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Topspeed-Vorteil weg: Hat Red Bull Ferraris Geheimnis gelüftet?

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Topspeed-Vorteil weg: Hat Red Bull Ferraris Geheimnis gelüftet?
Autor:
Co-Autor: Adam Cooper
03.11.2019, 16:10

Toto Wolff glaubt, dass Ferrari bis zu 50 PS Vorteil hatte, doch in Austin ist der Vorteil plötzlich weg - elf Tage nach einer Anfrage von Red Bull bei der FIA ...

Seit Monaten wird im Fahrerlager der Formel 1 hinter vorgehaltener Hand getuschelt, dass der Leistungssprung des Ferrari-Motors in der Saison 2019 möglicherweise nicht mit legalen Mitteln erzielt wurde. Nun hat sich die FIA (indirekt) in die Diskussion eingeschaltet - und vor dem Grand Prix der USA in Austin, Texas, eine sogenannte technische Richtlinie veröffentlicht.

Red-Bull-Chefingenieur Paul Monaghan hatte am 22. Oktober, also am Dienstag vor Mexiko, eine Anfrage an die FIA geschickt. Gegenstand der Anfrage war ein System, mit dem es möglich gewesen wäre, den durch das Reglement festgelegten Benzindurchfluss von maximal 100 Kilogramm pro Stunde auszuhebeln.

Dazu muss man wissen: Das "Fuel-Flow-Meter" der FIA misst den Durchfluss nur in bestimmten Intervallen. Zwischen den Intervallen wäre es theoretisch möglich (wenn auch nicht im Sinne des Reglements), mehr Benzin einzuspritzen - und den Durchfluss wieder zu reduzieren, sobald das nächste Messsignal erfolgt.

So könnte die Leistung des Motors in bestimmten Phasen (etwa im Qualifying oder zum Überholen) erhöht werden, ohne dass man dabei von der FIA erwischt wird. Aber die FIA hat Red Bull auf die Anfrage geantwortet, dass das von Monaghan skizzierte System nicht legal wäre - und eine entsprechende technische Richtlinie an alle Teams verschickt.

Übliches Verfahren: Anfragen gegen Tricks des Gegners

Das Vorgehen ist nicht unüblich. Wenn ein Team vermutet, dass ein anderes Team auf eine bestimmte Art und Weise trickst, entwickelt man einfach selbst ein solches System - und fragt bei der FIA an, ob das legal wäre oder nicht. Wenn es nicht legal ist, wird eine technische Richtlinie veröffentlicht - und auch das ursprünglich gemeinte Team muss dann zurückbauen.

Ob Red Bull mit der Mexiko-Anfrage einen Treffer gelandet hat, ist nicht klar. Aber: Im Qualifying in Austin waren die Ferraris beim Topspeed plötzlich nur noch Mittelfeld (P8/9). "Ich halte es für ein sehr starkes Zeichen, dass die FIA eine technische Richtlinie herausgegeben hat, die die Situation mit sehr klaren Worten präzisiert", sagt Mercedes-Teamchef Toto Wolff kryptisch.

Lewis Hamilton wird da schon deutlicher: "Ich denke, sie haben Leistung verloren. Ich bin gespannt, wie sich das aufs Rennen auswirkt." Ferrari sei auf den Geraden zwar "immer noch schneller als wir", hält der Mercedes-Pilot fest. Aber am Messpunkt in Austin fehlen nicht mehr zehn, sondern nur noch drei km/h.

Wolff wird gefragt, ob er nach der technischen Richtlinie in Sachen Motorleistung einen Unterschied feststellt. "Das ist eine Frage, wie sie nur ein Politiker stellen kann", grinst er - und antwortet: "Die drei Teams waren in Sachen Leistung auf den Geraden hier enger zusammen. Ich würde aber nicht sagen, dass das an einem bestimmten Ereignis liegt."

Bereits in Mexiko hatte Wolff den Leistungsvorteil von Ferrari im Interview mit 'Motorsport-Total.com' eingeschätzt: "Das schwankt. Was wir gesehen haben, sind bis zu 50 PS Differenz. Tendenz steigend." Für 2020 sei das aber aufholbar, "wenn man alle Maßnahmen setzt, die notwendig sind". Dazu gehört möglicherweise auch, dass die FIA für gleiche Voraussetzungen sorgt.

Marko fordert FIA zur Klärung auf

Helmut Marko, sonst nicht unbedingt ein Verbündeter von Mercedes, hatte sich in einem Interview mit 'Motorsport-Total.com' ebenfalls skeptisch gezeigt, was den Ferrari-Motor betrifft: Die "außerordentliche Leistungssteigerung" sei "ein anderes Thema. (...) Wenn man sich die Kurve anschaut, wie schnell die sind, dann ist es schon erstaunlich, wie ein Motor so herausstechen kann."

