Toto Wolff nach "Schachspiel": Haben "Pace kontrolliert"

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Toto Wolff nach
Autor: Maria Reyer
Co-Autor: Adam Cooper
16.09.2018, 18:25

Lewis Hamilton dominiert den Singapur-Grand-Prix 2018 wie in einem Schachspiel - Hinterbänkler Grosjean & Sirotkin sorgen für zusätzliches Herzklopfen

Es war fast ein Sonntagsspaziergang, der Lewis Hamilton den siebten Saisonsieg bescherte. Der Brite sprach nach den 61 Runden in Singapur (Formel 1 2018 live im Ticker!) vom "wahrscheinlich längsten Rennen" seines Lebens. Nur in Runde 38 schlug sein Herz aufgrund einiger fragwürdiger Aktionen von Hinterbänklern kurzzeitig etwas schneller. Bis ins Ziel verwaltete der WM-Führende seinen Vorsprung von knapp neun Sekunden nur noch. Ernsthafte Gefahr von hinten drohte nie, Hamilton war den Gegnern immer einen Zug voraus.

"Gott sei Dank ist heute alles sauber gelaufen. Wir haben die Pace kontrolliert. Es war ein bisschen wie ein Schachspiel", schilderte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff nach dem Grand Prix. Er konnte bereits nach dem Rennstart aufatmen, denn Hamilton erwischte einen sauberen Beginn.

"Als ich sah, dass Verstappen nicht perfekt wegkommt, dachte ich: 'Yeah. Okay, das ist ein guter Start'", gab der Österreicher zu. Der Niederländer wurde anschließend sogar von Sebastian Vettel überholt, doch auch der Deutsche konnte nichts gegen den führenden Hamilton ausrichten. Durch das sehr langsame Renntempo zu Beginn, schonte Hamilton seine Reifen. In Runde elf berichtete er via Teamfunk, dass der Hypersoft weiterhin guten Grip biete.

Hamiltons Taktik: Pace kontrollieren & Reifen schonen

Als sich Ferrari in Runde 14 für einen frühen Stopp von Vettel entschied, traf das die Silberpfeile keineswegs am falschen Fuß. "Wir haben damit spekuliert, sind aber trotzdem bei unserer Strategie geblieben, auf den Soft zu gehen. Am Ende ist sich das gut ausgegangen", kommentierte Wolff. Hamilton wurde schließlich eine Runde später abgefertigt und konnte das Rennen auf der harten Mischung zu Ende fahren.

Er hatte zusätzlich das Glück, dass Racing-Point-Pilot Sergio Perez zwischen ihm und Vettel nach den Boxenstopps auf der Strecke lag. Die Position auf der Strecke sei entscheidend gewesen, erklärt auch Hamilton. "Ich habe einen tollen Start erwischt und konnte danach das Feld einfach kontrollieren. Ich habe die Pace unter Kontrolle gehalten, auf die Reifen aufgepasst und gepusht, wenn ich musste."

Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen hat Hamiltons Taktik sofort durchschaut: "Der Führende kann die Pace diktieren. Er schaut auf seine Reifen." Der Finne wählte im Gegensatz zu den WM-Rivalen eine andere Strategie und blieb bis Runde 22 auf dem Hypersoft auf der Strecke. Er hoffte auf ein Safety-Car, doch das kam nicht. "Nur durch Glück kannst du Positionen gutmachen."

Hamilton verliert kompletten Vorsprung in Runde 38

Eine weitere Safety-Car-Phase hätte Mercedes-Technikchef James Allison zusätzlich zum Schwitzen gebracht. "Das Rennen war lang und wir waren sehr nervös. Während des gesamten Rennens hätte ein Safety-Car den soliden Vorsprung zerstören können." Doch Bernd Mayländer hatte am Sonntag nur ganz zu Beginn nach dem Unfall von Esteban Ocon einen Auftritt. Hamilton meisterte auch den Restart in Runde fünf mit Bravour.

Einzig in Runde 38 kam es zu einer heiklen Situation. Hamilton lag etwa drei Sekunden vor Verstappen auf der Strecke, der Vettel durch seinen Boxenstopp wieder überholt hatte. Der Brite lief auf Williams-Pilot Sergei Sirotkin und Haas-Fahrer Romain Grosjean auf. Doch jene beiden Fahrer lieferten sich just im selben Moment einen erbitterten Kampf - wodurch Hamilton wertvolle Zeit verlor.

