Formel 1 Monza
Toto Wolff: "Wenn Kimi da steckenbleibt ..."
George Russell hadert mit der Strategie, die aus Sicht von Mercedes jedoch Sinn ergab, während Toto Wolff beim Zweikampf seiner Piloten kurz richtig Puls bekam
Norman Fischer Ronald Vording
Bearbeitet: 06.09.2026, 20:20
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Kimi Antonelli und George Russell kämpften mehrfach um dieselben Zentimeter
Foto: LAT Images
Das war die ultimative Demütigung für George Russell und möglicherweise eine Vorentscheidung in der Weltmeisterschaft: Wieder einmal musste sich der Brite seinem jungen Teamkollegen Kimi Antonelli geschlagen geben, obwohl dieser mit Startposition 19 eigentlich drauf und dran war, einige Punkte im Titelrennen einzubüßen.
Doch Antonelli zeigte die statistisch zweitbeste Aufholjagd der Formel-1-Geschichte - nur John Watson gewann von noch weiter hinten - und siegte bei seinem Heimrennen. Dabei fuhr Antonelli nicht nur wie der Blitz durch das Feld, sondern schlug Russell auch im direkten Zweikampf.
Zunächst schien für Russell noch alles nach Plan zu laufen: Der Mercedes-Pilot entledigte sich schnell des Überraschungspolesetters Pierre Gasly und setzte sich in Führung. Doch schnell musste er merken, dass Antonelli nicht mehr so weit weg war wie gedacht. "Als ich sah, dass er nach nur ein paar Runden schon auf P5 vorgefahren war, dachte ich mir: Okay, er mischt hier voll mit", sagt er.
Das war nämlich bereits nach gerade einmal zehn Runden. Nur drei Runden später hing der Italiener Russell dann direkt im Nacken, während sich dieser mit Max Verstappen herumschlug. Und als beide den viermaligen Weltmeister hinter sich gelassen hatten, begann schließlich der erste interne Kampf.
Hin und her ging es zwischen den beiden, die sich im Jojo-Stil mehrfach gegenseitig überholten, bis Mercedes anwies, das sein zu lassen, da beide auf unterschiedlichen Reifen waren und sich gegenseitig einfach nur Zeit kosteten.
VSC bringt die Strategie-Entscheidung
Als das virtuelle Safety-Car schließlich in Runde 29 auf die Strecke kam, nutzte Antonelli auf seinen Mediums die Chance zum Boxenstopp - Russell blieb auf seinen harten Reifen draußen. Am Ende sollte das auch die Entscheidung bringen, da Antonelli auf frischen Reifen schnell wieder aufschloss und Russell in den letzten Runden keine Chance ließ.
Dass er am Ende die vermeintlich schlechtere Strategie hatte, ärgert Russell. Dem Team macht er jedoch keinen Vorwurf: "Ich glaube nicht, dass das Team wusste, was die richtige Strategie war", sagt er. "Und da Max auch noch im Kampf dabei war, war es für das Team wahrscheinlich die richtige Entscheidung, die Strategie aufzuteilen."
Dass Antonelli noch einmal an die Box kommen würde, schien klar, da er mit den harten Reifen gestartet war und während der roten Flagge auf die Mediums gegangen war. Womöglich hätte er auch draußen bleiben können, schließlich fuhren auch andere wie Lewis Hamilton oder Gabriel Bortoleto auf Mediums durch, doch das VSC bot dem Italiener eine günstige Chance zum Wechsel.
"Das VSC kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt", findet Russell. "Ich glaube, für die Jungs auf dem Medium wäre es verdammt schwer geworden, gegen jemanden auf dem harten Reifen anzukommen." Aber: Theoretisch hatte natürlich auch Russell die Chance auf einen Reifenwechsel unter dem VSC gehabt - zu der Zeit lag er nämlich vor Antonelli.
