Topnews 2016 - #2: Liberty Media übernimmt die Formel 1

Platz 2 in unserem Countdown der größten Motorsport-Storys des Jahres: Der schrittweise Erwerb von Formel-1-Anteilen durch das US-Unternehmen Liberty Media.

Anfang September wurde bekanntgegeben, dass "Kabelkönig" John Malone mittels seiner Unternehmensgruppe Liberty Media ein erfolgreiches Angebot für die Übernahme der Formel-1-Muttergesellschaft Delta Topco abgegeben hatte. Damit wurde der mehrstufige Übernahmeprozess ins Rollen gebracht.

Im Formel-1-Fahrerlager wurde die Neuigkeit begrüßt. Schließlich war in den vergangenen Jahren eine exponentiell wachsende Unzufriedenheit mit den vorherigen Besitzern CVC Capital Partners zu vernehmen gewesen. CVC wurde vorgeworfen, "den Sport zu vergewaltigen".

Liberty-Besitzer John Malone genießt den Ruf, ein langfristig denkender Arbeiter zu sein, der mit der Zeit geht. Dank seines Scharfsinns, die großen Möglichkeiten des Kabelfernsehens früh erkannt zu haben, hat sich der Milliardär Schätzungen zufolge ein Privatvermögen aufgebaut, das dreimal so groß ist wie jenes von Bernie Ecclestone. Malone hat es in seinem Geschäft verstanden, neben der Bereitstellung von Dienstleistungen auch Inhalte zu erstellen und damit sein Einkommen zu maximieren.

CVC hatte über Jahre Ausschau gehalten, seine Anteile an der Formel 1 zu verkaufen. Nach dem geplatzten Gang an die Börse in Singapur im Jahr 2012, befand sich die Private-Equity-Firma in fortwährenden Gesprächen mit potenziellen Käufern. Dazu gehörten 2 Unternehmen, denen Malone vorsteht: Liberty Global und Discovery Communications.

Seither hat CVC schrittweise kleine Portionen seiner Formel-1-Anteile veräußert. So kamen externe Investoren wie etwa BlackRock Inc., Reed & Waddell Financial Inc. oder der Staatsfonds Norwegens in den Genuss einer Minderheitsbeteiligung an der Königsklasse des Motorsports.

Liberty Media befindet sich – sowohl über Liberty Global als auch über Discovery Communications – seit dem Jahr 2014 auf der Liste der potenziellen neuen Formel-1-Besitzer. Da jedoch in der gleichen Zeitspanne auch umfangreich über einen möglichen Deal mit einem amerikanisch-katarischen Konsortium rund um Stephen Ross (Besitzer des NFL-Teams Miami Dolphins) berichtet wurde, war Liberty nicht mehr als ein Name auf der Liste potenzieller Käufer. Auf dieser Liste stand zwischenzeitlich übrigens auch Apple.

Inzwischen ist klar: Liberty hat große Pläne für die Formel 1 und will es vor allem schaffen, den Sport im eigenen Heimatland USA auf solidere Beine zu stellen. Ziel ist es, mindestens 2 weitere US-Rennen in den Kalender zu hieven. Ein weiteres großes Ziel ist es, die Präsenz der Formel 1 im Social-Media-Bereich zu verstärken und den Sport damit näher zu den Fans zu bringen.

"Die Formel 1 ist ein riesiges Business, ein großes Franchise, auf dem wir aufbauen wollen", sagte der künftige Formel-1-Boss Chase Carey, als die Übernahme bekanntgegeben wurde. "Dank Investitionen in allen Bereichen sehe ich die große Chance, voranzukommen. Damit meine ich auch einige der historischen Bereiche, die für großartige Rennen sorgen: die Rennstrecken aufregender gestalten als jemals zuvor, die richtige Verbindung zwischen Sport und Marketing schaffen und in digitale Plattform investieren, um den Fans somit all das an die Hand zu geben, was der Sport zu bieten hat", so Carey.

Aktuell hält Liberty einen Anteil von 19,1 Prozent an der Formel 1 und wartet auf das Ergebnis, der anstehenden Anteilseigner-Abstimmung, bevor man die weitere Übernahme einleiten will. Diese wird voraussichtlich in 3 Schritten erfolgen.

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Rennserien Formel 1
Artikelsorte Feature
Tags bernie ecclestone, besitzer, chase carey, f1, john malone, liberty media, übernahme