Lag Verstappen nach seinem Boxenstopp in Runde 17 noch fünf Sekunden hinter dem Briten, so verkürzte er den Rückstand bis Runde 38 auf unter eine Sekunde. "Gegen Ende hin wurde es mit ein paar Hinterbänklern definitiv noch einmal interessant. Das war extrem schwierig", schilderte Hamilton. Schon nach fünf, sechs Sekunden hinter den zu Überrundenden hätte sein Bolide in der verwirbelten Luft zu rutschen begonnen.

Hinterbänkler Sirotkin & Grosjean "tickende Zeitbomben"

Trotz zahlreicher Blauer Flaggen ließen die Duellanten Hamilton nicht passieren. "Man konnte die Blauen Flaggen auch kaum sehen, weil sie sehr dunkel und die Öffnungen sehr klein sind. Dadurch kann man sie kaum sehen - bis die Leuchtanzeigen eingeschaltet wurden. Aber selbst dann haben manche Fahrer darauf nicht reagiert", so der Singapur-Sieger. Verstappen wurde dadurch unverhofft seine größte Chance offeriert.

In Kurve 10 kam er bis auf eine Zehntelsekunde an den Mercedes heran, Hamilton musste "ärgste Verteidigungslinie fahren", um seine Führung nicht zu verlieren und gleichzeitig sollte er überrunden. "Das lässt dir kurz die Haare zu Berge stehen, aber danach ging es gleich wieder zurück zum Tagesgeschäft." Denn als Hamilton bei Sirotkin und Grosjean, der dafür später eine Zeitstrafe kassiert hat, vorbeiging, konnte er Verstappen abschütteln und seinen Vorsprung auf über drei Sekunden wieder ausbauen.

"Die waren wirklich die einzigen tickenden Zeitbomben", meinte Wolff ein wenig verärgert. Zwar lobte er den Einsatz der Mittelfeldfahrer - immerhin würden sie auch nur ihr Rennen fahren -, dennoch forderte er "ein bisschen mehr Übersicht" von ihnen. Er gibt auch zu, im ersten Moment verärgert gewesen zu sein, den gesamten Vorsprung eingebüßt zu haben. "Die Fahrer müssen das schließlich unter sich ausmachen", so der Mercedes-Teamchef.

Hamilton "nicht sicher", ob er mit Verstappen-Pace mithalten könne

Als Red-Bull-Pilot Verstappen in den letzten zehn Runden teilweise persönlich schnellste Rundenzeiten fuhr, musste Hamilton mehrfach darauf antworten. Der Rückstand pendelte sich zunächst bei rund drei Sekunden ein, bevor der Brite ab Runde 56 (1:42.913 Minuten sollte seine schnellste Rennrunde werden) schließlich konterte und der Vorsprung rasch auf über acht Sekunden anwuchs.

Mit einer 1:42.913 Minuten fuhr der Brite in Runde 56 seine schnellste Rundenzeit, die schnellste Zeit des Rennens auf dem Soft-Reifen. Im Vergleich: Verstappen schaffte seine schnellste Rennrunde in Runde 54 auf etwas frischeren Reifen, er war jedoch um über vier Zehntelsekunden langsamer als der Führende.

"Max hatte gegen Ende hin eine tolle Pace und hat eine starke Rundenzeit hingelegt, danach habe ich mein Tempo wieder etwas angezogen. Ich war nicht sicher, ob ich mit ihm mithalten könnte, aber es stellte sich heraus, dass ich in der Lage war, etwas wegzufahren."

Stand der fünfte Singapur-Triumph für Mercedes zu irgendeinem Zeitpunkt auf der Kippe? Wolff verneint, kein einziger Faktor ließ ihn am Sonntag zittern. "Nein, Aber es macht mich glücklich, dass wir in Singapur, wo wir immer so gelitten haben, ein Auto haben, das schnell war." 49 Führungsrunden und der 69. Grand-Prix-Erfolg für Hamilton sind Zeugnis davon. Der Brite führt die Weltmeisterschaft bei noch sechs Rennen um 40 Punkte an.

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