Toto Wolff kritisiert Bottas' Start: "Sowas sollte nicht passieren"

Valtteri Bottas erlebte in Mexiko ein Rennen zum Vergessen, dass er Max Verstappen die Führung auf dem Silbertablett servierte, brachte ihm Ärger von Toto Wolff ein

Toto Wolff kritisiert Bottas' Start: "Sowas sollte nicht passieren"

Lobeshymnen in der Formel 1 halten meist nur bis zum nächsten schlechten Tag. In Mexiko musste Valtteri Bottas diese Erfahrung im Extrem machen. Noch am Samstag wurde der Finne für seine Poleposition gefeiert und mit Lobeshymnen übergossen. Nach einem aus seiner Sicht völlig missratenen Rennen ist die Lage eine völlig andere.

Bereits nach einer Kurve konnte Bottas einen Haken hinter das Rennen machen. Wie abzusehen erwies sich der erste Startplatz aufgrund des Windschattens der Verfolger auf dem langen Weg zu Kurve nicht als Vorteil. Teamkollege Lewis Hamilton kam innen, Max Verstappen außen. Und dann wurde er in Kurve 1 auch noch von McLaren-Pilot Daniel Ricciardo umgedreht.

Kritik hagelte es aus den eigenen Reihen vor allem an seinem Verhalten Verstappen gegenüber. Tenor im Mercedes-Lager: Er hat es dem Niederländer zu leicht gemacht und zu viel Platz gelassen.

Wolff sauer über Bottas' Busspur

"Man hätte vielleicht ein bisschen besser verteidigen können auf der linken Seite. Aber diese Autos sind unheimlich schwierig abzuschätzen, wo der andere eigentlich ist. Der Valtteri hat auch geschaut, dass mit dem Lewis nichts passiert. Aber da hätte er rüberziehen müssen", sagt Teamchef Toto Wolff bei 'Sky' und ergänzte danach noch: "Sowas sollte nicht passieren."

Zur Einordnung muss allerdings erwähnt werden, dass es im Vorfeld des Rennens eine Klarstellung von Rennleiter Michael Masi gab, die es untersagte, einen Konkurrenten am Start von der Strecke zu drängen. Doch das lässt Wolff nicht als Erklärung gelten. Es gebe einen Unterschied "zwischen 'nicht zumachen' und 'eine Busspur freihalten'", sagt er.

Verstappen bekam von Bottas nicht nur viel Platz auf der linken Bahn, der Ideallinie. Sondern der Finne zog sogar eher nach rechts in Richtung Hamilton und machte diesem das Leben damit schwer. "Da ist einfach alles schiefgelaufen, was schieflaufen kann. Wir versuchen uns zu strecken in alle Richtungen und deshalb ist es umso ärgerlicher, dass so etwas passiert", hadert Wolff.

Ricciardo wird zu Bottas' Albtraum

Im Red-Bull-Lager war man mit Bottas' Aktion natürlich sehr einverstanden. "Valtteri war in Kurve 1 sehr fair und hat Max genug Platz gelassen. Das war auch die Regel dort", sagt Teamchef Christian Horner.

Von den drei Kandidaten an der Spitze erwischte sogar Hamilton den besten Start, was im Kampf gegen Verstappen allerdings nicht half. Denn da er neben Bottas fuhr, hatte er ebenfalls keinen Windschatten. "Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte man sich ein wenig nach links bewegen müssen", meint Wolff rückblickend.

 

So allerdings übernahm Verstappen die Führung und fuhr Hamilton auf und davon. Bottas hingegen fiel nach der Kollision fast bis ans Ende des Feldes zurück. Nur Ricciardo selbst, der sich bei der Berührung mit dem Mercedes den Frontflügel zerstörte, stand noch länger an der Box und lag beim Restart nach der frühen Safety-Car-Phase hinter Bottas. Doch das änderte sich schnell - und hatte gravierende Folgen.

Bottas hadert mit "verfluchtem" Rennen

Denn in der ersten Runde nach Rennfreigabe geriet Bottas in ein kurzes Scharmützel mit Lance Stroll. Der Kanadier drängte Bottas etwas von der Strecke ab, was Ricciardo nutze, um vorbeizugehen. Danach wurde es äußerst unangenehm für Bottas, denn er hing anschließend Ewigkeiten im Diffusor des Australiers, fand aber keinen Weg vorbei. Spätestens in dieser Phase wurde Ricciardo zum Albtraum für Bottas.

"Heute war es ziemlich verflucht", sagt Bottas. Denn nachdem Ricciardo in Runde 38 schließlich doch an die Box kam, nutzte Bottas die freie Fahrt für zwei schnelle Runden. Doch der geplante Overcut misslang, denn bei Bottas' Stopp klemmte es gehörig und er verlor viel Zeit.

Dadurch verlor Bottas sogar noch ein paar weitere Plätze, die er sich allerdings zurückholte. Als er schließlich wieder bei Ricciardo angekommen war, erlebte er ein Deja-vu, er kam einfach nicht vorbei. Bottas berichtet von großen Problemen, anderen Autos zu folgen.

Verkehr ließ Motor und Bremsen überhitzen

"Die Bremsen und der Motor überhitzten, das war ein größeres Problem, als wir dachten", erklärt er. Mehrfach kam Bottas ins DRS-Fenster von Ricciardo und setzte auch zum Überholmanöver an, doch er kam nie in die Position, um es vollenden zu können.

"Wenn man anfängt, die Bremsen und den Motor zu überhitzen, kann man nicht pushen", stellt er klar. Er habe daher viel lupfen müssen, um die Bremsen nicht zu überlasten. "Sie beißen nicht mehr richtig und irgendwann besteht einfach die Gefahr eines Schadens", so Bottas weiter.

Mercedes machte der Prozession hinter Ricciardo schließlich ein Ende und holte ihn zu einem weiteren Reifenwechsel rein. Die Chance auf Punkte war zu diesem Zeitpunkt quasi gleich null, also sollte er wenigstens Max Verstappen die schnellste Runde und den damit verbundenen Extrapunkt wegnehmen.

Schnellste Rennrunde auf den letzten Drücker

Selbst dieser Plan drohte zu scheitern, als Verstappen den Finnen im letzten Sektor extra aufhielt. Doch nach einem erneuten Reifenwechsel gelang ihm in der allerletzten Runde dann doch noch die Bestzeit, auch dank freundlicher Unterstützung seines Bald-Nachfolgers George Russell.

"Es war schwierig, das richtige Fenster mit dem Verkehr zu finden, aber am Ende hat es mit George perfekt funktioniert. Ich habe DRS von ihm bekommen und nach Kurve 3 bekam ich nochmal DRS", schildert Bottas. Ein Trost war das allerdings nicht: "Die schnellste Runde ist etwas, aber es hätte viel besser laufen sollen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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