anderen Seite gibt es den Rennleiter, die Stewards und eine Menge Organisation. Und sind wir perfekt? Wir sind nicht perfekt", gibt Todt zu. "Natürlich können wir uns immer verbessern. Aber dann muss man sich auch benehmen."

"Deshalb habe ich vorgeschlagen, eine umfassende Überprüfung vorzunehmen, um zu sehen, was angesichts der Ereignisse verbessert werden muss. Aber nicht nur für dieses Rennen, sondern für das ganze Jahr. Sollten wir uns weigern, wenn wir uns verbessern können? Nein, das sollten wir nicht", weiß Todt.

"Wir müssen Perfektionisten sein, und in gewisser Weise ist die Formel 1 das Ergebnis von Perfektion. Ein großartiger Fahrer ist nicht genug. Ein großartiges Auto ist nicht genug. Alles muss kombiniert werden, um erfolgreich zu sein."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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