Mercedes: Ein Stopp die bessere Variante
Das war aber nicht in Mercedes' Sinn: "Zu diesem Zeitpunkt sagte das System, dass die Einstoppstrategie am Ende vorne liegt", verteidigt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff die Entscheidung. "Dass die Zweistoppstrategie gegen Ende zwar näher kommt, aber es nicht ganz reicht. Das war es, was die Software gesagt hat."
Dass man Antonelli hingegen zum Stopp holte, lag daran, dass man an einigen Reifen der Konkurrenz Abrieb gesehen habe, auch wenn Antonelli selbst meinte, dass die Reifen noch gut seien. "Es war also die richtige Entscheidung. Und deshalb brauchte es auch keine große Diskussion", betont Wolff. "Es war auch die richtige Entscheidung, die Strategien aufzuteilen, weil unklar war, was die bessere sein würde."
"Im Nachhinein ist es natürlich leicht zu sagen, dass ich hätte stoppen sollen - oder wenn ich das Rennen gewonnen hätte, hätte ich gesagt, Kimi hätte draußen bleiben sollen", sagt Russell ohne Vorwurf in Richtung Team. "Ich hätte mich einfach gerne auf der Strecke mit Kimi duelliert."
Die Chance auf das Duell sollte aber in der Schlussphase des Rennens noch einmal kommen, denn auf frischen Mediums ließ Antonelli die anderen Konkurrenten schnell hinter sich und machte sich auf die Jagd nach seinem Teamkollegen.
"Heute habe ich an nichts anderes gedacht, als zu versuchen zu gewinnen - besonders, als ich die Chance gesehen habe", sagt Antonelli über seine brillante Aufholjagd. "Ich habe ordentlich gepusht."
Fünf Runden vor dem Ende war der Italiener wieder direkt im Heck seines Teamkollegen und schien sich den ersten Platz von diesem nur schnappen zu müssen, allerdings folgte in Kurve 2 die Schrecksekunde für Toto Wolff und alle Fans auf den Tribünen: Beide fuhren nebeneinander durch die Schikane und Antonelli anschließend in den Kies.
Schreckmoment: Antonelli im Kiesbett
Eine Berührung gab es zwischen beiden nicht, stattdessen war Antonelli außen in Kurve 2 einfach auf die dort liegenden Kiessteine und den Reifenabrieb gekommen und rausgerutscht. "Wenn er da steckenbleibt ...", malt sich Wolff das Horrorszenario aus. "Also das war mit Sicherheit nicht notwendig. Ich muss überlegen, wie wir das hätten vielleicht besser managen können."
Eine Stallorder wollte Mercedes zu dem Zeitpunkt aber nicht aussprechen, sondern seinen Piloten freie Fahrt lassen. "Ich denke, heute haben sie gezeigt, dass sie doch hart miteinander fahren können, ohne sich abzuschießen", meint der Österreicher gegenüber Sky.
"Also dieser eine Moment, das hätten wir versuchen müssen zu vermeiden. Ich weiß noch nicht genau, wie wir daraus lernen, aber bis dahin haben sie wirklich gut miteinander gefightet."
Am Ende hatte die Szene aus Sicht von Antonelli ohnehin keine Auswirkungen. Die zwei Sekunden Rückstand, die er sich durch den Kiesausflug einhandelte, holte er schnell wieder auf und zog dann eben mit Verspätung an Russell vorbei, der laut Wolff zu dem Zeitpunkt "stumpfe Waffen" hatte.
"Ich hätte zu gerne auf derselben Strategie weitergemacht, weil ich mich in einer guten Position in diesem Zweikampf gefühlt habe", meint Russell im Nachhinein. "Ich wusste gewissermaßen genau, was ich beim Energiemanagement tun musste, um zu verteidigen, aber auch, wann ich angreifen und diese Manöver ansetzen musste."
"Es wäre also sehr interessant gewesen zu sehen, wie das Rennen ohne das VSC verlaufen wäre."
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