Toto Wolff: Ich vertraue den Formel-1-Kommissaren weiterhin!

Auch wenn er in Brasilien in Rage war, stellt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff den Kommissaren ein gutes Zeugnis aus und beton, dass er ihnen weiterhin vertraut

Toto Wolff: Ich vertraue den Formel-1-Kommissaren weiterhin!

Wäre das Manöver von Max Verstappen gegen Lewis Hamilton in Brasilien anders bewertet worden, wenn es statt einer asphaltierten Auslaufzone ein Kiesbett oder Gras gegeben hätte? "Gut möglich, ja", sagt FIA-Rennleiter Michael Masi und trägt damit weiter zur Verwirrung der Fahrer bei. Die hatten sich in der vergangenen Woche beschwert, dass sie nicht wüssten, wie sie sich im Zweikampf verhalten sollen.

Denn der Fall Verstappen hat viele rätselnd zurückgelassen. Eigentlich war sich die Mehrheit sicher, dass das Abdrängen seitens des Niederländers hätte bestraft werden müssen. Doch die Rennkommissare in Sao Paulo leiteten nicht einmal eine Untersuchung ein - sehr zum Ärger von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, der das als "absolute Sauerei" bezeichnete.

Wolff war nicht nur sauer, dass es keine (aus seiner Sicht notwendige) Strafe gegen den Red-Bull-Piloten gab, er empfand das auch als "sehr gefährlichen" Präzedenzfall für die letzten Rennen im Formel-1-WM-Kampf. "Man hat den Ball ins hohe Gras geschossen und gehofft, dass er einfach weg ist", meint der Österreicher.

Fahrer nach Meeting nicht schlauer

Wolff hätte sich gewünscht, dass die Kommissare in Brasilien gesagt hätten, dass das Manöver nicht in Ordnung war - selbst wenn es auf der anderen Seite Hamilton gemacht hätte und der Ausgang damit negativ für Mercedes gewesen wäre. "Denn ich denke, das wäre für die nächsten Rennen für alle einfacher gewesen."

Max Verstappen, Red Bull Racing RB16B, battles with Lewis Hamilton, Mercedes W12

Max Verstappen, Red Bull Racing RB16B, battles with Lewis Hamilton, Mercedes W12

Foto: Charles Coates / Motorsport Images

Doch so gab es am Freitag in Katar ein langes Fahrermeeting, in dem über das Thema eingehend gesprochen wurde - viel schlauer sind die Fahrer allerdings auch nicht daraus hervorgegangen. "Nichts ist klar", hatte Lewis Hamilton am Samstag in der Pressekonferenz gesagt.

Masi sieht das Thema hingegen abgehakt: "Es wurde ihnen klargemacht, was erwartet wird", sagt er. "Manche haben zugestimmt, andere nicht - und so ist das immer", sagt der Rennleiter. "Aber wir haben ihnen eine Richtlinie gegeben, haben aber auch klar gesagt, dass jeder einzelne Fall für sich selbst bewertet werden wird."

Masi: Sitze nicht als Richter da

So eben auch der Fall Verstappen, der mit einer anderen Auslaufzone auch eventuell anders bewertet worden wäre. "Man muss auf die gesamte Situation und die Umstände wie Wetter, Auslaufzone und so weiter schauen", sagt Masi und verneint, dass die FIA wieder einen legereren Ansatz fährt.

Die Bewertung einer Szene liege ganz und allein bei den zuständigen Rennkommissaren. "Entgegen vieler Leute Glauben sitze ich nicht als Richter da. Wir haben unabhängige Kommissare, die jeden Vorfall anschauen. Und dann entscheiden sie, ob eine Untersuchung notwendig ist oder nicht. Wenn ja, dann wir er untersucht - und dann entscheiden sie, ob er gegen die Regeln verstoßen hat oder nicht."

Das ist aber ein weiterer Punkt: Da die Kommissare von Rennen zu Rennen wechseln, gibt es keine einheitliche Linie. Möglicherweise hätten andere Kommissare den Fall von Verstappen anders bewertet. Daher gab es auch immer wieder die Forderung nach permanenten Kommissaren.

Wolff: "Möchte nicht in Haut der Kommissare stecken"

Wolff versucht derweil die Wogen wieder etwas zu glätten und betont, dass man auch in Brasilien "gute Kommissare" hatte. "Ich schätze Tim Mayer sehr, der dort Chefkommissar war. Ich glaube, dass einfach die Umstände so bizarr waren. Und sie stehen unter so immensem Druck, die richtige Entscheidung zu treffen."

Daher würde er auch nicht über einen Kommissar sagen wollen, dass er gut oder schlecht sei. "Denn ich möchte nicht in der Haut der Kommissare stecken. Irgendjemand beschwert sich immer, während die andere Seite still hält", so Wolff.

"Ich denke, dass Rennkommissar ein professioneller Job ist und auch gut bezahlt werden sollte. Der Druck sollte belohnt werden", sagt er. "Ob es ein permanentes Organ sein sollte, weiß ich nicht, in jedem Fall sollten es aber die besten Leute tun", so Wolff. "Wir haben viele gute Kommissare gesehen, und ich vertraue weiterhin jeder Entscheidung."

Weitere Co-Autoren: Luke Smith. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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