Toto Wolff: Brisanz im WM-Duell wird "von Journalisten aufgeblasen"

Toto Wolff sieht die Brisanz im WM-Kampf zwischen Lewis Hamilton und Max Verstappen nicht so hoch wie dargestellt - Für den Sport sei es jedoch ein Geschenk

Toto Wolff: Brisanz im WM-Duell wird "von Journalisten aufgeblasen"

Das WM-Duell zwischen Lewis Hamilton und Max Verstappen bietet aufgrund der Gegensätze der beiden Teams, der besonderen Ausgangslage und auch der sportlichen Entwicklung, die es in der Formel-1-Saison 2021 zwischen den beiden Rivalen bereits gab, allen Stoff, um in die Geschichtsbücher einzugehen.

Hamilton jagt seinen achten WM-Titel, der ihn zum alleinigen Rekordhalter machen würde. Verstappen und Red Bull jedoch wollen die Vorherrschaft von Mercedes brechen, ein Titelgewinn des zwölf Jahre jüngeren Niederländers würde auch so etwas wie einen Generationenwechsel in der Formel 1 einläuten.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff freut sich vor diesem Hintergrund vor allem für den Sport selbst. Doch viele Geschichten, die um das Titelduell gestrickt werden, gehen dem Österreicher zu weit. Etwa, dass auf beiden Fahrern ein immenser Druck lasten würde.

Wolff: Druck? "Völliger Blödsinn"

"Diese ganze Diskussion um Druck ist völliger Blödsinn", stellt er klar. "Man steigt in sein Auto, wie man es sein ganzes Leben lag getan hat, und fährt so schnell, wie man kann. Manchmal macht man Fehler, manchmal nicht. Und beim Team ist es dasselbe. Man braucht einfach ein gutes Auto und muss sicherstellen, dass man im richtigen Fenster ist", meint Wolff.

Es gehe zum einen also um die Fahrerleistung, zum anderen um die Performance des Autos. Beides verändere sich jedoch nicht aufgrund der Situation. "Wenn du mental nicht bereit bist, um an der Spitze des Motorsports abzuliefern, dann hättest du es gar nicht bis in die Formel 1 geschafft. Und du hättest keine Rennen gewonnen. Wir reden also über zwei Fahrer mit außergewöhnlichem Talent", stellt der 49-Jährige klar.

Auf der einen Seite steht "ein siebenmaliger Weltmeister, der als einziger 100 Siege geschafft und die meisten Polepositions erreicht hat. Und der niemandem mehr etwas beweisen muss. Und dieser kämpft gegen einen jungen, aufstrebenden Fahrer, der in einem guten Auto sitzt. So einfach ist es", sagt Wolff.

Wolff: Journalisten stellen die richtigen Fragen

Auch die Geschichten über eine persönliche Rivalität der beiden Kontrahenten seien völlig übertrieben. "Das wird von Journalisten aufgeblasen, die einfach die richtigen Fragen stellen", sagt er und richtet sich dabei lobend an die Medienvertreter. "Ihr macht einen fantastischen Job. Ihr stellt die richtigen Fragen und bekommt Antworten, die auf eine polarisierende Art interpretiert werden können", meint er.

Für den Sport selbst sei das jedoch ein Geschenk. "Die Rivalität zwischen Fahrern und Teams ist der Schlüssel für die Erzählung des Sports. Und natürlich will jeder sehen, wie sich diese Rivalität bis zum Höhepunkt steigert", erklärt Wolff.

Das beste Beispiel dafür sei die Berichterstattung über seine jüngsten Aussagen, wonach er einen Unfall zwischen Hamilton und Verstappen im WM-Finale für möglich hält. Der 'Daily Mail' gab Wolff unlängst ein Interview, in dem er mit Blick auf das Saisonfinale meinte, dass derjenige, der zu diesem Zeitpunkt vorne liegt, "absolut etwas Ähnliches versuchen" werde "wie in den Jahren von Senna und Prost".

Wolff: Habe nie gesagt, dass es einen Unfall geben wird

Sowohl von Red-Bull-Teamchef Christian Horner als auch von Hamilton selbst erntete Wolff für diese Aussagen Kritik. Wolff stellt klar, dass er damit keinesfalls meinte, dass es auch wirklich zu Unfällen kommen wird.

"Ich wurde zitiert, dass ich gesagt hätte, es werde in einem Unfall enden. Das habe ich nie gesagt. Es ging um das letzte Rennen und darum, wie man seine Position verteidigen wird. Und ich kann mir einfach vorstellen, dass die Jungs hart fahren werden. Es könnte also in einem Unfall enden. Es könnte, ich sagte nicht, es wird", stellt er klar.

Manchmal würden sich solche Aussagen verselbstständigen und außer Kontrolle geraten. "Aber ist das nicht das Tolle an der Formel 1?", fragt Wolff rhetorisch.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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