In dem Gespräch, das drei Tage nach Red Bulls Anfrage an die FIA aufgezeichnet wurde, hielt Marko fest: "Das muss die FIA klären." Denn seit die neuen Regeln für 2021 ratifiziert sind, gibt es keinen Grund mehr, Ferrari mit Samthandschuhen anzufassen. Bis dahin hatte man Angst, dass Ferrari ein Veto gegen die Regeln einlegen könnte, sollte es zu einem Protest gegen den Motor kommen.

Einen offiziellen Protest hat bisher noch niemand eingereicht. Es soll aber in den vergangenen Wochen mehrere technische Anfragen in Richtung der FIA gegeben haben. Red-Bull-Teamchef Christian Horner wundert sich: "Honda ist jetzt ziemlich dran an Mercedes. Auch Renault ist so ziemlich dabei. Nur Ferrari sticht hervor."

"Es ist kein kleiner Unterschied, sondern ein riesiger", betont Horner und erklärt: "Natürlich stellt man jede Woche Fragen an die FIA, die dann eine Stellungnahme abgibt. Dann hat man die Möglichkeit, dass das den anderen Teams mitgeteilt wird. Es ist nichts Ungewöhnliches, dass Fragen beantwortet werden. Diese Autos sind so komplex, dass einige Fragen auftreten."

Toto Wolff

Toto Wolff glaubt, dass Ferrari bis zu 50 Prozent Vorteil hat (oder hatte)

Foto: LAT

Bei Ferrari wiederum ist man verärgert, dass die Konkurrenz Verdachtsmomente streut, aber bisher kein konkretes Zuwiderhandeln gegen das Reglement nachweisen konnte: "Es ist eine Schande, was ich im Internet und in den Zeitungen lese", ärgert sich Teamchef Mattia Binotto im Interview mit 'Motorsport-Total.com'.

Binotto klagt an: Bei Mercedes hat auch niemand was gesagt!

"Früher hatten andere Teams auch manchmal einen technischen Vorteil, aber da hat niemand mit dem Finger auf sie gezeigt. Jetzt haben wir bei Ferrari einen Vorteil im Bereich der Antriebseinheit. Das ist uns gelungen, weil wir in diesem Bereich hart gearbeitet haben. Es wäre nur fair, wenn sich so mancher seine Kommentare sparen würde", so Binotto.

Aus seiner Sicht ist das Thema "mehr für die anderen ein Problem als für uns", und einem etwaigen Protest blickt er "sehr gelassen" entgegen: "Unser Vorteil ist da. Er ist nicht so groß, wie manche glauben. Aber wir sind sehr stolz darauf." Und Binotto sagt: "Wir haben weniger Anpressdruck als die anderen. Das erklärt, warum wir in den Kurven nicht so schnell sind."

Weniger Anpressdruck bedeute weniger Luftwiderstand, und weniger Luftwiderstand bedeute mehr Topspeed. Kein Hokuspokus, sondern alles ganz legal, behauptet Ferrari. "Unser Auto ist einfach effizienter als andere Autos. Das hilft uns auf den Geraden", analysiert Sebastian Vettel. "Abgesehen von der Power, wie viele Leute glauben."

"Aber ich bin auch sehr stolz darauf, dass wir einen starken Motor haben. Unsere Motorenabteilung hat einen tollen Job gemacht und wir konnten uns verbessern. Es ist ziemlich normal, dass solche Geschichten entstehen, wenn Leute etwas sehen, was aus der Masse sticht oder was man nicht sofort erklären kann. Ich denke, es ist ein Kompliment für unsere Arbeit."

Aber die Erklärung, dass Ferrari einfach weniger Luftwiderstand hat, kauft Horner Binotto und Vettel nicht ab: "Wir haben die Möglichkeit, die GPS-Daten zu vergleichen. Und dann beäugt man die Menge an Abtrieb, die die Autos fahren. Bei Ferrari kann man sehen, dass sie mit recht viel Flügel fahren und mit viel Abtrieb. Das Auto ist auf den Geraden einfach ballistisch schnell."

Wie es jetzt weitergeht? Sollte der Ferrari-Vorteil mit der technischen Richtlinie bereits eliminiert sein - das wird Austin zeigen -, ist der Fall wohl abgeschlossen. Wenn nicht, "dann haben die Teams Gelegenheit, Protest einzulegen", sagt FIA-Rennleiter Michael Masi und stellt klar: "Bislang ist noch kein Protest bei uns eingegangen."

Weitere Co-Autoren: Scott Mitchell. Mit Bildmaterial von LAT.

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