Trotz Mega-Roadshow in Buenos Aires: Argentinien-GP vorerst nicht realistisch
Mehr als eine halbe Million Menschen waren bei der Roadshow in Buenos Aires, um Franco Colapinto zu sehen - Warum der Argentinien-GP trotzdem nicht realistisch ist
Franco Colapinto muss weiter von einem Argentinien-GP träumen
Foto: Sutton Images
Die Argentinier brennen darauf, die Formel 1 nach fast 30 Jahren endlich wieder in ihr Land zu holen. Die eindrucksvolle Roadshow in Buenos Aires, bei der Lokalmatador Franco Colapinto vor mehr als einer halben Million Fans mit einem Lotus E20 aus der Saison 2012 durch die Straßen raste, lieferte wohl den deutlichsten Beweis.
"Es ist viel einfacher, mit Videos oder Bildern zu zeigen, was tatsächlich bei einem Rennen passieren kann, wenn es in Argentinien stattfindet", sieht der aktuelle Alpine-Pilot darin ein starkes Signal. "Ich denke, es ist ein großartiger Weg zu zeigen, was sie tun können und wie viel Gutes Argentinien der Formel 1 tun würde. Es wäre gewaltig."
"Motorsport ist in Argentinien wahrscheinlich die zweite Sportart nach Fußball. Es sind so viele Jahre ohne ein Formel-1-Rennen und ohne einen Formel-1-Fahrer aus Argentinien vergangen, dass es jetzt mehr und mehr wächst. Ich denke, es wird ein sehr spezieller Moment sein, wenn tatsächlich ein Rennen dort stattfindet."
"Sie werden alle sehr überrascht sein, wie leidenschaftlich die Fans sind und was das auslösen wird", ergänzt Colapinto. Zwar reiste eine Delegation aus Buenos Aires tatsächlich nach Miami, um sich dort mit den Verantwortlichen der Formel 1 zu treffen, doch die Chancen auf einen Argentinien-Grand-Prix sind aktuell sehr gering.
Formel 1 sieht keine realistische Chance für Argentinien
Das bestätigten die Verantwortlichen der Formel 1 am vergangenen Wochenende sogar selbst. Zwar gebe es bereits Gespräche, die teilweise bis ins Jahr 2024 zurückreichen, doch diese befänden sich noch in einem sehr frühen Stadium - und realistisch sei ein baldiger Grand Prix in Argentinien derzeit nicht.

Franco Colapinto bei der Roadshow in Argentinien in einem Lotus E20
Foto: Nico Ferreyra
Die Roadshow in Buenos Aires wurde intern zwar als voller Erfolg mit außergewöhnlich leidenschaftlichen Fans bewertet, dennoch ist der Kalender der Königsklasse bis 2029 bereits fest verplant. Zudem konkurrieren derzeit auch Länder wie Thailand, Ruanda oder Korea um die möglichen freien Plätze im Rennkalender.
Colapinto selbst lässt sich davon jedoch nicht entmutigen. Für ihn war das Event ein wichtiger Schritt, denn die Roadshow sei "eine großartige Basis" gewesen und "ein großartiger Weg um zu zeigen, wie ein Großer Preis von Argentinien aussehen kann", meint der Lokalmatador.
"Mit einer guten Organisation, wie wir sie am Sonntag hatten, kann es möglich sein und es kann sehr gut sein. Es kann wirklich positiv sein, einen weiteren südamerikanischen Grand Prix zu haben. Und natürlich wäre es einer meiner Träume, in meinem Heimatland Rennen zu fahren. Es wäre sehr besonders und es ist etwas, wovon ich immer träume."
Fans konnten das Auto nur hören, aber nicht sehen
Doch vorerst wird es bei einer Demofahrt in seiner Heimat bleiben, die Colapinto allerdings ebenfalls beeindruckt hat: "Ich glaube, als ich sehr jung war, habe ich von einer Show wie dieser geträumt", gibt der 22-Jährige zu, der von einer "sehr guten Erfahrung" und einem "sehr einzigartigen Moment" spricht.
"Ich hätte nie gedacht, dass es möglich ist, so viele Menschen an einem Ort zu versammeln, so viel Unterstützung zu haben und sie so leidenschaftlich zu sehen, und zu sehen, wie sie es von den Balkonen und von den Straßen aus so sehr genießen."
"Man konnte die Leute vorne sehen, aber dann ging es hunderte Meter nach hinten. Sie konnten nur das Brüllen des Motors hören, aber sie konnten das Auto nicht sehen", berichtet der Argentinier voller Dankbarkeit. "Sie waren trotzdem dort, um mich zu unterstützen und anzufeuern."
Sogar Teamkollege Pierre Gasly, der die Roadshow über die sozialen Netzwerke verfolgt hat, war davon begeistert. Es sei "ziemlich wild" gewesen, sagt der Franzose mit einem Grinsen im Gesicht. "Ich denke, er hat wahrscheinlich die größte Community hinter sich von allen Fahrern im Fahrerlager."

Franco Colapinto konnte seinen Fans in Buenos Aires etwas zurückgeben
Foto: Vicky Dragonetti
"Es ist ziemlich unglaublich zu sehen, wie viel Unterstützung und wie viel Interesse aus Argentinien kommt", gibt Gasly zu. "Ich mag es zu sehen, dass das Land, egal was passiert, seinen Fahrer so unterstützt, wie sie es tun, es ist also ziemlich faszinierend."
Colapinto macht seine Oma "hoffentlich nicht tauber"
Jetzt konnte Colapinto zumindest einen kleinen Teil an seine Fans zurückgeben. "Sie waren in der Vergangenheit sehr unterstützend, und ich bin froh, dass ich ihnen ein Formel-1-Auto zeigen konnte und ihnen eine wirklich gute Show geboten habe", sagt der 22-Jährige.
"Meine Familie war da, meine Freunde, meine Oma", verrät der Alpine-Pilot. "Sie bekommen mich nie bei einem Rennen und als Rennfahrer zu sehen. Es war auch eine schöne Sache für sie und für mich, das zu tun." Die Anwesenheit seiner Oma sei für ihn allerdings besonders emotional gewesen.
"Ich weiß nicht, wie es für sie war, aber ich glaube, es war einer der besten Tage ihres Lebens. Sie war wirklich glücklich", sagt Colapinto, der mit einem Schmunzeln ergänzt, dass die Lautstärke kein Problem gewesen sei: "Nicht wirklich, weil sie schon ein bisschen taub ist. Ich sagte ihr: 'Hoffentlich habe ich dich danach nicht noch tauber gemacht.'"
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