Toto Wolff: Bottas-Russell-Entscheidung fällt "irgendwann im Winter"

Das zweite Mercedes-Cockpit für 2022 bringt die "Silly Season" in der Formel 1 auf Trab - Toto Wolff überrascht jetzt mit einer unerwarteten Ankündigung

Toto Wolff: Bottas-Russell-Entscheidung fällt "irgendwann im Winter"

Die Entscheidung, wer 2022 im zweiten Mercedes sitzen wird, könnte erst im Winter 2021/22 fallen. Das hat Teamchef Toto Wolff am Rande des Grand Prix von Frankreich in Le Castellet (Formel 1 2021 live im Ticker!) überraschend bekannt gegeben.

Auf die Frage, wann er mit News hinsichtlich der Besetzung des zweiten Cockpits rechne, entgegnet Wolff: "Irgendwann im Winter. Ich weiß aber nicht ob im Dezember, Januar oder Februar."

Auf die Gefahr hin, dass diese Antwort für einen Scherz gehalten werden könnte, präzisiert Wolff auf Nachfrage: Es sei "gut möglich", dass die Saison ohne Entscheidung hinsichtlich des zweiten Fahrers zu Ende geht, "denn wir waren unseren Fahrern gegenüber immer verbindlich und loyal. Und genau so machen wir das jetzt auch wieder."

Zuletzt waren in verschiedenen Medien Gerüchte aufgekommen, wonach die Entscheidung, Valtteri Bottas 2022 durch George Russell zu ersetzen, bereits gefallen sei. Russell sei darüber schon informiert worden, berichtet unter anderem 'RTL'.

Bottas: "Mir hat niemand was gesagt"

Bottas hingegen weiß offenbar, sollten die Gerüchte wirklich stimmen, noch nicht Bescheid: "Zumindest mir hat niemand was gesagt", erklärt er, von 'Motorsport-Total.com' auf den angeblichen Abschied angesprochen.

Dass es in der "Silly Season" der Formel 1 "alle möglichen Spekulationen" gibt, "teilweise ohne jede faktische Grundlage", das sei nicht neu für ihn: "Manchmal wird versucht, Stories zu erfinden, einfach für die Klicks. So ist das nun mal."

 

Für Wolff ist klar, was Bottas tun muss, um seine Chancen zu wahren, 2022 im Mercedes zu sitzen: "An den Samstagen und Sonntagen schnell Autofahren. Wenn er das schafft, dann bringt er sich im Hinblick auf das nächste Jahr in eine sehr gute Position", sagt der Österreicher.

Interessant: Russell bleibt bei der sehr konkret formulierten Frage von 'Motorsport-Total.com', ob er bereits darüber informiert worden sei, dass er 2022 im Mercedes sitzen wird, vage und beantwortet diese ausweichend. Er sei "ein Williams-Fahrer", versucht er abzulenken, und "ich habe noch keine Verträge darüber hinaus unterschrieben", sagt der 23-Jährige.

Das blendet freilich völlig aus, dass Grundsatzentscheidungen auch fallen können, ohne dass gleich die zugehörigen Verträge unterschrieben werden - häufig sogar eine gezielt eingesetzte Medienstrategie, um in Interviews ohne zu lügen sagen zu können, "Ich habe noch keinen Vertrag unterschrieben", obwohl in Wahrheit längst alles entschieden ist.

Er hoffe, sagt Russell, dass seine Zukunft "auf die eine oder andere Art" geregelt werde, "vielleicht zur Sommerpause. Im Moment konzentriere ich mich aber aufs Rennfahren. Je besser meine Leistungen auf der Strecke, desto besser meine Chancen für die Zukunft. Die Formel 1 ist ein gnadenloser Sport. Es gibt nur Platz für 20 Fahrer. Da musst du auf höchstem Niveau liefern."

Er möchte sich nicht von irgendwelchen Gerüchten ablenken lassen, denn schon kleinste Formschwankungen könnten Wolff dazu bringen, ihm nicht das Vertrauen zu schenken, weiß Russell. Bottas argumentiert ähnlich: "Ich konzentriere mich erstmal auf den 'Tripleheader'. Es ist ohnehin schwierig genug, den ganzen Lärm drumherum auszublenden."

Braucht Mercedes frischen Wind? Vielleicht!

Das Urteil von vielen Medien und einer Mehrheit der Fans ist indes klar: Bottas hatte seine Chance bei Mercedes, und jetzt ist es an der Zeit, dass ein junger Fahrer frischen Wind reinbringt. "Ist das einer der Faktoren, über den man nachdenken muss? Absolut", gibt Wolff zu.

Aber: "Das ist nicht die Hauptsache. Die Hauptsache ist konstante Performance. Vor allem in einem so schwierigen Jahr brauchen wir zwei Fahrer, die in den Rennen voll dabei sind. Wenn einer ein schlechtes Wochenende hat oder einen Ausfall, muss es der andere nach Hause bringen. Darum ist es wichtig, immer zwei Fahrer zu haben, die ihr Können maximal ausschöpfen."

Auf Williams-Seite versichert man jedenfalls, dass Wolff noch nicht angerufen habe, um mitzuteilen, dass Russell 2022 zu Mercedes abberufen wird: "Wir arbeiten mit Mercedes eng zusammen, aber die Fahrer waren bisher kein Thema", sagt Neo-Teamchef Jost Capito im Interview mit 'Sky'.

"Wir haben auch noch Zeit. Die Saison ist noch so lang, da kann Mercedes sich in Ruhe die Leistungen von George ansehen. Er ist ein Mercedes-Fahrer und bei ihnen unter Vertrag. Da besteht in keiner Hinsicht irgendwelche Eile", erklärt der Deutsche.

Kehrt Bottas zu Williams zurück?

Sollte Russell tatsächlich zu Mercedes wechseln, wäre Bottas ein offensichtlicher Kandidat für eine Rückkehr zu Williams. Mit seinem Speed und seiner Erfahrung könnte er sein früheres Team (2013 bis 2016) voranbringen.

"Erstmal arbeiten wir mit George", winkt Capito ab. "Wenn der Anruf von Mercedes nicht kommt, würden wir gern mit George weiter zusammenarbeiten. Er fühlt sich bei uns wohl. Er sieht, dass es bei uns vorwärts geht. Er ist in der Fabrik. Wir waren vergangene Woche gemeinsam im Fitnessstudio und haben zusammen trainiert. Die Stimmung bei uns ist sehr gut."

"Er sieht, wie es bei uns im nächsten Jahr weitergeht, er sieht das Konzept des nächstjährigen Autos und er sieht die Investitionen, die wir tätigen. Er ist auch zuversichtlich, dass Williams wieder nach vorne kommt. Und ich denke, wenn der Mercedes-Anruf nicht kommt, würde auch er gern weiter mit uns zusammenarbeiten."

"Wenn einer unserer Fahrer geht, dann muss man sich umschauen, und dann würde ich niemanden ausschließen. Man muss dann sehen: Wer passt ins Team? Wer passt von der Art? Was sind die Aufgaben, die wir die nächsten zwei, drei Jahre haben? Wir haben nächstes Jahr sicherlich kein Auto, um gewinnen zu können", weiß Capito.

"Das Ziel ist, gut im Mittelfeld dabei zu sein. Da muss man natürlich einen Fahrer haben, der das akzeptiert und der bereit ist, an einem Team mitzuarbeiten und ein Team nach vorne zu bringen. Ein Fahrer, der sagt, 'Ich will mich ins Auto setzen und nichts anderes als gewinnen', wäre sicher nicht der Richtige für uns zum jetzigen Zeitpunkt."

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Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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